James Bond 007 - Der Hauch des Todes

OT: -  130 Minuten -  Agentenfilm
James Bond 007 - Der Hauch des Todes
Kinostart: 13.08.1987
DVD-Start: 12.10.2012 - Blu-ray-Start: 01.03.2013
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Filmkritik zu James Bond 007 - Der Hauch des Todes

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Staffelübergabe! Viel Zeit verließen Albert R. Broccoli und Michael G. Wilson nicht verstreichen, um einen Nachfolger für den abgedankten Roger Moore vorzustellen. Der Waliser Timothy Dalton („Made Men“, „American Outlaws”), der war früher schon einmal als Sean Connerys Nachfolger im Gespräch war, hielt allerdings gerade einmal zwei Filme durch und hatte an seinem mäßigen Einstand zu knabbern, der deutlich hinter den hohen Ansprüchen, die man an diese Franchise stellen darf, zurückbleibt.

Nicht zum ersten Mal versuchten die Macher der Filmreihe eine neue Richtung zu geben und griffen wieder auf ein klassische Originalvorlage von Bond-Erfinder Ian Fleming zurück. Das Update sollte den Spion wieder näher an die Aktualität rücken. Der modernisierte Bond sollte kein witzelnder Lachsack mehr sein. Somit gehörten also auch Roger Moores humorige Auftritte der Vergangenheit an. Dalton präsentierte sich wieder wortkarger, kühler und ernster, konnte beim Publikum aber keinen Stich landen und fiel mangels Charisma durch. Ich persönlich kann mit Dalton als Bond auch nicht sonderlich anfangen, in „Licence to Kill“ sollte nicht nur er sich dann aber deutlich verbessern.

Leider gehört das Drehbuch zu den unspektakulärsten Skripten der Bond-Reihe. Seit „Moonraker“ war eine Mission des Geheimagenten nicht mehr so spannungs- und überraschungsfrei. Die hier besuchten, exotischen Schauplätze scheinen verbraucht und verfügen kaum über Hingucker, die relativ rare Action erweist sich zwar als handwerklich solide in den meisten Fällen aber auch erstaunlich unspektakulär und das zerbrechliche Bond-Girl Kara Milovy (Maryam d'Abo, „The Point Men“, „Trespassing“) sieht zwar schnuckelig aus, personifiziert allerdings nur ein geballtes Häufchen Naivität, wie man es manchmal nicht mehr für möglich hält. Ein Karriereschub war dieser Auftritt für sie folgerichtig auch nicht.

In „The Living Daylights“ soll Bond nun auf die Schnelle die glatte Überführung des KGB – Generals General Georgi Koskov (Jeroen Krabbé, „The Punisher“, „The Prince of Tides“) sicher erstellen. Der will nämlich in den Westen überlaufen und hält auch brisante Informationen über geplante Ermordungen westlicher Geheimagenten bereit. Der MI6 verspricht sich einiges von ihm. Nur wenige Stunden später kidnappt der KGB ihn schon wieder von einem schwer bewachten Landsitz der Briten. Bond, dem die Rettungsaktion ohnehin viel zu glatt über die Bühne ging, findet schnell heraus, dass Koskov KGB und MI6 gegeneinander ausspielen will, während er sich zusammen mit dem amerikanischen Waffenhändler Brad Whitaker (Joe Don Baker, „Walking Tall“, „Golden Needles“) als lachender Dritten eine goldene Nase verdient...

