Until Death (2007)

OT: - 93 Minuten - Action / Thriller
Until Death (2007)
Kinostart: 24.04.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 14.07.2011
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Filmkritik zu Until Death

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Beeindruckend. Nicht überragend, aber beeindruckend. Jean-Claude Van Damme („Bloodsport“, „Double Impact“) hat sich in den letzten Monaten erstaunlich positiv über seinen neuen Film „Until Death“ geäußert. Sehr Ungewöhnlich. Wer den Belgier kennt, der weiß, dass er sich in den letzten Jahren sonst selten öffentlich zu seinen jüngsten Filme äußerte. Ein Meisterwerk hat Simon Fellows („7 Seconds“, „Second in Command“) hier zwar wieder nicht abgeliefert, aber immerhin den besten Van Damme – Film, seit der Ex-Kinostar sein Dasein in DTV-Produktionen fristet. Die Rückkehr Moshe Diamants lässt die welkenden Muscles from Brussels offenbar wieder aufblühen. Nicht nur Fellows, der sich als Regisseur kontinuierlich weiterentwickelt obwohl seinen Actionszenen immer noch der letzte Feinschliff fehlt, sondern vor allem Jean-Claude Van Damme selbst, ist über fast alle Zweifel erhaben. Meine Güte, fängt der Mann auf seine alten Tage tatsächlich nochmal richtig zu schauspielern an und wirkt dabei nicht einmal unfreiwillig komisch.

Schön auch, dass zumindest teilweise direkt in New Orleans gedreht wurde, wo gleich Erinnerungen an den guten, alten „Hard Target“ geweckt werden. Van Damme spielt hier aber keinen frittierten Vagabunden in langer Mantelkluft, sondern den total abgewrackten Cop Anthony Stowe: Korrupt, ausgebrannt, drogenabhängig, jähzornig, müde und ein Arschloch, wie es im Buche steht. Seine Kollegen verachten ihn, er liefert sie dafür ans Messer, seine Ehe liegt in Scherben, seine Frau ist von jemand anderem schwanger und für eine schnelle Nummer ist er immer zu haben. Als Ermittler der Rauschgiftabteilung hat er es ausgerechnet auf Gabriel Callaghan (Stephen Rea, „V for Vendetta“, „The Reaping“) abgesehen, den er noch zu gut aus besseren Tagen kennt...


Van Damme spielt dieses hassenswerte Arschloch, dem sein Schicksal offenbar ziemlich egal zu sein scheint, und der sich einen Scheiß um seine Mitmenschen kümmert, erschreckend überzeugend.Unter dem Deckmantel seines Jobs ist er in der Wahl seiner Mittel im Berufsalltag auch keineswegs zimperlich, findet in Callaghan aber doch noch seinen Meister. Der lässt seinen hartnäckigen Verfolger in einem Hinterhof hinrichten, doch der Kopfschuss ist dank einer schnellen Notoperation nicht tödlich. Anthony fällt ins Koma und wacht Monate später wieder auf. Callaghan hat in der Zwischenzeit in der Unterwelt ordentlich aufgeräumt und jede Konkurrenz abgeschlachtet. Derweil wird aus Anthony ein völlig neuer Mensch... So abgebrüht, wie Van Damme das Arschloch gegeben hat, spielt er darauf auch den ehemaligen Koma-Patienten, der sein verbocktes Leben nun in die richtigen Bahnen lenken will, einen Neuanfang wagen möchte, aber noch eine Rechnung zu begleichen hat. Trotz immer noch vorhandener Sprach- und Motorikprobleme, will er zurück in den Dienst...

Man muss es schon mit eigenen Augen gesehen haben, sonst wird man nicht glauben, was für eine beeindruckende Schauspielleistung Jean-Claude Van Damme hier aufs Parkett legt. Er deutete dies inbesondere in „Wake of Death“ ja schon an, aber der Mann ist inzwischen ein wirklich überzeugender Darsteller, auch wenn aus ihm natürlich kein Charakterkopf mehr wird. Seine Performance sollte damit der Hauptgrund sein sich den Film anzuschauen. Wie er mit viel Engagement zunächst den Schweinehund markiert und dann mit einer 180° - Wendung den zitterigen Patienten gibt, der wieder zu Kräften kommen will, beeindruckt.

