Eine Frage der Ehre (1992)

OT: - 138 Minuten - Gerichtsdrama
Eine Frage der Ehre (1992)
Kinostart: 14.01.1993
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Eine Frage der Ehre

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Eigentlich auf romantische Komödien abonniert, gelang Rob Reiner („Misery“, „The American President“) ein Justizthriller, der wegen seiner beeindruckenden Darstellerleistungen nach wie vor zu den besten im militärischen Outfit gehört. So viele gute Beiträge gibt es auf diesem Gebiet aber auch nicht und dass der Film bis in die letzte Haarspitze so erstklassig besetzt worden ist, hilft natürlich. Muss auch, denn das Drehbuch geht kein riskantes Wagnis ein, obwohl das Thema eigentlich einen kritischen Blick auf das zwiespältige Verständnis der U.S. Army von Ehre, Kameradschaft, Gehorsam und Eigenverantwortung, die Moral und Menschlichkeit zugunsten einer blindlings funktionierenden Einheit ersetzen, rechtfertigen würde.


Denn der recht heikle Fall behandelt den Code Red. Dieser interne Befehl Kameraden zu bestrafen, die sich nicht an den Ehrenkodex halten oder den guten Ruf der Einheit absichtlich schädigten, ist ein offiziell verpönter und für abgeschafft erklärter Vorgang innerhalb der amerikanischen Armee und doch wurde er auf Guantanamo in Kuba mit tödlichen Folge durchgeführt. Zwei Marines werden des Mordes angeklagt und der junge Yuppie-Anwalt Lt. Daniel Kaffee, den Tom Cruise („Days of Thunder“, „Collateral“) damals noch in seinem patentierten, überheblichen, vorlauten Sunnyboy-Modus absolviert, wird als Verteidiger eingesetzt, obwohl er trotz einer rekordverdächtigen Anzahl abgeschlossener Verfahren noch nie einen Gerichtssaal gesehen hat. Als Meister des Kuhhandels erwirkt er die Urteile auf dem Baseballplatz. Doch dieses Mal läuft es anders. An seiner Seite steht die ambitionierte Anwältin Lt. Cdr. Joanne Galloway (Demi Moore, „Ghost“, „G.I. Jane”) und die will keine milde Strafe für die beiden lediglich dem falschen Befehl folgenden Marines, sondern die Wahrheit und den Befehlsgeber. Nun führt auf der Basis aber ausgerechnet der knallharte Col. Nathan R. Jessep (Jack Nicholson, „The Shining“, „About Schmidt“) das Kommando und der ist vom alten Schlag, nicht gerade für seine Umgänglichkeit bekannt und außerdem auf dem Sprung nach Washington in den Regierungsstab.

Etwas zu lang und manchmal auch etwas zu zerfahren gestaltet sich „A Few Good Man“ schon, weicht aufdringlichem Patriotismus aber genauso aus wie nervenden Klischees. So weit es eben einem Mainstream-Film, der die Unterstützung des Militärs während der Dreharbeiten zwangsläufig braucht, überhaupt möglich ist, sich anklagend zu äußern, geht der Film behutsam mit seinem brisanten Thema um, und bildet erst einmal die Verteidiger-Konstellation. Der kesse Kaffee und die ehrgeizige Gerechtigkeitsfanatikerin Galloway sind sich zunächst alles andere als grün und auch Kaffees Adjutant Lt. Sam Weinberg (schön zynisch, aber schlägt sich unter Wert: Kevin Pollak, „End of Days“, „Hostage“) hat seine Mühen sich mit dem heiklen Fall anzufreunden. Deswegen müssen auch erst die Meinungsverschiedenheiten über die Strategie und das Ziel geglättet werden, bevor man sich an die Untersuchung machen kann.

