Der Fluch der Goldenen Blume

OT: -  114 Minuten -  Tragödie
Der Fluch der Goldenen Blume
Kinostart: 26.04.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 28.10.2011
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Filmkritik zu Der Fluch der Goldenen Blume

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Es war die Zeit von Korruption, Intrigen und grenzenlosem Egoismus. Während die frühere Tang-Dynastie (618-907 n. Chr.) ein goldenes Zeitalter war, in dem China ein stabiles Land war und im ganzen Land Wohlstand und Frieden herrschte, wendeten sich die Zeiten mit dem hereinbrechen der späten Tang-Dynastie (923-936 n. Chr.). Genau in dieser Zeit der höfischen Intrigen und des Zerfalls und Zwietracht spielt Zhang Yimous neustes Epos Der Fluch der Goldenen Blume. Er zeigt uns in seiner Adaption des berühmten chinesischen Theaterstücks Das Gewitter eine lupenreine Tragödie rund um Familienzwist und verborgenen Geheimnissen, auf die selbst William Shakespeare stolz wäre.

 

Als der Prinz (Jay Chou) nach langen, harten Jahren, in denen er die Landesgrenze im Norden gegen die Mongolen verteidigte, nach Hause zurückkehrt merkt er dass im Palast so einiges faul ist. Der König (Chow Yun-Fat) versucht seine Frau (Gong Li) über Monate hinweg langsam, durch Gift in ihrer Medizin, zu töten und diese versucht ihrerseits ihr Verhältnis zu ihrem Stiefsohn, dem Kronzprinzen Xiang (Liu Ye) zu verbergen. Doch der König scheint sich verschätzt zu haben. Seine Gattin ist ihm auf die Schliche gekommen und plant einen Militärputsch, der ihn vom Thron hieven soll und statt dessen ihren heimgekehrten Sohn an die Macht bringen soll. Dieser macht sich auf um die Streitmacht gegen seinen Vater zu mobilisieren. Doch wieviel weiß dieser wirklich?

 

Regisseur Zhang Yimou konnte bereits mit seinem Regiedebüt im Jahre 1987, Rotes Kornfeld, den Goldenen Bären bei den Berliner Filmfestspielen gewinnen. Noch heute gilt er als wichtigster chinesischer Regisseur und konnte unter anderem den Großen Preiß der Jury in Cannes (für Leben!), den silbernen Löwen in Venedig (für Rote Laterne) und den goldenen Löwen in Venedig (für Die Geschichte der Qiu Ju) gewinnen. Weiters waren seine Filme Ju Dou, Rote Laterne und Hero für einen Oscar als Bester fremdsprachiger Film nominiert. Besonders Hero bescherte ihm große Erfolge an den Kinokassen und so ging sein nächster Film, House of the Flying Daggers, wieder in diese Richtung. Mit Der Fluch der Goldenen Blume versucht er erneut in dieselbe Kerbe zu schlagen, geht im Detail allerdings einen deutlich anderen Weg.

 

Während Hero es noch perfekt schaffte die grandiosen Martirial-Arts- und Actioneinlagen mit einer ebenso genialen Story zu verbinden, scheiterte House of the Flying Daggers besonders bei der letzteren Komponente. Die Mischung stimmte hier nicht so ganz und deshalb ist der Film auch nicht zu einem solchen Erfolg wie Hero geworden. Der Fluch der Goldenen Blume schwächelt hingegen bei der richtigen Dosierung seiner Komponenten. Speziell in den ersten beiden Dritteln des Films geizt Zhang Yimou förmlich mit Actioneinlagen und versucht dem Zuseher eine detailierte Verschwörungsgeschichte im Palast zu erzählen.

 

Leider muss man sagen dass diese Story nicht durchgehend überzeugen kann. Die Geschichte wirkt an manchen Stellen sehr konstruiert und einige Wendungen sind nicht besonders gelungen. Besonders tragisch wirkt sich für diesen Part aus dass man quasi zur Gänze auf Martial-Arts Einlagen verzichtet hat und es somit an manchen Stellen ziemlich langatmig wird. Kritisiert wird hier allerdings nicht die Story als Gesamterlebnis, sondern lediglich die Erzählform an manchen Stellen in den ersten beiden Abschnitten. Im letzten Teil fügen sich dann die Intrigengeschichten sehr gut zusammen und hier entfacht Zhang Yimou ein Actionfeuerwerk in dermaßen beeindruckenden Bildern, sodass man alle Kritikpunkte von zuvor beinahe vergisst.

 

Dieses letzte Drittel ist auch das mit Abstand beste. Der schwebende Angriff, der in schwarz gekleideten Killertruppe des Königs, wird dem Zuseher wohl sehr lange in Erinnerung bleiben und am Ende treffen die Truppen des Königs, vor beeindruckender Kulisse, auf die Truppen seines Sohnes und liefern sich eine Schlacht die sich in den Punkten visueller Gestaltung und Kreativität nicht hinter dem Topfilm dieser Sparte, Herr der Ringe, verstecken braucht. Wenn man nur etwas von diesen genial gestalteten Szenen bereits im vorigen Teil einbauen hätte können, so wäre Der Fluch der Goldenen Blume ein herausragender Film geworden, den man sehr lange in Erinnerung behalten hätte.

 

Ein weiteres dickes Lob geht an die Set- und Konstümdesigner des Films. Was hier an prunkvollem Material eingesetzt wurde, übertrifft vieles. Gold ist die Farbe des Films und diese findet sich in fast jeder Einstellung wieder. Seien es die schillernden Rüstungen, oder einfach nur die Gestalltung des Palastes. Alles fügt sich hier zu einem wundervollen Gesamtbild zusammen, das die Dekandenz des Königshauses auf atemberaubende Weise wiedergibt. Der Fluch der Goldenen Blume ist hauptsächlich ein Film über Oberflächlichkeit, der zeigt wie verdorben etwas so schönes doch sein kann. Und diese Botschaft übermittelt der Film auch wirklich eindrucksvoll.

 

Es ist wirklich sehr schade dass sich dieser Film selbst so begrenzt. Sowohl die Geschichte rund um Intrigen und Verrat, als auch die visuelle Umsetzung und die beeindruckende Inszenierung, hätten alles mitgebracht was ein Topfilm braucht. Leider verstrickt sich der Film im Mittelteil in etwas konfusen Wendungen und entfacht sein beeindruckendes Action-Feuerwerk nur im letzten Drittel. Hätte Der Fluch der Goldenen Blume durchgehend das atemberaubend hohe Niveau des letzten Drittels, wäre die Wertung garantiert jenseits der 9 Punkte ausgefallen. So wie er jetzt ist, ist es ein Film der zwar im letzten Teil selbst seinen Vorgänger Hero übertrifft, aber dafür als Gesamtwerk betrachtet doch hinter ihm zurück liegt.

 

Fazit:

Der Fluch der Goldenen Blume ist eine waschechte Tragödie, die selbst William Shakespeare neidisch machen würde. Intrigen und Verrat sind der Hauptbestandteil des Films und wären die ersten beiden Drittel auf dem selben Niveau wie das letzte Drittel, so wäre es ein Meisterwerk geworden. So ist es ein Film mit absolut atemberaubenden Finale, der jedoch speziell im Mittelteil etwas konfus und langatmig ist.

 

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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