Mord und Margaritas (2005)

OT: - 97 Minuten - Krimi / Satire
Mord und Margaritas (2005)
Kinostart: 20.04.2006
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Mord und Margaritas

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Als britischer Geheimagent ihrer Majestät nach „Die Another Day“ ausrangiert, kann Pierce Brosnan („GoldenEye“, „The World Is Not Enough“) nun ganz entspannt seine Rollenangebote durchschauen, denn, ob Sean Connery, George Lazenby, Roger Moore oder Timothy Dalton, die Zeit direkt danach war immer die Schwerste. Auf den durchwachsenen „After the Sunset“ folgt für ihn nun der auf etlichen Filmfestivals abgefeierte „The Matador“. Man kann es Glück, Schicksal oder Fügung nennen, aber dies ist genau die Rolle, die Brosnan in diesem Moment brauchte: Eine herrlich selbstironische Satire, in der er offensichtlich mit Genuss sein Image als smarter Gentleman durch den Kakao zieht und so richtig auf die Kacke hauen kann.

Regisseur und Drehbuchautor Richard Shepard („Oxygen“, „Mexico City“), sonst eigentlich im Thriller daheim, schrieb ihm diese goldige Rolle auf den Leib und obwohl „The Matador“ zur Filmmitte ein wenig der Saft ausgeht, möchte man Brosnan am liebsten knuddeln, einrahmen und über den Kamin hängen, so engagiert gibt er seinen Auftragskiller Julian Noble. Noble ist so etwas wie die negative Weiterentwicklung von James Bond, den Brosnan mit Mut zum Alter mit Falten, Dreitagebart und grauen Haaren ohne Manieren gibt. Der vulgäre Rüpel lebt zwischen seinen Attentaten von Alkohol und Zigaretten, hurt sich stundenlang durch diverse Betten, reißt wo er nur kann junge Mädchen auf und fühlt sich pudelwohl dabei, bis er eines Tages mitten in der Midlifecrisis aufwacht. Er hat Geburtstag, aber niemand ruft an. Er ruft stattdessen an, aber niemand will etwas mit ihm zu tun haben. Was nun? An der Hotelbar lernt er den introvertierten, schüchternen Vertreter Danny Wright (Greg Kinnear, „Sabrina“, „Stock on You“) kennen und entdeckt ausgerechnet in dieser Natur einen Freund...

Brosnan bei seiner Show zuzusehen, ist für den Zuschauer schon mal ein Reingewinn mit ganz wunderbaren Magic Moments. Wenn er an der Hotelbar eine Margarita bestellt, der Barkeeper sie schüttelt und die Kamera wie erstarrt auf dieser Prozedur verharrt, möchte man als Zuschauer sein wissendes Grinsen nicht verkneifen und zufrieden nicken, während Noble geduldig im Hintergrund auf seinen Cocktail wartet. „The Matador“ besitzt viel solcher Anspielungen und das macht ihn so sehenswert. Das und Brosnan, der zunächst als ungenierter, aufdringlicher Sexist auffällt und dann einsam und allein mit einem riesigen Sombrero auf dem Kopf ein mexikanisches Musical im TV anstiert, während er sich schrecklich allein fühlt. Aber wozu gibt es schließlich schmierige Bordelle?

Greg Kinnear hat alle Mühe an ihm dranzubleiben und schafft es eigentlich auch nicht. Er beziehungsweise sein Danny Wright ist auch das Problem des Films. Denn für einen Gegenpol oder eine Ergänzung fehlt dieser Figur der Feinschliff. Kinnear ist mit seinem ehrlichen, unschuldigen Gesichtsaudruck schon der richtige Mann für den dezent spießigen Typ, aber bis auf seine seltsamen Sexpraktiken und den späteren Schnurrbart nach Noble-Art vernachlässigt ihn Richard Shepard leider sträflich. Deswegen wird er von Brosnan auch gnadenlos an die Wand gespielt anstatt ihm Paroli bieten. Danny, der schon ein wenig wie Julian sein möchte und zuhause gegenüber seiner Ehefrau fasziniert von ihm schwärmt, entwickelt sich leider konsequent in keine Richtung. Selbst die Dialoge zwischen den beiden fallen bisweilen etwas zu mild aus. Als die beiden sich zum ersten Mal an der Hotelbar treffen und Noble verzweifelt versucht Smalltalk zu quatschen, obwohl ihm jede Art von richtiger Kommunikation und zwischenmenschlicher Beziehung fremd sind, hätte man noch viel mehr Potential herausholen können, wenn Danny Wright mehr als ein verschüchterter, von Sorgen geplagter Kerl wäre, der formvollendet dem taktlosen Julian seine Meinung geigen würde.