Die Zusammenarbeit mit Bonds russischen Erzfeind General Leonid Pushkin (John Rhys-Davies, „Raiders of the Lost Ark“, „Firewalker“) garantiert noch für einige Momente zum Schmunzeln, aber die kaum bedrohlichen und noch weniger charismatischen Gegenspieler, die immerhin als Duo auftreten, verlangen dem britischen Geheimagenten wenig ab. Selbst die rechte Hand Necros (traditionsgemäß mal wieder ein Deutscher: Andreas Wisniewski) verbleibt als blasses Anhängsel in einigen mörderischen Auftreten nicht länger im Gedächtnis. Ganz auf ihren Reibach bedacht, mangelt es der gegnerischen Partei insbesondere an gnadenloser Durchsetzungskraft und der größenwahnsinnigen Mentalität, die einem Bond-Bösewicht schon geradezu zwangsläufig anhaften sollte. Drogenhandel und Waffenschmuggel sind zwar kein Pappenstil, aber einfach eine Nummer zu klein, um als ebenbürtige Schurken in Erscheinung zu treten, wenn denn die Persönlichkeiten schon so austauschbar ausfallen.

Ähnlich ergeht es auch Bond selbst, der keinen Schuss zuviel abgibt und sich gegenüber dem weiblichen Geschlecht als ausnahmsweise sehr züchtig herausstellt. Die vielen Anspielungen fallen schon allein aufgrund des ernsteren Tons flach, als Charmeur taugt er allerdings genauso wenig. Leider kann man sich Dalton auch nur schwer als Womanizer vorstellen und ein weltmännisches Auftreten mangelt es ihm genauso wie an einer eigenen Interpretation der Rolle. Sean Connery und Roger Moore brachten sich dagegen immer ein Stück selbst in James Bond ein. Wenigstens bewegt er sich in den Actionszenen weitaus agiler, wohingegen der rüstige Roger Moore zuvor schon Zugeständnisse an sein Alter machen musste.

Als routiniert lässt sich die akzentlose Regie von Routinier John Glen bewerten, der trotz oder gerade wegen seiner Erfahrung wohl ganz zufrieden mit den letzten Abenteuern war und hier mehr Dienst nach Fortschritt verrichtet anstatt lebendig zu inszenieren. Einzig und allein der Angriff auf die russische Militärbasis in Afghanistan ragt ein wenig heraus. Normalerweise glänzen die Bond-Auftritte mit mindestens einer unvergesslichen Szene, mit der man den Film stets in Verbindung bringt. Die fehlt bei „The Living Daylights“ ausnahmsweise einmal. Weder das Duell im Flugzeug noch die Schlittenfahrt können inszenatorisch so recht überzeugen. Selbst der Titelsong tönt so unscheinbar, dass man ihn fast überhört.

Darüber hinaus entwickelt der Film in seinen zwei Stunden keinen rechten Drive, der das Publikum mitreißt. Die Abwesenheit wichtiger Druckmittel zum Schluss, das Fehlen einer verheerenden Katastrophe oder eben Emotionen, wirken sich allesamt negativ auf das ernüchternde Abenteuer aus, dem so sehr wie nie zuvor das Bond-Feeling fehlt. Bei genauerer Betrachtung offenbart darüber hinaus auch der extrem konstruierte Plot so einige Schwächen, die man von einem Bond-Film so deutlich nicht gewohnt ist. Insbesondere das Unterfangen von Koskov und Whitaker wirft einige Fragen auf.

Fazit:
Timothy Daltons Einstand „The Living Daylights“ outet sich als einer der schwächsten Bond-Filme, der mit einer Story aufwartet, die über keinen sonderlich effektiven Spannungsbogen verfügt. Den Bösewichtern mangelt es darüber hinaus an Tauglichkeit, die Action ist gemessen an früheren Auftritten geradezu unspektakulär und die exotischen Kulissen trotz Vielfalt keine Hingucker. Der Schritt zurück zum realen Geschehen tat der Serie zwar gut, eigentlich ist dieser Film aber nur eine Vorbereitung auf „Licence to Kill“, der ein wahrer Kracher werden sollte und bis heute zu Recht als einer der besten Bond-Filme gilt. Natürlich nimmt man „The Living Daylights“ kompletthalber mit, aber wenn man sich den britischen Geheimagenten in Aktion ansehen will, greift man eigentlich lieber an ihm vorbei. Grundsolide und nicht mehr, wobei man damit auch noch Standards bietet, die viele Filme nicht mal erreichen können.

 

Wertung:

6/10 Punkte

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