Rock'n'rolla (2008)

OT: RocknRolla - 114 Minuten - Gangsterkomödie
Rock
Kinostart: 20.03.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Rock'n'rolla

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Auch mit dem Bekenntnis, nichts von der belanglosen High-Society Berichterstattung registriert zu haben, kommt man an einer fast schon aufgedrängten Vermutung nicht vorbei: Das filmische Gesamtwerk des britischen Regisseur Guy Ritchie wurde folgenschwer von seiner Ehe mit der Pop-Diva Madonna beeinflusst. Bekannt und als Filmemacher einigermaßen relevant wurde Ritchie ja mit der zugegebenermaßen pfiffigen und sarkastischen Gangsterkomödie Lock, Stock and Two Smoking Barrels (in der grauenhaften deutschen Übersetzung als Bube, Dame, König, grAS bekannt) aus dem Jahr 1998.

Hier wird eine verschachtelte, mit duzenden auftretenden Charakteren versehene Geschichte rund um ein fehlgeschlagenes Kartenspiel, daraus entstandenen Schulden – die eingetrieben bzw. bezahlt werden müssen – und ein paar antiker Gewehre erzählt, wobei der besondere Charme durch die liebenswerten, mit starkem Cockney-Slang versehenen Protagonisten (u.a. Jason Statham und Vinnie Jones in ihren ersten Rollen) und einer besonders verspielten Kameraarbeit etabliert wird. Nach dem Erfolg seines Langfilmdebüts und der damit verbundenen Publicity wagte sich Regisseur Ritchie an ein neues Projekt heranzutreten, welches 2000 als Snatch in den Kinos anlief. Besonders der deutsche Untertitel Schweine und Diamanten trifft hier genau die Thematik, da es sich im Grunde genommen um ein ähnlich-komplexes Storygerüst wie schon in Lock, Stock… handelt, nur eben mit einer veränderten Besetzung (grandios: Brad Pitt als unverständlicher Gypsy und Rade Serbedzija als unvergänglicher Russe).

Was Guy Ritchie allerdings in Sachen dramaturgischer Finesse und schlagfertigen Charakterzeichnungen über diese beiden Filme aufgebaut hatte, schien nach dem in jeder Hinsicht katastrophalen Swept Away (mit seiner damaligen Ehefrau Madonna als weibliche Hauptdarstellerin) kurzerhand hinweggefegt. Auch das nachfolgende Projekt Revolver, das zwar mit Jason Statham in der Hauptrolle und einer schwer metaphorisch aufgeladenen Story rund um das bewährte Thema Glücksspiel und Schulden aufwartete, scheiterte letztenendes, allerdings am optischen Overkill und den enorm affektierten Schauspielerleistungen (allen voran Ray Liotta und Andre Benjamin).

Mit seinem neuen Film RocknRolla besinnt sich der britische Regisseur auf seine Wurzeln und führt dem Publikum genau das vor Augen, was es von ihm gewohnt ist: lässige Gangster, schwarzer Humor und eine abgedrehte Handlung. Der komplizierte Plot dreht sich rund um den zwielichtigen Gangsterboss Lenny Cole (unterfordert: Tom Wilkinson), der in der Londoner Immobilienbranche anstatt in der Drogenszene die Fäden zieht und zum Zeichen des guten Willens von seinem neuen russischen Geschäftspartner Uri (Karel Roden) dessen glückverheißendes Gemälde zur Verfügung gestellt bekommt. Es kommt – natürlich - wie es kommen muss: Das Bild wird gestohlen, zudem wird auch das vom russischen Millionär bereitgestellte Geld von den Kleinganoven One Two (ungewohnt humorvoll: Gerard Butler) und seinem Kumpel Mumbels (Idris Elba) entwendet, womit beide Parteien – also Lenny und Uri – dadurch gehörig unter Druck geraten. Erschwerend kommt hinzu, dass der Auftrag für den Geldraub von Uris Buchhalterin, der verführerischen Stella (Thandie Newton), in Auftrag gegeben wurde. Zur schon bisher illustren Figurenkonstellation kommt weiters der titelgebende Rocker Johnny Quid (Toby Kebbell) hinzu, der erstens seinen Tod vorgetäuscht hat, um dadurch seiner musikalischen Karriere den nötigen Kick zu geben und zweitens als Ziehsohn des Gangsterbosses Lenny das Gemälde des Russen geklaut und versteckt hat….

