Pathfinder

OT: -  100 Minuten -  Action
Pathfinder
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Filmkritik zu Pathfinder

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Nicht so gut wie erhofft, aber auch nicht so schlecht wie befürchtet. Das trifft es wohl ganz gut, was Marcus Nispel („The Texas Chainsaw Massacre“, „Frankenstein“) uns mit dem zigfach verschoben „Pathfinder“ auftischt. Immer wieder neu angesetzte Release-Dates, die dann doch wieder kurzfristig abgeblasen werden, verheißen meist nichts Gutes und in der Tat wohnt man auch im vorliegenden Fall nicht mehr als einer mittelprächtigen Enttäuschung bei, aus deren Prämisse sich so viel mehr hätte machen lassen können. Nur schade, dass kein erfahrener Regisseur zur Stelle war, der mit dem Stoff auch etwas anfangen konnte. So muss man sich seit „The 13th Warrior“ weiter gedulden, denn in dem Thema scheint der Wurm zu stecken.


Anderseits braucht Marcus Nispel wohl einen einflussreichen Produzenten, der ihn an die Hand nimmt und ihm den Weg weist. Von Ästhetik und Gestaltung versteht er dank seiner Musikclip-Vergangenheit genug. Von Dramatik hat er dafür leider überhaupt keine Ahnung und darunter hat „Pathfinder“ sehr zu leiden, denn den erhofften Actionthriller im archaischen Gewand stellt er mitnichten dar. An sich hätte man aus der Vorlage unschwer einen kurzweiligen Film für Erwachsene mit straighter Storyline stricken können, der zumindst die Action-Fans begeistert. Das vorliegende Drehbuch nimmt auch gar nicht viel Handlungsballast auf, kommt aber nie richtig in Schwung, obwohl man ihm ein paar gute Einfalle hinsichtlich der Actionszenen attestieren muss. Allerdings fehlt Nispel das Talent sie auch entsprechend umzusetzen.

Die stimmige, düstere Optik kann „Pathfinder“ dabei immerhin als Pluspunkt für sich verbuchen, so dass die nebeligen Wälder Nordamerikas einen wenig einladenden, bedrohlichen Eindruck machen und dabei eigentlich eine ideale Kulisse für die brutale Schlachtplatte abgeben, die vorweg angekündigt wurde. Davon bekommt man allerdings zunächst nur wenig zu sehen.


Denn erst einmal muss das namenlose, halberfrorene Wikinger-Kind, später auf den Namen Ghost getauft, mitten im tiefsten Winter von einer Indianerin aus dem Wrack eines gestrandeten Schiffs voller erfrorener Sklaven und Krieger gerettet werden. Die Indianer nehmen das Findelkind nur widerwillig auf, gehört er doch zu dem barbarischen Volk, das ihresgleichen ermordet, verschleppt und versklavt. Seinen Sonderstatus wird er über die Jahre hinweg deshalb auch nie los, später nicht in den Kreis der Stammeskrieger aufgenommen, darf sich dann aber trotzdem beweisen, als eine Horde dämonischer Wikinger landet und sein ganzes Dorf niedermetzelt...

Ghost (Karl Urban, „The Chronicles of Riddick“, „Doom“)betrachtet das Massaker entsetzt aus der Ferne, kann fliehen und schlägt nach „First Blood“ - Manier zurück. Wer dabei nun auf eine Vielzahl sehenswerter, blutiger Actionszenen hofft, wird allerdings eines Besseren belehrt, obwohl reichlich Blut fließt und einige abgehackte Körptereile zu Boden fallen. Die Actionchoreographie fällt sehr enttäuschend, zu unübersichtlich und unspektakulär aus. Meist sind die Kämpfe nach kurzem Gestochere auch schon wieder vorbei. Kein Moment, den Nispel zelebriert oder auskostet. „Pathfinder“ steigert sich leider nie in einen Kampfrausch, ihm fehlt deswegen auch jede Spannung und besondere Sympathien bringt man Ghost leider auch nicht entgegen. Eine hektische Kamerafahrt und zu schnelle Schnitte verhindern den Genuss dieser Kämpfe dann vollends.

