Trauzeuge Gesucht!

OT:  I Love You, Man  -  105 Minuten -  Komödie 
Trauzeuge Gesucht!
Kinostart: 24.04.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Trauzeuge Gesucht!

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Sie haben wieder zugeschlagen: Die übermächtigen und am Rande des Wahnsinns schreitenden Kreativ-Köpfe, die sich abstrakte deutsche Titel für amerikanische Filme ausdenken. Aus dem ursprünglich relativ cleveren I love you, Man, was im englischsprachigen Raum als freundschaftliche Ehrerbietung und zugleich – ganz im Sinne der hier vorliegenden Rahmenhandlung – als Gefühlsoffenbarung (unter Männern) verstanden werden kann, entstand nach offensichtlich kurzer Bearbeitungszeit ein generisches Trauzeuge gesucht!. In Role Models hatte Paul Rudd mit Jason Scott Lee noch einen treuen „Best Buddy“, der ständig an seiner Seite war und mit Wort und Tat beistand, in seinem neuen Film I love you, Man hingegen begibt er sich mehr oder minder verzweifelt auf die Suche nach einem solchen – Übereinstimmungen in Sachen Gesamtkonzept gibt es interessanterweise bei beiden Werken.

Eigentlich sollte Peter Klaven (Paul Rudd) glücklich und zufrieden sein: In seinem Job als Makler hat er seine persönliche Berufung gefunden, die Beziehung mit seiner attraktiven Freundin Zooey (Rashida Jones) läuft wunderbar und als Draufgabe nimmt sie auch seinen Heiratsantrag an. Doch schon kurz darauf zeigt sich der wunde Punkt in Peters harmonischen Leben, als Zooey realisiert, das er anscheinend keinen besten Freund aufweisen kann, mit dem er die frohe Botschaft der Verlobung teilen kann. Angetrieben von seiner Freundin und mit Unterstützung durch seinen gewitzten Bruder Robbie (Andy Samberg) macht sich Peter nun auf, um seinen neuen besten Freund zu finden – was sich natürlich als außerordentlich schwierig erweist. Nach mehreren erfolglosen und bedenklichen Men-Dates gibt Peter schließlich auf, nur um durch Zufall bei einer von ihm veranstalteten Hausbesichtigung auf den chaotischen Lebemann und Wirrkopf Sydney Fife (Jason Segel) zu treffen, der dem Anschein nach perfekt als bester Kumpel geeignet zu sein scheint. Doch der Schein trügt und die neue Beziehung zu Sydney erweist sich als schwerwiegender, als alle Beteiligten zunächst vermuten…

Wenn man nicht gerade Paris Hilton heißt und sich seinen neuen besten Freund in einer absurd-peinlich-bedenklichen MTV-Show castet, stellen sich einem– vor allem als Mann – sicherlich einige Schwierigkeiten beim Werben entgegen: Essen beim ersten Men-Date? Fauxpas der Superlative, keinesfalls nachahmen. Fitnesscenter? Nur wenn der eigenen (homosexuelle) Bruder seinerseits der Herausforderung wegen am anderen Ufer fischt und den besten Fang zur Verfügung stellen kann. Aber ernsthaft: I love you, Man ist in Hinsicht auf die unzähligen romantische Komödien, die die große Hollywood-Maschinerie fließbandmäßig auf den (leider durchwegs gierigen) Markt wirft, eine lobenswerte Ausnahme, auch wenn nur der thematisch verschobene Schwerpunkt von Frau auf Mann aus dem Werk heraussticht. Eben jene Gewichtung macht allerdings auch nahezu den gesamten Reiz des Films aus: Zentrale Handlungscharaktere werden vom männlichen Geschlecht dargestellt, samt stereotyp auf Frauen zugeschnittenen Problemchen, die den Situationshumor erzeugen (sollen). Anfangs funktioniert dies auch relativ gut: Paul Rudds Charakter wird handlungstechnisch so überzeugend und amüsant etabliert, das man seine Situation bemerkenswerterweise gut nachvollziehen kann. Auch die großartig besetzten Nebenrollen wie etwa der vorlaute J.K. Simmons als Peters Vater, ein ewig mürrischer Jon Favreau als ungeliebter Freund einer Freundin oder auch Rashida Jones als nicht nur dekorativer Aufputz tragen zu einer grundlegend guten und spielfreudigen Stimmung innerhalb des Ensembles bei.

Paul Rudd selbst mimt den perfekten Softie mit unschuldigen Charme erschreckend echt, jedoch muss er sich dennoch (aufgrund des zwar mit einem interessanten Hintergedanken entworfenen Drehbuchs, dem jedoch schnell die dramaturgische  Luft ausgeht) dem Regelwerk der Romantic Comedies unterwerfen und vor allem gegen Ende des Films platte Dialogzeilen zum erzwungenen Happy-End ausspucken.

Auch CO-Star Jason Segel kann auf weiten Teilen von I love you, Man die Sympathien des Publikums für sich gewinnen, scheint ihm doch das Slacker-hafte Verhalten eines Jeffrey Lebowskis auf den Leib geschrieben worden zu sein. Vor allem Kenner des Big Lebowski werden sicherlich einige Lacher aus manchen Situationen ziehen können, wenn auch der bissige Unterton der Coen-Brüder natürlich nur ansatzweise touchiert wird.

Es ist vor allem die Chemie bzw. das Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller, der den Film über so manche erzwungen lustige Passagen retten kann – Schade nur, das ebenso wie in Rudds vorangegangenen Film Role Models die Humor- sowie die damit verbundenen Aufmerksamkeitskurve beständig nach unten zeigt und abschließend in einem Ausbruch von mangelnder Kreativität seitens des Drehbuch endet.

Fazit:
I love you, Man zeigt sich anfangs als nonkonformes, in Relation gesehen schon fast revolutionäres (!) Gegenprodukt zu den regelmäßig erscheinenden und überwiegend seichten Komödien mit romantisch-verklärtem Unterton, was größtenteils auch dem harmonierenden Leinwandpaar Paul Rudd und Jason Segel zu verdanken ist. Doch ebenso wie schon in seinem vorangegangenen Film Along came Polly schafft es Regisseur John Hamburg nur über kurze Strecken, den Humor aufrecht zu erhalten und nicht in dieselben, tausendmal gesehenen und demnach dramaturgisch abgenutzten Szenerien abzudriften. Übriggeblieben ist eine etwas rückgradlose Komödie, die zu Beginn vielversprechend wirkt, jedoch schon bald in der Belanglosigkeit vergleichbarer Produktionen verschwindet.

Wertung:
5/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.2/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 6
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