Operation "Kleiner Bruder"

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Operation "Kleiner Bruder"
Kinostart: 26.04.1968
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Operation "Kleiner Bruder"

Von am

Einen waschechten Schwank des italienischen Plagiaten-Kinos schuf Alberto De Martino („Holocaust 2000“, „Der Puma Mann“) als er 1967 diesen megadreisten James Bond – Ripoff drehte. „OK Connery“ ist eine der legendärsten, wenn leider auch wenig bekannten, weil kaum veröffentlichten Kuriositäten des Italo-Kinos, den eingefleischte Fans längst zum Kult erhoben haben. Im Zuge des weltweiten Erfolgs der Connery-Filme war man in Italien längst damit beschäftigt massenweise in kürzester Zeit möglichst günstig produzierbare, ähnlich gestrickte Agenten-Abenteuer auf den Markt zu werfen, doch keins kann die einmalige Konstellation von „OK Connery“ toppen.


Anstatt Sean Connery wurde nicht nur einfach sein jüngerer Bruder Neil, der nicht ansatzweise über die schauspielerischen Qualitäten Seans verfügt, verpflichtet, es gelang auch Bernard Lee (M), Lois Maxwell (Miss Moneypenny), Adolfo Celi (Oberbösewicht Largo in „Thunderball“), Anthony Dawson (2x Blofeld in „From Russia with Love“, „Thunderball“ und natürlich Dr. No) und Daniela Bianchi (Tatiana Romanova in „From Russia with Love“) ans Set zu locken, die größtenteils einfach wieder in die selben Rollen schlüpften, die sie schon in den Bond-Filmen innehatten. Zudem wurde der Film später tatsächlich von United Artists veröffentlicht.

Damit aber nicht genug. Ennio Morricone und Bruno Nicolai steuerten noch einen Score bei, der unablässig die bekannten Themen der Bond-Franchise nachahmte, während das Skript keine Möglichkeit außer Acht lässt, auf Sean Connery und Urvater Ian Fleming anzuspielen beziehungsweise bekannte Klischees zu parodieren. So wird Neil Connery, der Einfachheit halber im Film auch Mr. Connery genannt, beispielsweise ständig gestört, wenn er ein Techtelmechtel mit einer gutaussehenden Frau beginnen möchte.

Dem Plot ist dabei nicht an einer sonderlich spannenden und komplizierten Verschachtelung gelegen. Man ruft einfach die erfolgreichen Ingredenzien der Bond-Franchise ab: Die Verbrecherorganisation Thanatos will mit einer speziellen Geheimwaffe mittels radioaktiver Magnetwellen alle Maschinen auf der ganzen Welt lahm legen. Deren Vorsitzender Alpha wird übrigens von Dawson verkörpert.


Weil Agent Connery aber momentan nicht verfügbar ist, beauftragt man seinen jüngeren Bruder Neil (Kein Scherz!) der Angelegenheit auf den Grund zu gehen. Der verfügt als Schönheitschirurg praktischerweise noch über die Fähigkeiten Lippen zu lesen und mit allerlei Handfeuerwaffen umzugehen. Kräftig zuschlagen kann er als Martial Arts – Experte auch, ein Verkleidungskünstler ist er obendrein und von seinen außergewöhnlichen Hypnosefähigkeiten macht er ebenso mehrmals Gebrauch. Warum also nicht ihn als Alternative ins Rennen schicken?! Flugs rekrutiert ihn die britische Regierung, obwohl Connery gar nicht darauf erpicht ist den Geheimagenten zu spielen und eigentlich ganz andere Dinge zu tun hat.