Der blasse Karl Urban verleiht seinem Filmego dabei kaum Eigenleben. Das Kindheitstrauma wirkt arg aufgesetzt und seine Liebe zu der Indianerin StarFire (Moon Bloodgood, „Eight Below“) sehr gekünstelt. Urban gibt sich augenscheinlich auch nicht viel Mühe eine tragische Figur abzugeben, obwohl er mehrmals den Tod von Indianern verschuldet und mit sich selbst nicht im Reinen ist. Man fiebert daher kaum mit dem einsamen Krieger, wenn er der Übermacht entgegentritt und schaut sich das brutale Treiben aus der Distanz an. Selbst Urbans bekanntlich behänder Umgang mit dem Schwert wird abseits seines Trainings völlig vernachlässigt.

Viel grausamer sind aber eigentlich die sündhaft schlechten Dialoge, die mit unzähligen abgedroschenen Phrase gespickt sind, dass man „Pathfinder“ seine unfreiwillige Komik (Ralf Moeller ist auch so ein Hit!) nicht absprechen kann. Ähnlich verhält es sich mit dem enttäuschenden Finale an der Steinwand, das wohl aus Budgetmängeln unglaublich schlecht mit Lawinenaufnahmen aus irgendeiner Dokumentation zusammenmontiert wurde. Genau wie die oft unterdurchschnittlichen CGI-Shots wird einem so ein tricktechnischer Offenbahrungseid sonst nur in B-Movies geboten. Diese letzten Minuten sind gleichzeitig auch der Höhepunkt des unwahrscheunlich schlechten Schnitts, der jeden Filmfluss blockiert. Immer wieder gewinnt man den Eindruck einer bloßen Szenenaneinanderreihung, weil Übergänge fehlen oder schlicht im Schneideraum geblieben sind.Auch der wirkungslose, unscheinbare Score Jonathan Elias' („Children of the Corn“, „Leprechaun 2“) verpufft in jeder Szene, anstatt die Bilder zu unterstützen.

Trotz der schwachen Inszenierung und der offensichtlichen Mängel des Drehbuchs von Laeta Kalogridis („Night Watch: Nochnoi Dozor“, „Alexander“) kann man sich von „Pathfinder“ dank seiner ordentlichen Atmosphäre, ein paar toller Landschaftsaufnahmen und regelmäßiger, wenn auch lediglich nur mittelprächtiger Actionszenen unterhalten lassen. Punkten können auch immer wieder die albtraumhaften, hünenhaften Wikinger, angeführt von Gunnar (Clancy Brown, „Starship Troopers“, „The Guardian“), wenn sie in ihren eindrucksvollen Rüstungen durch den Wald auf der Suche nach den nächsten Opfern stapfen, massakrieren und Dörfer verwüsten. Eigentlich sind diese sadistischen Genossen eine Verschwendung in diesem Film.

Fazit:
Den tollen Kostümen, den stimmigen Sets und der atmosphärischen Kulisse steht ein leider unfähiger Regisseur mit Namen Marcus Nispel gegenüber. Ohne Sinn für Dramatik und ein Händchen für ansprechend gestaltete Actionszenen kapitulierte er wohl spätestens im Schneideraum vor den sündhaft schlechten Dialogen, schwachen Tricks und deiner eigenen Unfähigkeit dem simplen Stoff wenigstens einen Hauch Drive abzuringen. In so ziemlich jeder Hinsicht leider eine herbe Enttäuschung. Schade, ich hatte mich seit Monaten riesig auf den Film gefreut.

 

Wertung:

5/10 Punkte

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Ø Wertung: 5.5/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 2
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