Geißel des Fleisches

OT:  Geißel des Fleisches  -  78 Minuten -  Sexthriller 
Geißel des Fleisches
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Geißel des Fleisches

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Ist Barpianist Alexander Jablonsky (ein junger Herbert Fux) tatsächlich der gesuchte Perversling und Frauenmörder, den die Wiener Polizei seit längerer Zeit jagt? Das Gerichtsverfahren soll das beweisen. Und nach und nach werden die grausamen Morde, die Jablonsky an seinen blutjungen Opfern begangen haben soll, aufgerollt.

Eddy Saller zählt vielleicht nicht zu den produktivsten, aber zu den berüchtigtsten österreichischen Regisseuren der 60er und 70er Jahre. Nach seinem Debütfilm GEISSEL DES FLEISCHES sollte vor allem SCHAMLOS mit Udo Kier in einer seiner allerersten Hauptrollen Kultstatus erlangen (nicht zuletzt, weil dieser Film auch in der Edition Österreichischer Film vor einigen Jahren auf DVD veröffentlicht wurde). In den 70ern drehte Saller nur noch reinrassige Erotik- und Sexfilme, die vor allem aufgrund ihrer prägnanten Titel bestechen: LIEBE DURCH DIE AUTOTÜR, GEILE NICHTEN und schließlich MONIQUE – MEIN HEISSER SCHOSS, eine österreichisch-französische Produktion. Die ImdB listet für die 80er und 90er Jahre überraschenderweise lediglich Jobs als Kameramann und Beleuchter, was doch als herber Verlust für die österreichische Filmlandschaft zu werten ist.

GEISSEL DES FLEISCHES ist, wie es sich für einen ausgezeichneten Erstlingsfilm gehört, erst einmal krude und rau. Rapide Schnitte, harte Kontraste und vor allem lauter freche Blicke der Kamera unter die knappen Miniröcke der Damen. Ja, wir befinden uns hier in den swingin’ 60s einer Metropole, die gerade wieder erstanden ist, die sich an einem neuen Zeitgeist zu orientieren sucht und aufgrund dessen neue Probleme zu verarbeiten hat. Auf ähnliches macht uns schon der Einleitungstext des Films aufmerksam.

Natürlich ist Jablonsky nicht der gemeine Triebtäter, der im Blutrausch auf junge Frauen losgeht. In der Schule für sein Aussehen gehänselt, von seinen Eltern wenig geliebt, aber immerhin als Pianist recht erfolgreich, trifft er in schummrigen Bars immer wieder auf besonders freizügige Damen, die ihn reizen und mit ihm spielen. Ist es da nur natürlich, wenn er sozusagen die Gelegenheit beim Schopfe packt? An diesem Diskurs ist GEISSEL DES FLEISCHES aber nicht interessiert. Denn in diesem Film gibt es praktisch NUR Frauen, die in wenig Kleidung vor unseren Augen herumtänzeln und den Männern hübsche Augen machen. Am Schluss - Jablonsky ist verurteilt und der Staatsanwalt beklagt die Abschaffung der Todesstrafe - gibt der Film indirekt den verwirrten Männern Recht, wenn in einem Cafe mal wieder zwei besonders knapp bekleidete Mädchen von einem Passanten und selbstverständlich Eddy Sallers Kamera begutachtet werden. Schöne neue Welt!

Abgesehen von dieser fragwürdigen und veralteten Weltsicht ist die Problematik, der der Film zugrunde liegt, durchaus noch aktuell. Nur will uns GEISSEL DES FLEISCHES vordergründig mit einer flotten Crime-Story unterhalten, was zumeist auch gelingt. Vor allem in der zweiten Hälfte, wenn sich die Geschichte vielmehr darauf konzentriert, wie die Polizei Jablonsky festnehmen will und dabei in ein ganz schäbiges Etablissement gerät, kommen kaum mehr Längen auf. Dazu trägt auch die flotte Musik des Wiener Komponisten Gerhard Heinz (DER BOCKERER) bei, dessen Compilation MELODIES IN LOVE in jede ordentliche CD-Sammlung gehört.

Star des Films ist aber zweifelsohne Herbert Fux. Der am 13. März 2007 verstorbene und leider oftmals unterschätzte Schauspieler in fast 200 Film- und Fernsehproduktionen übt sich mit stoischem Gesichtsausdruck im Unterspielen – Fans seines diabolischen Grinsens werden leider enttäuscht sein. Zu seiner beispiellosen Karriere noch etwas zu schreiben, wäre in etwa so sinnlos wie Eulen nach Athen zu tragen, denn welcher Schauspieler kann schon von sich behaupten, mit Ingmar Bergman und Werner Herzog auf der einen und Jess Franco und Alois Brummer auf der anderen Seite gearbeitet zu haben.

Fazit:

Inhaltlich zwar etwas fragwürdig, aber da sollte man knapp 50 Jahre später einfach drüber stehen. GEISSEL DES FLEISCHES kann auch heute noch recht viel Spaß bereiten, vorausgesetzt man besitzt eine gewisse Affinität zu verruchten, leicht trashigen Gangsterfilmen mit viel nackter Haut.

Wertung:
6/10 Punkte

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