So muss Brosnan seinen Partner einfach mit puschen und das gelingt ihm auch zunächst relativ gut. Beide verweilen weiter im Hotel, Danny wartet nach einer beruflichen Pechsträhne auf den Abschluss eines lukrativen Vertrags und Noble drängt sich auf, so dass beide irgendwann in einer Stierkampfarena landen, wo der neugierige Danny dann nach einer Diskussion über den Tod und die Ehre eines Stiers auch endlich erfährt, dass sein neuer Kumpel eigentlich ein professioneller Attentäter ist. Ungläubig fordert er einen Beweis, den Noblen juxend auch sofort antritt und damit Danny Angst und Bange macht. Die beiden so infantil in Aktion zu erleben, wie sie den Mord vorbereiten bis Danny endlich checkt, dass Julian Ernst macht und ihn nicht verschaukeln wollte, ist eine 1-A-Vorstellung inklusive passender Musik.

Aber leider braucht sie sich etwas auf und obwohl Pierce Brosnan mit urkomischen Auftritten (in Unterhosen und Stiefeln durch das Foyer) wie pointiertem Witz seiner Linie konsequent treu bleibt, verliert die Prämisse an Reiz. Einige herrliche Dialoge, in denen Julian seinen neuen Kumpel noch zum Mittäter anstiften will und kurze Intermezzos in diversen Städten, wo der Killer neben seinem Job nichts anders tut als zu saufen und zu vögeln, halten den schlingernden Film zwar noch auf Kurs, aber als er plötzlich den tödlichen Schuss nicht mehr ansetzen kann, fängt der Film an sich zu wiederholen. Bei seinen Auftraggebern in Ungnade gefallen, quartiert sich Julian mitten in der Nacht etliche Monate später plötzlich bei Danny ein, um ihn zu einem Coup zu überreden.

Nun hält dieser zweite Teil des Films zwar noch einige gute Momente bereit, die vornehmlich aus den witzigen Erzählungen Julians resultieren, der davon erzählt, wie er in seine momentane Krise rutschte und was ihm dabei alles erschien, aber weder dieser gemütliche Abend noch Dannys besoffene wie neugierige Ehefrau Carolyn (Hope Davis, „Arlington Road“, „About Schmidt) bringt den Film weiter. Das Konzept erschöpft sich und nur Julians letzter, weinerlicher Zusammenbruch auf der Trabrennbahn gereicht noch zu einem letzten Highlight. Wenigstens sind die letzten Minuten noch sehr versöhnlich ausgefallen.

Dabei mag ich „The Matador“ wirklich, auch wenn da zum Großteil Sympathien für Pierce Brosnan und seine Performance eine nicht unwichtige Rolle spielen, aber bin angesichts der Möglichkeiten und der Vorschusslorbeeren etwas enttäuscht. Denn aus dieser Konstellation wäre wesentlich mehr machbar gewesen, wenn Richard Shepard nicht zur Hälfte die Ideen ausgegangen wären und er seinen Charakter Danny Wright mit mehr Ecken und Kanten versehen hätte. Gerade in Anbetracht dessen, dass diese Geschichte gerade in jüngster Vergangenheit in verschiedenen Varianten schon da war, hatte ich mir Tempo, Einfallsreichtum und pointierten Witz bis zum Schluss gewünscht. Mit diesem langen Durchhänger bei gerade einmal 90 Minuten macht sich der Film aber leider selbst das Leben schwer.

Fazit:
„The Matador“ startet fulminant, fängt zur Filmmitte aber böse zu schwächeln an, wiederholt sich und bekommt am Ende dann nochmal die Kurve. Pierce Brosnans selbstironische Vorstellung als Profikiller in der Midlifecrisis ist allerdings ein Hit sondergleichen. Man kann seinen Julian Noble eigentlich nur sympathisch finden, obwohl er so ein abstoßender, widerwärtiger Charakter ist, der spät zu sich findet. Meinetwegen hätte Richard Shepard noch mehr in die Offensive gehen dürfen. Die Demontage von Brosnans Image, die zahlreichen Anspielungen, die tollen Dialoge und der getimte Witz gelingen zwar nahezu durch die Bank weg, aber Greg Kinnear hat als Partner doch arg mit einer oft vernachlässigten Figur zu kämpfen. Danny Wright und der zweite Abschnitt, dem viel von der Spritzigkeit der ersten 45 Minuten abhanden kommen, kosten „The Matador“ schließlich eine höhere Bewertung. Und trotzdem.... Ich mag ihn! Wirklich!

 

Wertung:

7/10 Punkte

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Ø Wertung: 7.5/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 2
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