Palermo Shooting

OT:  Palermo Shooting  -  108 Minuten -  Drama / Thriller 
Palermo Shooting
Kinostart: 24.04.2009
DVD-Start: 03.09.2011 - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Palermo Shooting

Von am

Wim Wenders ist zurückgekehrt! Zurück auf die Leinwand, zurück ins Kino, zurück aus Amerika, wo er seit über zehn Jahren Filme gedreht hat. PALERMO SHOOTING ist sein neuester Streifen, wieder einmal geht es um Seelenzustände und Befindlichkeiten von Fotografen (ein Thema, das sich durchs Wenders’sche Oeuvre zieht) und wieder lässt uns Wenders keinen Moment der Ruhe und erstickt seine Bilder mit Soundtrack aus der Dauerschleife. Ist denn auch etwas neu und anders in diesem Film? Ja, durchaus – „Tote Hose“ Campino steht erstmals für einen Spielfilm vor der Kamera. In der Hauptrolle. Und – entgegen vieler Kritiker – schlägt er sich sogar ganz gut durch.

Finn (Campino) ist Modefotograf und lebt sein Leben auf der Überholspur. Schnelle Autos, hübsche Frauen, Party und das Gefühl, es als Künstler geschafft zu haben. Ein bisschen Risiko, ein bisschen Kick müssen dabei sein, denn sein Dasein scheint ihn schon lange nicht mehr zu befriedigen. Sein Werkzeug, nein, sein Auge ist die Kamera und er hat sie immer dabei um mit ihr seine wagemutigen Spielchen zu fotografieren. Bis er eines Abends fast in ein Auto kracht. Da kommt der Sinneswandel. Da übernachtet er auf einem Baum im Freien und begegnet am nächsten Morgen einem Schäfer (Udo Samel), der eigentlich Banker ist, eigentlich aber noch viel mehr Philosoph. Und als am Rhein dann auch noch ein Schiff mit der Aufschrift Palermo vorbeituckert, wird Finn klar, dass er dort hin muss. Zuerst für ein Fotoshooting, dann für eine Auszeit und schließlich, um sich zu verlieben. Und dem Tod in Gestalt von Dennis Hopper zu begegnen.

Wenders Film ist artifiziell, durchkomponiert, besitzt eine innere Logik und lässt sich selbstverständlich nicht am traditionellen Erzählkino festmachen, das uns sonst so in den Lichtspielhäusern begegnet. Ein großer Teil des Films wird von der Reflexion des Künstlers, Finn, eingenommen, der sich via voice-over Fragen über sein Dasein stellt. Das kommt an manchen Stellen fast zu esoterisch rüber, zumindest ist die dahinter stehende Absicht aber klar. Die visuelle Gestaltung ist – wie üblich – nicht nur hübsch anzusehen, sondern trägt auch sehr stark zur Atmosphäre des Films bei. Es gibt surreale Traumsequenzen ebenso wie stark naturalistische Bilder – auch die Architektur nimmt einen ganz besonders hohen Stellenwert ein.

Musikalisch hat sich auch nicht zu viel getan: Wir hören nicht nur, was in Finn vorgeht, sondern vor allem, was er selbst hört. Und da er am liebsten mit I-Pod durch Palermos Straßen zieht, bekommen wir Songs von Nick Cave, Calexico, The Velvet Underground oder Portishead zu hören. Der Zuschauer wird so zum Zuhörer – und hier liegt einer der Knackpunkte, die Wenders wohl nie begreifen wird: Dass man ein Bild auch einfach mal nur für sich sprechen lassen kann, und es keine Rocksongs dazu braucht, den tieferen Sinn zu verstehen. Viel Negatives ist gesagt worden über Campinos Leistung, dass er angeblich nicht spielen könne und überhaupt. Viel mehr sollte man sich aber fragen, warum Wenders gerade die Hauptrolle mit ihm besetzt. Campino ist als Finn absolut glaubwürdig und authentisch, zumindest auf der Leinwand. Lediglich sein Off-Kommentar wirkt seelenlos.

So weit wäre doch alles gut, oder zumindest nicht schlecht. Doch dem neuen Werk von Wim Wenders fehlt es vor allem an Zugänglichkeit. Wer nicht gerade lebensbedrohende Grenzerfahrungen gemeistert hat, oder dem Tod von der Schippe gesprungen ist, findet im Erzähllabyrinth des deutschen Regisseurs nur schwer Zugang. Die filmische Realität wird zunehmend abstrahiert, und weicht der Wenders’schen Poesie. Die kann jemand mögen, und vielleicht an PALERMO SHOOTING gefallen finden, dass der Regisseur aber schon weitaus universellere Filme gedreht hat, sollte man dabei aber nicht vergessen.

Fazit:

Am Schluss muss ich dann doch noch mal persönlich werden: PALERMO SHOOTING ließ mich ratlos zurück. Ich könnte nicht behaupten, den tieferen Sinn – falls einer existierte – verstanden zu haben, und trotz spannender Ansätze nervte mich der Film nach kurzer Zeit. Eigentlich schade, aber an die Klasse der frühen Wenders-Werke reicht diese Altherrenphantasie leider wirklich nicht ran. Experimentierfreudige Autorenfilmfreunde sollten trotzdem einen Blick riskieren!

Wertung:
5/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.3/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 3
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