Das Drehbuch fördert daneben nur altbewährte Plotelemente zusammen, die man so ähnlich auch schon aus Steven Seagals „Hard to Kill“ kennt. Die Autoren Dan Harris („ X2“, „Superman Returns“) und James Portolese („The Shepherd“) schrieben ein handelsübliches Skript zusammen, bei dem man seine grauen Gehirnzellen nicht anzustrengen braucht, das aber immer noch weitaus flotter von der Hand geht als die momentanen Missionen, die unser geliebter Aikido-Knödel in Osteuropa zu bewerkstelligen hat. Nur schade, dass sich der ziemlich raue Thriller mit seinem brutalen Shootouts mit Anthonys persönlichem Drama beißt. Ich muss zugeben, ich fand seinen Charakterwandel interessanter als den ringsherum gestrickten Plot. Denn Anthony will nämlich wieder gut machen, was er in seinem bisherigen Leben verbockt hat, entschuldigt sich überall und auch noch seine Ehe retten. Gabriel fleucht allerdings auch noch durch New Orleans und führt die Cops an der Nase herum, beziehungsweise knallt sie gleich ab. So kann Anthony natürlich nicht abtreten.

Der Ton des Films ist also meist rau und brutal, ohne dass Fellows diese düstere Stimmung so richtig auskostet. Schade eigentlich, wo der Regisseur ansonsten weitestgehend einen guten Job macht. Unbeteiligte werden massakriert, Van Damme kriegt tüchtig die Fresse poliert, eine Foltereinlage gibt es auch und ein paar nette Shootouts oben drauf, in denen es Anthony auch schon mal zu bunt wird, so dass er rigoros durch die gegnerischen Reihen holzt. Allerdings nur mit der Pumpgun, denn Martial Arts sollte hier kein Zuschauer erwarten. Die Actionszenen sind allesamt sehr blutig und kompromisslos, allerdings nie über alle Maßen spektakulär inszeniert. Auf diese Weise passen sie allerdings auch besser in das Szenario. Nur im Finale, eine größere Schießerei mit mehr als einem Dutzend Beteiligter in einer alten Lagerhalle, schwenkt Fellows mehr in Richtung Actionfilm um.

Mit den richtigen Erwartungen wird man von „Until Death“ positiv überrascht sein. Sein schwacher „The Hard Corps“ sei ihm damit auch wieder verziehen. Man muss sich natürlich daran gewöhnen, dass der Film über weite Strecken ein Drama darstellt und sich dann wieder in einen harten Thriller verwandelt. Die Actionszenen sind fast nur eine nette Dreingabe, auch wenn es zwei ausführliche Shootouts zu bestaunen gibt. Die ruhigen, emotionalen Szenen Van Dammes sind dagegen das Salz in der Suppe. Als Manko kann man letztlich nur anführen, dass man die unverwechselbaren Kulissen New Orleans' durchaus effektiver einsetzen könnte. So schaut der Film letztlich leider meist aus, als würde er in einer x-beliebigen Metropole spielen. „Narc“ hat beispielsweise gut vorgemacht, was man trotz begrenzter Finanzen bewegen kann, Fellows besitzt da aber offensichtlich nur wenig Erfahrung. Eine düstere, beklemmende Atmosphäre wäre noch das i-Tüpfelchen gewesen, so ist „Until Death“ eben nur ein professionell ausschauender DTV-Release, der endlich mal wieder zeigt, dass Millennium Films nicht nur Enttäuschungen am Fließband produziert. Zwischendurch kann man dann tatsächlich mal eine Produktion gebrauchen.

Fazit:
Überraschend reifer Van Damme – Film, der seine Existenz vor allem durch die beeindruckende, schauspielerische Leistung seines Hauptdarstellers rechtfertigt. Simon Fellows macht wieder einen soliden Job ohne herausragende Fertigkeiten an den Tag zu legen, wobei alle Actionszenen von auffallend hohem, kompromisslosem Härtegrad sind. Ich wünschte, er würde endlich mal einen eigenen Stil entwickeln. Wenigstens wurde teilweise in New Orleans gedreht und auch der Film überzeugt mit einem professionellen Look. Dabei fehlen dennoch dramatisches Feintuning und natürlich erstklassige Actionszenen. Der gute Supportcast, eine unterhaltsame Story, der große Überraschungen aber fremd sind und ein solider Stephen Rea als Bay Guy runden „Until Death“ ab. Den Fans wird das Experiment sicherlich gefallen, die Action-Freaks werden sich aber wohl eher die Finger nach „The Shepherd“ lecken.

 

Wertung:

7/10 Punkte


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