Maßgeblich von der authentischen Ausstattung unterstützt, die trotz privater Seiten quasi omnipräsenten Militarismus versprüht, während Kaffee eher wie ein Zivilist in Uniform auftritt, nähert sich das Trio langsam dem Fall und der Wahrheit. Vor Gericht wird verhandelt, angehört und kreuzverhört. Es werden Plädoyers gehalten, Beweise entkräftet, getäuscht und Thesen aufgestellt, wie man es spannend in jedem besseren Justizthriller zu sehen bekommt. Die Zusammentreffen mit Jessep tragen jeweils Sorge, dass der Film nicht unter seiner Dialoglastigkeit zerbricht, denn Jack Nicholsons Performance ist einmal mehr erste Sahne und sein finaler Ausraster im Zeugenstand („You can't handle the truth!“) inzwischen längst Filmgeschichte. Dieser verschlagene Dinosaurier vom einem Soldat, der seine Basis auf seine verbohrte, diktatorische Weise führt und glaubt Demokratie und Recht in seinem Herrschaftsgebiet außer Kraft setzen zu können, ist eine schillernde wie gleichermaßen bedrohliche Figur, der Nicholson unnachahmlich seinen Stempel aufdrückt.

Die mainstreamtypische Lockerheit in Form dezentem Humors, vornehmlich natürlich durch den vorwitzigen, aber klugen Kaffee wiedergegeben, lockert das Szenario soweit nötig auf, damit die Untersuchungen nicht zu trocken werden, denn so kniffelig die Angelegenheit auch ist, als Zuschauer kommt man relativ früh auf den Trichter wer hinter diesem Mordbefehl steckt, zumal das Drehbuch sich keine Mühe gibt darum einen Hehl zu machen. Insbesondere die nur durchschnittlichen Dialogkriege vor Gericht werden deutlich von der versammelten Darstellerpower aufgewertet und selbst wenn nur ein Kiefer Sutherland („Flatliners“, „The Three Musketeers“) als blindfolgender Lt. Jonathan Kendrick so durch und durch diszipliniert keine Anweisung von Jessep in Frage stellt, sieht man bis in die kleine Nebenrolle Kompetenz am Werk.

Der fehlende Mut zur unbequemen Anklage zollt der Film aber letztlich seinen Tribut, so dass weder der Spannungsbogen durchgehend aufrecht erhalten wird, noch ernsthaft die Vorkommnisse einmal hinterfragt werden. Denn so trägt am Ende nur ein schwarzes Schaf, das nun einfach ausgemustert wird, die Alleinschuld und der Militärapparat steht sauber da. Ein guter Dialog zwischen den beiden angeklagten Marines zum Schluss beinhaltet dabei schon fast mehr Aussagekraft als der gesamte Prozess vorweg, schreit aber genauso plakativ nach Bedeutung, dass Drehbuchautor Aaron Sorkin („Malice“, „The American President“), auf dessen Theaterstück der Film auch beruht, sich diese beiden Sätze absichtlich bis zum Schluss aufgehoben haben muss.

Dem Zuschauer bleibt insgesamt wenig Gelegenheit über das Handeln der Marines und Jesseps Anweisung zu sinieren, da entsprechende Aussagen, vor allem auf Seite der beiden Angeklagten eher Mangelware bleiben und „A Few Good Man“ seinen Fokus öfter auf seinen Anwaltnachwuchs richtet, denn in erster Linie ist dies als Starvehikel aufgezogen und ein Tom Cruise und damals auch eine Demi Moore sind nun einmal Garanten für prall gefüllte Kassen. Eine romantische Beziehung der beiden schenkt man sich immerhin, obwohl die sich gegenseitig immer wieder puschen, wenn es mal nicht läuft.

Fazit:
Sonderlich konsequent und mutig mag der Film nicht sein, auch wenn der finale Gerichtstermin eifrig am Thema kratzt, aber ein sehr unterhaltsamer Justizthriller kommt dank der geballten Starpower, die sich keine Blöße gibt, immer noch dabei herum. Stark aufgeführte Dialoge, eine unabdingbare Lockerheit, die den mangelhaften Anspruch des Drehbuchs überspielt und eine Top-Ausstattung besorgen unter einer soliden Regie den Rest. Für mich zwar kein Ausnahmefilm, aber allein in darstellerischer Hinsicht besitzt der Film wirklich Klasse.

 

Wertung:

7/10 Punkte

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