Che - Teil 2: Guerilla

OT:  Che - Part 2: Guerilla   -  131 Minuten -  Biopic 
Che - Teil 2: Guerilla
Kinostart: 24.07.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Che - Teil 2: Guerilla

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Knapp sechs Wochen nach dem ersten Film Che – Teil 1: Revolucion, kommt der finale Part Guerilla in die Kinos. Man kann davon ausgehen, dass das interessierte Publikum, auf Grund der Langatmigkeit und Redundanz des Vorgängers, mit Sicherheit auf einen kleineren Kreis geschrumpft ist. Und das ist wohl auch gut so, denn bei allen Schwächen die man den ersten Teil von Steven Soderberghs Che Mammutprojekt auch ankreiden kann, schaffte er es doch zumindest eine gewisse Faszination auszusprühen. Teil 2 ist nun die etwas schwächere Wiederholung davon.

Nachdem sich einige Differenzen zwischen die beiden Revolutionäre Che Guevara (Benicio del Toro) und Fidel Castro stellten, hat Che seine öffentlichen Ämter in Kuba niedergelegt und sich zu neuen Ufern aufgemacht. Zunächst scheitert er, als er versucht seine Ideen im Kongo zu verwirklichen, doch da ihm die Revolution im Blut liegt, muss ein neues Ziel her: Bolivien. Er reist anonym in das Land, übernimmt das Kommando über eine kleine Widerstandstruppe, ist aber gegenüber der bolivianischen Armee völlig unterlegen…

Wir erinnern uns: Am Ende des ersten Teils befanden sich die Revolutionäre auf dem Weg nach Havanna um die kubanische Hauptstadt einzunehmen. Im zweiten Teil ist davon bereits keine Rede mehr, denn dank eines Zeitsprungs, kann sich Soderbergh bald schon wieder auf das konzentrieren, was ihm scheinbar das Wichtigste an seinem Film war: Bedächtige Märsche durch den Wald, die mit so einer Selbstsicherheit wiederholt werden, dass man fast schon meinen könnte, dass die Wiederholung an sich eine Bedeutung hat.

Das Problem ist dabei aber vor allem die gleich doppelte Redundanz dieser Szenen. Zunächst hat man das alles bereits im ersten Teil gesehen, und verspürt eigentlich nicht den Drang das Selbe noch einmal zu betrachten, und dann wiederholen sich die unglaublich langen Märsche durch den Wald auch noch im Film selbst immer und immer wieder. Hat Steven Soderbergh gar auf die großen „Waldfilme“ von Terrence Malick (Der schmale Grat) und Werner Herzog (Fitzcarraldo, Aguirre – Der Zorn Gottes) als Vorbild geschielt? Dann hat er deren Essenz zumindest nicht erfasst.

Einige große Unterschiede gibt es aber dann doch noch zum ersten Teil. Drehte sich dieser nämlich noch zur Gänze um eine glückliche Revolution, und stellte den Triumph in den Mittelpunkt, so geht es im zweiten Teil klar um das große Scheitern, und das hat Steven Soderbergh auch gekonnt mit der Stimmung des Films eingefangen. Besonders wie er filmtechnisch den Fall Guevaras ankündigt zeigt, dass hier eigentlich ein großer Regisseur am Drücker ist, und man kann auch nicht wirklich sagen, dass Soderberghs Regie Schuld am Scheitern des zweiten Teils ist.

Doch während der erste Teil noch historisch interessant ist, und es schafft die Revolution in Kuba von einem Mikrokosmos heraus zu beleuchten, verfehlt der zweiten Teil das selbe Ziel deutlich. Der Film schafft es nicht in eine größere, historische Dimension vorzudringen, und als Charakterdrama ist er dann auch zu einseitig ausgefallen. Denn obwohl es Soderbergh zwar vermeidet Guevara nur zu verehren, ist der Blick auf ihn dennoch leicht unkritisch und einseitig ausgefallen. Der Held bleibt ein Held, sein Mythos bleibt Mythos, aber verstehen tut man diese wichtige historische Persönlichkeit auch nach Soderberghs Film nicht besser als zuvor.

All diese kleinen Probleme summieren sich zu einem großen Abstieg gegenüber dem spürbar besseren ersten Teil. Gut, Benicio del Toro spielt sich auch in diesem Film förmlich die Seele aus dem Leib, aber das täuscht nicht über den austauschbaren Restcast hinweg. Und es muss auch erwähnt werden, dass sich der Film durch seine unpointierte Herangehensweise spürbar in die Länge zieht, und es würde mich nicht wundern, wenn am Ende noch weniger Leute im Kino sitzen als zum Zeitpunkt als die Lichter ausgegangen sind. Mein Rat: Einfach nur den ersten Teil ansehen, die Ereignisse danach können mit Wikipedia sicher besser rekonstruiert werden.

Fazit:
Nach dem zwar auch langatmigen, aber insgesamt durchaus gefälligen Che – Teil 1: Revolucion ist der Nachfolger ein deutlich Absturz. Im Wesentlichen wiederholt sich das Konzept des Wanderns für die Revolution, und ausser den redundanten Spatziergängen durch den Wald gibt es leider auch nicht viel zu sehen. Ein scharfer Blick auf den Charakter Guevaras ist nicht gewährleistet und abgesehen von einer filmisch versiert aufbereiteten Untergangsatmosphäre hat Che – Teil 2: Guerilla nicht viel zu bieten. Das ist schade, denn Potential wäre sicher da gewesen.

Wertung:
5/10 Punkte

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