The Last House on the Left

OT:  The Last House on the Left  -  109 Minuten -  Horror 
The Last House on the Left
Kinostart: 15.05.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu The Last House on the Left

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Das Horrorgenre steckt in der Krise: seit Jahren sind orginiäre Idee zumindest bei großen amerikanischen Produktion Mangelware, während zugleich andere Nationen wie etwa England, Mexico oder Spanien mit wunderbaren Filmen wie The Descent, The Orphanage oder [Rec] überraschen (um ein momentanes schwedisches Meisterwerk nicht zu vergessen: Let the Right One In). Die nordamerikanische Filmindustrie bringt – so hat es momentan den Anschein – in Sachen Horror außer mäßig innovativen Remakes von „Klassikern“ der 70er und 80er Jahre scheinbar keinerlei überzeugende Schocker auf den Markt.

Titel wie Halloween, Freitag der 13te, The Amityville Horror, The Texas Chainsaw Massacre, House of Wax, The Fog, Hellraiser und Dawn of the Dead werden in regelmäßigen Abständen mit neuen Prequels bzw. Sequels versehen oder bekommen überhaupt gleich eine Rundumerneuerung mit glanzvollen Stars und Sternchen in Haupt- oder Nebenrollen, die die Aufmerksamkeit von dramaturgischen Belanglosigkeiten hin zu zerrissenen Shirts auf austrainierten Luxuskörpern lenken sollen.

Remakes von asiatischen Gruselgeschichten rund um schwarzhaarige, herumkrabbelnde und grundsätzlich einer Hiobsbotschaft gleichenden Mädchen – siehe: The Ring, The Grudge, The Shutter etc. – wiederum dürften aufgrund einer kulturellen Neuorientierung nicht mehr ganz im Trend liegen, was natürlich angesichts geplanter Filmproduktionen wie einer US-Fassung von Let the Right One In oder Videodrome zumindest dem einen oder anderen vorab schon mal einen kalten Schauer den Rücken runter laufen lassen dürften.

Zurück zum derzeitigen Stand der Dinge: Wes Craven – der gerade an Scream 4 arbeitet – schuf 1972 mit seinem Langfilmdebüt einen innerhalb des Genres gefürchteten Schocker namens The Last House on the Left (der seinerseits übrigens auf einer Vorlage von Ingmar Bergmans Jungfrukällan von 1960 basiert), dessen Veröffentlichung in Deutschland in jenen Jahren unter der Kategorie „Snuff“-Film (also tatsächlicher Mord und Totschlag auf der Leinwand) angedacht war.

Dem Horror- Enfant terrible vergangener Tage oder vielmehr seine Filme blieben bisher natürlich auch nicht von der Remake-Maschinerie Hollywoods verschont (The Hills have Eyes, A Nightmare on Elm Street) und so ist es wenig verwunderlich, das The Last House on the Left in neuer Verpackung mit schöner Schleife den Weg auf die Leinwand gefunden hat. Eine Prämisse des Films ausgehend von seiner englischen Untertitelung soll folgende sein: To avoid fainting, keep repeating "It's only a movie...It's only a movie..." (also: um Bewusstlosigkeit vorzubeugen, soll man immer wieder „Es ist nur ein Film“ wiederholen). Angesichts der relativ simplen Rahmenhandlung, die schon zu genüge in unzähligen Variationen auf die Leinwand gebracht wurde, scheint dies eine mutige Feststellung zu sein.

The Last House on the Left zeigt Familie Collingwood auf Urlaub. John, Chirurg und zugleich das Familienoberhaupt (Tony Goldwyn), erholt sich vom Stress der Notaufnahme während seine Frau Emma (Monica Potter) ebenso abzuschalten probiert wie die 17jährige Tochter Mari (als personifizierte Unschuld: Sara Paxton), die ihre ganze Energie in ihr Schwimmtraining investiert. An ihrem großen und abgelegenen Haus am See angekommen, fährt Mari schon bald in die nächstgelegene Stadt um ihre Freundin Paige (Martha MacIsaac) zu treffen. Doch als die beiden Mädchen zusammen mit deren neuer Bekanntschaft Justin (Spencer Treat Clark) zur gemeinsamen Drogenverkostung ins nächste Motel fahren, finden sie sich in einer brisanten Situation wieder: Nicht nur das Justins Familie früher zurückkehrt und die drei überrascht, auch die Tatsache, das Justins Vater Krug (bedrohlich: Garret Dillahunt) ein erst kürzlich entflohener Gewaltverbrecher ist und sein Bruder Gilles (Joshua Cox) sowie seine Freundin Sadie (Riki Lindhome) für die brutale Befreiungsaktion verantwortlich sind, stellt die Mädchen vor schwerwiegende Probleme. Doch schon bald treffen beide Familien zufällig aufeinander, unter denkbar ungünstigen Voraussetzungen…

Filme wie Saw, Turistas, Wolf Creek, Hostel oder (in abgeschwächter, weil eher auf Psychodrama innerhalb einer Gruppe abzielende Form) Cube haben dem Horrorgenre ein neues Gesicht verpasst und die bezeichnende Unterkategorie des „Folter-Pornos“ gewissermaßen etabliert. Suspense oder auch das Schauern bei der Sichtung selbst wird bei genannten Produktionen zunehmend nicht über dramaturgische, subtilere Mittel erreicht, sondern über die expliziten sowie detailgenauen Darstellungen von Verstümmelungen und/oder Gewaltakten, die neben einem bösen Drahtzieher im Hintergrund natürlich das Publikum amüsieren sollen.

