The Quest

OT: -  94 Minuten -  Action
The Quest
Kinostart: 01.08.1986
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu The Quest

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Am Zenit seiner Karriere angekommen, erhielt Jean-Claude Van Damme („Hard Target“, „The Hard Corps“) von Universal seine Chance die fünf Filme umfassende Partnerschaft mit einem Wunschprojekt zu beenden. Heraus kam letzten Endes leider nur ein sehr mittelmäßiges Martial-Arts – Abenteuer, das mindestens 6 Jahre zu spät kam und niemanden so recht überzeugen konnte. Die moderaten Einspielergebnisse waren ein guter Indikator dafür, dass der von „Bloodsport“ losgetretene Boom dank unzähliger Plagiate, die in den Folgejahren bis in die Neunziger hinein die Videothekenregale überfluteten, längst einen Sättigungsgrad erreicht hatte, der es solchen Filmen schwer machte überhaupt noch ein Publikum zu finden. Vielleicht als krönender Abschluss von dem Mann, der dieses Schema einst etablierte, noch denkbar, spricht „The Quest“ dank seiner laschen PG-13-Freigabe aber nicht einmal die enttäuschten Fans beinharter Fights an. Schlagzeilen machte der Film dann auch eher durch einen Rechtsstreit zwischen Van Damme und Co-Autor Frank Dux. Ausgerechnet der Mann, dessen (angebliche) Erlebnisse „Bloodsport“ zugrunde liegen.

Jean Claude Van Damme selbst meistert sein Regiedebüt souverän ohne richtig zu glänzen. Angesichts des optisch zufriedenstellenden Ergebnisses verwundert es aber schon, dass er sich darauf nie wieder selbst inszeniert hat. Denn ein gewisses Talent kann man den Muscles from Brussels nicht mal absprechen.

Was man nicht von seinen Qualitäten als Autor behaupten kann. Aber das hatte er auch schon in der Vergangenheit unter Beweis gestellt. Denn „The Quest“ baut auf den selben Klischees auf, die das Genre seit Jahren in immer der selben Struktur heimsuchten. Ein geheimes Martial – Arts – Turnier in Fernost wartet nur darauf von einem westlichen Recken gewonnen zu werden, der vorab zwar ordentlich einstecken muss, im Finale aber gegen einen Intimfeind antritt, zu dem er bis dahin eine persönliche Rivalität entwickelt hat.

Etwas kläglich versucht sich Van Damme dabei als epischer Geschichtenerzähler, der als ergrauter Greis Christopher Dubois sein Leben noch einmal Revue passieren lässt und sich selbst in ein heroisches, selbstloses Licht stellt. Nach einer Odyssee nahm er schließlich am Ghang-gheng teil, um dort das Unmögliche zu schaffen. In den Zwanziger Jahren muss er als fürsorglicher, lebensfroher Anführer einer Bande ärmlicher Straßenkinder aus New York vor der Polizei fliehen, als er aus der hungernden Not heraus einen Batzen Geld stiehlt. Versehentlich landet er dabei auf einem Frachtschiff, wird als blinder Passagier in Ketten gelegt und schließlich von dem Piraten und Betrüger Lord Edgar Dobbs (griff seitdem mit beängstigender Regelmäßigkeit zu den peinlichsten Nebenrollen: Roger Moore, „Live and Let Die“, „Abrechnung in San Franzisko“) während eines Entermanövers aufgenommen. Dobbs verschachert den Flüchtling bei nächster Gelegenheit gleich ohne dessen Wissen, worauf Dubois von seinem Eigentümer Khao (Aki Aleong, „Braddock: Missing in Action III“, „Sci-Fighter“) zu einem knallharten Kämpfer gestählt wird. Umwege führen ihn wieder mit Dobbs und den amerikanischen Boxweltmeister Maxie Devine (blass: James Remar, „Wedlock“, „2 Fast 2 Furious“) zusammen, der seinerseits eine Einladung für das Turnier erhalten hat...

Van Damme weiß überraschend gut, worauf er bei der Inszenierung eines solchen Stoffes zu achten hat und auch Randy Edelman („The Last of the Mohicans“, „xXx“) bewegt sich mit seinem Score immer nah am Bild. Die traditionellen Elemente kommen nichts zu kurz, die überzeugende Aufmachung gerät atmosphärisch, die exotischen Kulissen in Südasien hält er in wunderschönen Panorama-Bildern fest, nur die eigentliche Geschichte will nicht in Fahrt kommen. Vielleicht stand dem Film einfach das PG-13-Rating im Weg, aber bis zum Turnier zieht sich „The Quest“ schon. Die wenigen Actioneinlagen geraten zu unspektakulär, eigentlich wichtige Momente drängen sich leider nicht in den Vordergrund. So wird die sonst elementare Ausbildung zu einer Nebensache degradiert, zumal Van Damme als malochender Außenseiter viel zu schnell Akzeptanz genießt. Dem Film mangelt es an Höhepunkten, aber auch prägnanten Schauspielern. Van Damme liefert eine bestenfalls mittelmäßige Performance ab, während Roger Moore als verschlagener Betrüger für mehr als ein paar halbgare Witzchen nicht zu gebrauchen ist, von James Remar ganz zu schweigen. Die extra als love interest integrierte Journalistin Carrie Newton (komplett austauschbar: Janet Gunn, „The Sweeper“, „Carnosaur 3: Primal Species“) nimmt nicht einmal Tuchfühlung zu unserem Helden auf und der zumindest mit einer beeindruckenden physischen Präsenz glänzende Hüne Abdel Qissi („Lionheart“, The Order“) kommt als vermeintlich unbesiegbarer Gegner auch zu spät zu seinem ersten Einsatz.

