Orozco The Embalmer

OT:  Orozco the Embalmer   -  92 Minuten -  Dokumentation 
Orozco The Embalmer
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Orozco The Embalmer

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Wer wollte schon immer mal einen Film über einen Leichenpräparator sehen? Ihm bei der Arbeit über die Schulter gucken und sehen, was der eigentlich „genau“ macht? Sind Sie, lieber Leser, schon ausgestiegen? Nein? Wie wäre es, wenn dieser Leichenpräparator sein Tagwerk im Elendsviertel von Bogotá, Kolumbien, verrichtet? Immer noch da? Dann könnte OROZCO THE EMBALMER der „richtige“ Film für Sie sein.

Allein an seinem Titel und dieser Kurzbeschreibung gemessen, kann man sich vorstellen, dass dieser Film nichts für schwache Mägen ist! Und daher sei die ausdrückliche Warnung für zart besaitete Menschen dieser Kritik vorangestellt: OROZCO hält ungeschönt drauf, wenn man eigentlich schon genug gesehen hat. Er erspart uns nichts, ist schäbig, wie die Umgebung, in der er gedreht wurde und von „Würde“ ist – wie am DVD Cover zu lesen – nichts zu spüren.

Was ist OROZCO eigentlich für ein Film: Prinzipiell beobachtet Regisseur Tsurisaki Kiyotaka, der mit S/M Pornos Anfang der 90er selbst in Japan für Aufsehen sorgte und am liebsten Leichen fotografiert, den alten Orozco o bei seiner Arbeit. Diese gestaltet sich im Wesentlichen wie folgt: Eine Leiche wird angeliefert, Orozco o schneidet sie auf, entnimmt die Organe und lässt sie ausbluten, schüttet dann eine chemische Flüssigkeit in den Körper, gibt die Organe wieder zurück, näht ihn zu und kleidet ihn an. „Direct cinema“ at it’s highest – könnte man das auch nennen. Der Film verzichtet in diesen Szenen auf jegliche Kommentar- oder Musikuntermalung, sondern hält einfach nur drauf. Bei der ersten Leiche ist das noch so schockierend, dass selbst mir übel wurde und ich unentwegt wegschauen musste – schließlich „gewöhnt“ man sich im Laufe des Films daran – prinzipiell kann einen nichts mehr schockieren und eigentlich ist das Schreckliche daran, diese Abstumpfung an sich selbst zu entdecken.

Dazwischen gibt es freilich immer wieder „auflockernde“ Szenen: Armut und Prostitution auf den Straßen, Schießereien und Tote in irgendwelchen Gräben. Die Körper kommen in Orozco s „Werkstatt“ und die Prozedere beginnt wieder von neuem. Die sparsame Musikuntermalung ist monoton, nervig, unschön – und passt deshalb hervorragend in diesen Film. Der Film begleitet Orozco über mehrere Jahre, am Schluss ist er tot und der Filmemacher befragt Freunde und Nachbarn nach dem Präparator um vielleicht doch noch hinter das Geheimnis des Mannes mit dem unangenehmen Job zu kommen.

ZUR DVD:

OROZCO erscheint als auf 1000 Stück limitierte Erstveröffentlichung des neuen Labels „Camera Obscura“ und ist beispielsweise bei Mailordern wie DTM.at oder auf Filmbörsen erhältlich. Bild- und Tonqualität sind aufgrund des Ausgangsmaterial selbstverständlich nicht optimal, dafür kann das Bonusmaterial u.a. mit Interview und Ausschnitt der arte-Serie TRACKS aufwarten. Untertitel gibt es in deutscher und englischer Sprache – der Film ist nicht synchronisiert! Im beiliegenden Booklet nähert sich Filmwissenschaftler Dr. Marcus Stiglegger an Orozco an.

Fazit:

Die Mischung aus Horror- und Dokumentarfilm zur „Schockumentation“ hat schon in berüchtigten Filmreihen wie GESICHTER DES TODES für Aufsehen gesorgt. OROZCO geht aber weniger spekulativ wie der 80er Jahre Schocker vor – ist dennoch absolut nichts für schwache Mägen! Wer das Experiment wagen will, wird mit einem beeindruckenden, verstörenden und unangenehmen Filmdokument belohnt.

Wertung:
5/10 Punkte

Filmering.at
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