Was früher simpel noch als „Splatter“ bekannt war und mit übertriebenen Einsatz von Kunstblut und billigen Spezialeffekten seine Wirkung erzielte, wurde über die Jahre für den Mainstream zugänglicher aufbereitet, was mit großen Erfolg seitens Zuschauerzahlen und (teilweise fast jährlichen) Sequels honoriert wurde. Auch die Tatsache, dass in der heutigen Post-9/11 Medienlandschaft eine höhere Hemmschwelle hinsichtlich Gewaltdarstellung vorherrscht, die scheinbar zu einer dementsprechend drastischeren Visualisierung führt, muss natürlich berücksichtigt werden – jedoch sollte guter Horror vor allem über stimmige Szenarien, glaubwürdige bzw. gut ausgearbeitete Charaktere und unvorhersehbare Handlungswendungen Gänsehaut bzw. Angstempfindungen erzeugen, nicht ausschließlich über Gore bzw. Abscheu und/oder Übelkeit.

Das Remake von The Last House on the Left versucht zumindest anfangs, den offensichtlichen Handlungsverlauf zu trüben (was misslingt) und schildert zu Beginn eine stereotype Figurensammlung, die mittlerweile schon allzu bekannt ist: Vater und Mutter gutaussehend und erfolgreich im jeweiligen Beruf, eine bezaubernde und zugleich noch minderjährige Tochter, als Beilage noch ein mehr oder minder schwerwiegendes Drama in Form eines verstorbenen Bruders und fertig ist die äußerlich zwar perfekte, jedoch innerlich aufgrund der Zweifel am aufrechten Zusammenhalt zermürbte Familie. Soweit, so uninteressant.

Trotz einiger stimmungsvoller Sequenzen und verstörend wirkender Szenen kann die voreingenommene Haltung natürlich nicht abgelegt werden und schon bald kommt es, wie es kommen muss: Die vorgetäuschte Glückseeligkeit wird ebenso unkreativ wie gewaltsam unterbrochen, problematisch erscheint hierbei das möglichst unvorhersehbare Eindringen der psychisch abnormen Gewaltverbrecher rund um Anführer Krug – denn es funktioniert absolut nicht und könnte kaum vorhersehbarer sein.

Der Film soll vermutlich – so könnte man zumindest interpretieren - aus der Masse an Produktionen aufgrund der schon im Original von Wes Craven berühmt-berüchtigten Vergewaltigungsszene und der damit verstörenden Wirkung bzw. dem gesellschaftlichen Aufschrei hervorstechen. Zermürbend wird diese Sequenz zwar dargestellt - was aufgrund der Thematik ja nicht sonderlich schwierig erscheint - jedoch sind die Zusammenhänge ebenso wie der Zeitpunkt der Handlung selbst mehr als fadenscheinig und aufgesetzt, so dass ein Kopfschütteln hinsichtlich dieser absurden und unnötigen Szene mehr als gerechtfertigt ist. In Filmen wie Baise Moi oder – als extremstes Beispiel – Irreversible werden solche Gewalttaten zumindest im Verlauf der Handlung in einen für alle Protagonisten tragenden Zusammenhang gestellt, bei The Last House on the Left verstört die Tatsache, das der Tat an sich keinerlei Motivation voraussetzt und rein nur als Mittel zum Zweck – Aufschrei der Medien, Erhobener Zeigefinger der Zensurbehörden – eingesetzt wird.

Fazit:
Vor knapp 37(!) Jahren war The Last House on the Left noch in einen gesellschaftlichen Subtext (Vietnam, die Manson-Familie und das Grauen unter der Oberfläche der biederen amerikanischen Alltagsfamilie) eingebettet und konnte durch seine Low-Budget-Erscheinung vor allem Besucher von Autokinos in Angst und Schrecken versetzen. Mehrere Dekaden und Hochglanz-Politureinheiten später erweist sich das Remake als konventioneller und vorhersehbarer Rachethriller, der mit zweifelhaften Gewaltszenen und moralischen Fehlverhalten locken will, jedoch heutzutage niemanden mehr vom (Kino) Sessel werfen wird.

Wertung:

4/10 Punkte

Filmering.at
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Liste von shitneyy
Erstellt: 20.05.2015