Van Damme verplempert die erste Hälfte des Films leider mit einer nicht sonderlich einfallsreichen und darüber hinaus noch actionarmen Geschichte, die den Protagonisten irgendwann endlich in den Ring befördert. Die kurze Rivalität zwischen Dubois und Devine ist ein passendes Beispiel für die mangelhaften Fähigkeiten des Autoren-Teams. Als ob man einen Schalter umlegen würde, sind die beiden sich beim nächsten Zusammentreffen grün. Auch wenn diese Situation letzten Endes dazu führt, dass Dubios seine Möglichkeit erhält am Turnier teilzunehmen, verschenkt Van Damme Möglichkeiten aus seinen Stereotypen Emotionen zu pressen. Da war selbst nun nicht gerade vor Tiefenzeichnung strotzende „Bloodsport“ effektiver. Eine Straffung des Vorspiels und eine zügige Ausrichtung auf das Ghang-gheng hätten „The Quest“ bei mehr Tempo gut getan, zumal Van Damme Mühe hat sein zerfaserndes Abenteuer wieder zusammenzuknoten, weil alle wichtigen Beteiligten sich kurzzeitig aufteilen. Die Reise durch den Dschungel ist dementsprechend auch von belangloser Natur, steigert aber wenigstens die Vorfreude auf das Turnier.

Man muss Van Damme zugute halten, dass er Insider genug ist, um aus der schummrigen Arena ordentlich Atmosphäre und Flair zu prügeln. Die Aura des Geheimnisvollen findet sich an diesem von Fackeln erhellten Schauplatz genauso wieder wie ein (klassischer) Ringgong, das greise Oberhaupt und natürlich jede Menge unterschiedlicher Kämpfer mit den exotischsten Stilen aus diversen Ländern. Den Reiz des Turnier-Ablaufs nutzt „The Quest“ allerdings leider gar nicht, obwohl dies eigentlich DIE Stärke dieses Subgenres war. Stattdessen hampelt Roger Moore und sein fettleibiger Helfer auf der Suche nach der Möglichkeit eine goldene Drachenstatue zu mopsen durch die Katakomben. Dazwischen wird Kampf an Kampf gereiht und die sind gar nicht einmal schlecht choreographiert. Die Beschränkungen des PG-13-Ratings beschneiden die Inszenierung der Fights allerdings arg, wobei ich mir fast sicher bin, das viel Material im Schneideraum blieb. Einige Montagen wirken dafür einfach zu lückenhaft oder die Kämpfe zu kurz. Trotz einiger längerer Takes, talentierter Kämpfer, Ästhetik in Slowmotion, tödlicher Genickbrecher, variationsreicher Kampfstile und beeindruckend akrobatischer Moves geht dem Geschehen die Härte und die Intensität leider völlig ab. Dafür, dass es um Leben und Tod geht, wirkt die Inszenierung einfach zu unbeeindruckend. Selbst dem ausartenden Finalkampf zwischen Van Damme und Qissi fehlt das gewisse Etwas.

Fazit:
Jean-Claude Van Dammes Filme waren noch nie von guten, originellen Drehbüchern geprägt, mussten sie aber auch nicht. Eine temporeiche Story, eine furiose Inszenierung und spektakuläre Actionszenen machten dieses Manko über Jahre hinweg meistens wett. Die unzähligen Klischees und Anschlussfehler von „The Quest“ fallen gar nicht einmal so negativ auf. Es ist die Geschichte selbst, die Van Dammes Martial Arts - Adventure so runterzieht, in der ersten Hälfte ziemlich planlos zum einen Plotmotiv zum nächsten eiert, irgendwann alle zusammen hat und dann zum Turnier aufbricht, Er selbst führt überraschend solide Regie und schauspielert im Rahmen seiner Fähigkeiten souverän, hätte aber definitiv einen erfahrenen Autor zu Rate ziehen müssen und auf ein R-Rating drängen sollen. Da wundert man sich schon, dass jemand wie Van Damme - Spezi Moshe Diamant kein Veto eingelegt hat. „The Quest“ ist im weitesten Sinn nur eine verschlimmbesserte Variante von „Bloodsport“, die einfach einen irrsinnig langen Vorlauf benötigt und dann nicht halten kann, was sie verspricht. Als Fans des Belgiers nimmt man seine einzige Regiearbeit aus Interesse einmal mit. Da „Kumite“ wie auch „Bloodsport 2 – A New Beginning“ nach rechtlichen Querelen und skeptischen Produzenten zum jetzigen Zeitpunkt ohnehin abgeblasen und in ferne Zukunft gerückt sind beziehungsweise vermutlich nie realisiert werden, erinnert „The Quest“ heute nur noch an bessere Tage der Muscles from Brussels. Hoffentlich findet er mit „The Shepherd“ wieder zu alter Stärke zurück. Aber da habe ich bei der Konstellation gar keine Zweifel.

 

Wertung:

5/10 Punkte

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