Verwirrend ist die Story auf den ersten Blick zweifellos, jedoch erscheint sie nach genauerer Betrachtung als erstaunlich brav bzw. im direkten Vergleich mit den vorangegangen Gangsterfilmen von Guy Ritchie richtig einfallslos. RocknRolla beginnt zwar enorm stark und dicht, Charaktere werden in gewohnt stilsicherer Tradition präsentiert und in die Handlung verwoben, aber es fehlt das gewisse Etwas in fast allen Belangen. Ein Beispiel: In Lock, Stock… und Snatch wird die Gewalt – wenn auch nicht glorifiziert, dann aber zumindest nicht als unbenötigt – herausgehoben und mit einer gehörigen Portion schwarzen Humor vermengt um das Publikum zu überzeugen, wohingegen sie bei RocknRolla einen gänzlich anderen Stellenwert mit den gleichen Stilmitteln einnimmt.

Also wird etwa ein Angriff des RocknRollas Johnny Quid auf einen Türsteher, der ihn nicht in einen Klub hineinlässt, zwar mit passender Musik untermalen und von Beginn an in einen bösartigen Kontext gestellt, aber letztenendes extrem brutal und mit einem bitteren Nachgeschmack hinsichtlich der gewollten Empathie zum Charakter verwirklicht (der zudem als gebildeter Sprücheklopfer die Geduld des Zuseher enorm strapaziert). Auf den Punkt gebracht: Es fehlt der lässige Witz, die kühle Ironie und die Verblüffung am Ende der Handlung. So interessant und detailreich manche Charaktere auch dargestellt werden, so platt, unnötig und uninspiriert wirken andere, allen voran die janusgesichtige Figur von Thandie Newton: Zuerst stellt sie eine verführerische Femme Fatale dar, wenig später wird ihr das Attribut des niederträchtigen und selbstbezogenen Kleingeistes quasi auf die Stirn gestempelt. Auch Gerard Butlers Leistung als Kleinkrimineller überzeugt nicht vollends: Physisch nimmt er zwar die Leinwand für sich ein, jedoch kann die unbeholfene Homophobie und die vermeintliche Ungeschicktheit seines Charakters nicht mitreißen und wird deplaziert.

Insgesamt wirkt RocknRolla wie ein angestaubtes Relikt aus vergangenen Tagen: Zu seiner Zeit wäre er sicherlich überraschend und vergnüglich gewesen, im Jahr 2009 ist allerdings weder das geschickte Zusammenführen von verschiedenen Handlungssträngen und duzender Figurenkonstellationen der Schlüssel zum (Box Office-) Erfolg. Bleibt zu hoffen, das Drehbuchautor und Regisseur Ritchie den zu erkennenden leichten Aufwärtstrend beibehält und die (direkte?) Fortsetzung ohne erwähnten Mängel verwirklichen kann.

Fazit:
Eine typische Guy Ritchie - Gangsterkomödie nach dem Motto: komplizierte Handlung, massig coole Charaktere und haufenweise verspielte Kameraeffekte – siehe Snatch und Lock, Stock and Two Smoking Barrels. Schade nur, das der fehlende, aber dringend benötige Feinschliff an allen Enden ersichtlich ist. Die Story ist vergleichsweise banal und die eigentlich farbenfrohe Figurkonstellation relativ uninteressant, da hilft auch eine relativ hochkarätige Besetzung nicht. Mit frischen Ideen und verminderten Einsatz von altbackenen Klischees würde RocknRolla sicherlich einen besseren Eindruck hinterlassen.

Wertung:
6/10 Punkte
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Liste von Steffi89
Erstellt: 05.01.2013