Was folgt, sind die üblichen Situationen eines klassischen Agenten-Abenteuers, das nach dem Bond-Schema gestrickt wurde. Der größenwahnsinnige Bösewicht Thair Beta, von Celi genüsslich verkörpert, lebt in purem Luxus, umgeben von gutaussehenden, knapp bekleideten Frauen auf einer Yacht, und frönt seiner ehrgeizigen Welteroberungspläne, während Mr. Connery sich schnell seiner exzentrischen Killer-Schergen zu erwehren hat, die ihm alsbald über den Weg laufen. Ein paar technische Gimmicks gibt es genauso zu bestaunen wie sehr kuriose Figuren (die Krankenschwester mit der Gasmaske) und die genrekonforme rechte Hand des Bad Guys.
Alberto De Martino gibt sich hier wirklich Mühe, keinen plumpen Abklatsch zu drehen, obwohl die Anleihen immer und überall offensichtlich sind. Selbst bei der Auswahl exotischer Locations lässt man sich von den Bond-Filmen inspirieren. Unfreiwillig komisch wird „OK Connery“ etappenweise trotzdem einfach deswegen, weil die Gadgets mitunter völlig over the top sind und die Inszenierung wohl auch aufgrund des Budgetlimits ein paar Schnitzer aufweist.

Keine Frage, Spaß macht der Film trotzdem ohne Ende, aber man muss sich darauf einlassen können und ihn mit einem Augenzwinkern genießen, denn nur so funktioniert er. Natürlich fehlt die technische Raffinesse des großen Vorbildes, auch wenn es regelmäßig Actionszenen gibt, die im direkten Vergleich allesamt eher unspektakulär ausfallen, dafür jedoch mit amüsanten Ideen protzen. So werden bei einem Angriff auf ein Thanatos-Quartier beispielsweise völlig ineffektive Flammenwerfer herausgekramt. Außerdem tragen auf Seiten von Thanatos Frauen und Männern regelmäßig die schrillsten Uniformen, die die Sechziger damals hergaben. Hinzu gesellen sich unter anderem auch tödliche, weibliche Einsatztruppen und eine obligatorische Festung des Bösewichts, die es im Finale zu stürmen gilt. Es ist einfach alles vorhanden, was man von einer „echten“ Bond-Mission erwartet.

Mehr möchte ich auch nicht verraten, denn „Ok Connery“ lebt mit zunehmender Laufzeit immer mehr von seinen skurrilen Ideen, den abgefahrenen Plänen Celis (Das Ding mit den Teppichen...) und den komischen Dialogen. Wie bereits erwähnt, wird man als Zuschauer, wenn man das Dargebotene nicht ernst nimmt, sehr amüsante 80 Minuten erleben und sich feixend darüber amüsieren, was die Autoren sich da schon wieder für einen Kokolores ausgedacht haben oder eben orakeln, was denn als nächstes auf dem Plan steht.


Langweilig ist dieser Ripoff dabei eigentlich nie. Das liegt aber an der versammelten Mannschaft bekannter Gesichter sowie den kuriosen Einfällen und weniger dem Standard-Plot, in dessen Verlauf Connerys Ermittlungen natürlich auf Thanatos Spur führen. Thair Beta will ihn dann für seine Zwecke einspannen, unterschätzt seinen Widersacher aber.

Fazit:
Schwierig zu bewertender Film. Der Unterhaltungsfaktor ist schon enorm, wenn man sich auf den Film einlassen kann. Anderseits spielt Neil Connery wirklich sündhaft schlecht und hat nach seinem Debüt auch nur noch in ein paar unspektakulären Nebenrollen glänzen dürfen. Außerdem fehlt „OK Connery“ deutlich die Ausgereiftheit der britischen Vorbilder und ist der Verlauf ein typisches Produkt vom Reißbrett. Auf der anderen Seite agieren hier aber auch viele bekannte Gesichter der Bond-Franchise. Der Willen Qualität abzuliefern, lässt sich auch am passenden, wenn auch hemmungslos klauenden Score, der soweit souveränen Inszenierung Alberto De Martino und der guten, keinesfalls billigen Ausstattung feststellen. Den Zuckerguss ergeben aber erst die kuriosen Figuren, unvergessliche, weil unfreiwillig komische Dialoge sowie die vielen Anspielungen auf Sean Connery, Ian Fleming und die Bond-Reihe im Allgemeinen. Nur nicht ernst nehmen und ich garantiere einen unglaublichen Spaß. Ein Faible sollte aber vorhanden sein.

 

Wertung:

7/10 Punkte

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