Nach dem Regisseur Kevin Macdonald seine Karriere als Dokumentarfilmer begonnen hat (unter anderem Touching the Void), hat er sich 2006 mit seinem großartigen Drama The Last King of Scotland seine Sporen als Spielfilmregisseur verdient, und dabei auch noch seinem Hauptdarsteller Forest Whitaker einen Oscar beschert. Nun folgt sein zweiter Spielfilm, State of Play, der zwar erneut überzeugen kann, aber dank kleinen Schwächen nicht die Qualität seines letzten Films erreicht. Die Assistentin des aufstrebenden Kongressabgeordneten Stephen Collins (Ben Affleck) stirbt unter mysteriösen Umständen, als sie von einer einfahrenden U-Bahn überrollt wird. Dabei stand sie im toten Winkel der Überwachungskameras und somit geht man erst einmal von einem Selbstmord aus. Bald stellt sich heraus, dass sie eine Affäre mit Collins hatte und die beiden gegen den großen Konzern PointCorp ermittelten. Die Medien beginnen nun eine Schmutzkampagne gegen Collins, und lenken dadurch von der Anhörung gegen PointCorp ab. Doch Collins Freund Cal McAffrey (Rusell Crowe) ist Journalist und will gemeinsam mit seiner Kollegin Della Frye (Rachel McAdams) Licht in die Angelegenheit bringen… State of Play ist die Kinoadaption der gleichnamigen, sechsteiligen BBC-Mini-Serie aus dem Jahre 2003. Die Laufzeit von knapp sechs Stunden wurde dabei für das Kino auf rasend schnelle 127 Minuten heruntergekürzt. Dies war natürlich notwendig, sorgt aber vor allem dafür, dass die Zeit wie im Flug vergeht und sich State of Play angenehm kurzweilig anfühlt. Ein Nachteil ist dafür, dass die Ermittlungen deutlich verkürzt wurden, manche Wendungen etwas unrund wirken, und der Film insgesamt eher unterhaltsam als wirklich durchdacht und plausibel wirkt. Denn obwohl State of Play die meiste Zeit eigentlich wirklich durchdacht wirkt, und über weite Strecken als Unterhaltung mit etwas Hirn bezeichnet werden kann, verliert der Film diesen Anspruch mit der dümmlichen Schlusswendung. Am Unterhaltungswert ändert dies freilich wenig, aber so richtig schlüssig und glaubwürdig ist das Finale nicht. Doch bekanntlich ist oftmals der Weg das Ziel, und so soll man nicht zu sehr an dieser Schwäche herumhacken. Denn bis zu diesem Punkt baut der Film gekonnt Spannung auf und schafft es das Publikum bei Laune zu halten. Ursprünglich war vorgesehen, dass Brad Pitt die Rolle des Cal McAffrey spielt, und Edward Norton Stephen Collins verkörpert. Doch obwohl es interessant gewesen wäre das Fight Club Team erneut vereint zu sehen, so war es doch zumindest gut, dass Russell Crowe für den Film gewonnen werden konnte. Denn der, etwas außer Form geratene, Crowe bringt genau den schmuddeligen Look mit, den die Rolle erfordert, und den Saubermann Pitt sicher nicht mit solcher Glaubwürdigkeit auf die Leinwand gebracht hätte. Edward Norton wäre hingegen vielleicht eine Bereicherung gewesen, aber auch Ben Affleck gibt eine gute Figur ab. Diskussionswürdig ist sicherlich der Ansatz, dass State of Play so etwas wie das letzte Aufbäumen der Printmedien symbolisieren will. Denn laut der Logik des Drehbuchs wird das Medium Internet als durch die Bank oberflächliches, schnelllebiges und unseriöses Medium gezeigt, dass sich nicht mit den Printmedien messen kann. Und so sympathisch der Film dieses Statement auch rüberbringen mag, so diskussionswürdig ist diese Aussage, und gerade in der heutigen Zeit muss so etwas nicht mehr sein. Ansonsten hat Kevin Macdonald den Film großteils gut in Griff. Stilistisch gibt es vor allem eine relativ dynamische Kameraführung, gepaart mit Feuerwerkdialogen, die das Tempo noch zusätzlich erhöhen. Dabei versucht man zwar durch den schnellen Erzählrhythmus gewisse Schwächen des Drehbuchs zu kaschieren, was generell die Qualität etwas drückt, aber trotzdem ist State of Play als Gesamtwerk gelungen und sehenswert. Ein Meisterwerk sollte man sich zwar nicht erwarten, aber ein unterhaltsamer Kinoabend ist dennoch drinnen. Fazit: State of Play ist routiniertes Polit- bzw. Journalistenkino mit gut aufgelegten Darstellern und einer spannenden Geschichte. Dabei setzt der Film auf ein recht hohes Tempo, das für Kurzweiligkeit sorgt und gewisse Unzulänglichkeiten des Drehbuchs kaschiert. Nichtsdestotrotz ist die finale Wendung des Films misslungen und auch die Lobeshymne auf die Printmedien hätte etwas differenzierter ausfallen können. Doch ansonsten gibt es nur wenig zu bemängeln und State of Play sorgt für gelungene Unterhaltung. Wertung: 7/10 Punkte
Dieser Krimi ist prominent besetzt u.a. mit Helen Mirren, Robin Wright Penn und Ben Affleck, spannend inszeniert und wartet mit einer optisch und logisch klar nachvollziehbaren Lösung auf. Es geht um ein düsteres Kapitel, das wir seit den Golfkriegen kennen: die enge Verbindung von Politik und Wirtschaft. Die Bush-Administration hat uns bewiesen, wie das geht, wenn Konzerne durch Staatsaufträge Milliarden verdienen, und Mitglieder der Regierung im Aufsichtsrat der Waffenlieferanten sitzen. Wenn Loyalität nur gegenüber dem eigenen Scheckbuch gilt.
Hier wird so ein Fall geschildert, der zunächst nur eine moralische Dimension hat: ein verheirateter Spitzenpolitiker hat ein Verhältnis, das überraschend zu Tode kommt. Und während sein Jugendfreund Russell Crowe - hier in für die Branche unüblicher Haartracht - als investigativer Journalist tätig ist, stößt er auf einen Sumpf von Korruption und Gewalt, von Drohung und Protektion mit Verbindungen bis in höchste Staatsämter. Die Dialoge zeugen nicht nur von großer Sachkenntnis, sondern auch von guter Menschkenntnis. Gelegentlich blitzt sogar mal ein cool formulierter Joke auf. (Whisky ist ’irischer Wein’ oder ’Ich sag’s dir nur, bevor du den nächsten Dünnpfiff im Netz absonderst.’) Das ist alles solide gemachte, gute Unterhaltung.
Und bei dem Spielstand gewinnt hier mal die freie Presse.
Die obige Kritik ist gar nicht übel. Ich möchte jedoch zu bedenken geben, dass es Schauspieler gibt, die sich das Aussehen, das ihre Rolle von ihnen verlangt, antrainieren, anfressen oder wegfasten. Russel Crowe ist gewiss nicht " etwas aus der Form gekommen". Diese Bemerkung lässt ebenso das Gefühl fürs Wesentliche vermissen wie die Vorstellung, in diesem Film das "Fight"-Duo spielen zu lassen. Einen solch argen Schnitzer ist einem Regisseur dieses kalibers zum Glück undenkbar.
The Tourist ist nicht nur richtig uns erstklassig besetzt (nur schon Helen Mirrens Schauspielerfähigkeit ist extrem), sondern eine durchaus intelligente Story, die leider ihre Wurzeln zu sehr in der Wirklichkeit hat. So läuft es, Leute. Oder glaubt da wer noch an der Storch?
Es ist sinnlos, wenn ich die Story nochmals wiedergebe. Aber ich empfehle jedem, sich diesen heissen Film, der auch vom Hirnchen etwas abverlangt, anzusehen, oder noch besser, ihn zu kaufen, denn dann kann man ihn schauen, wann immer man will. Da gibt es kein "no smoking" oder "farting forbidden", falls man Nachbarn hat, die Db-empfindlich sind: Kopfhörer... kann man sogar 5.1 Sound "interpolieren", sofern die DVD auf dem PC gesehen wird. An diesen kann man nämlich ganz schön grosse Monitore anhängen, was ich für diesen Film jedenfalls empfehle.
Beo