Hilde

OT:  Hilde   -  137 Minuten -  Biopic 
Hilde
Kinostart: 13.03.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Wer ist Hildegard Knef? Eine Mischung aus Marlene Dietrich und Edith Piaf. Ein Vamp, der für allerlei handfeste Skandale in der Adenauer-Republik sorgte. Die „größte Sängerin ohne Stimme“ (Ella Fitzgerald). Eine opportunistische junge Frau, die zu Beginn ihrer Karriere keine Hemmungen zeigte und mit Reichsfilmdramaturg Ewald von Demandowsky ins Bett stieg – und dafür Rollen in – vorwiegend unvollendeten – Filmen erhielt. Später erfuhr sie wie kaum eine andere Schauspielerin Höhen und Tiefen einer Karriere. Eine raffinierte Sängerin, die mit ihren Aufnahmen ein Millionenpublikum begeisterte und noch immer begeistert. Eine Autorin. Ein Multitalent. Eine außergewöhnliche Frau.

All dies sind Antworten, die Kai Wessel in seinem über zwei Stunden langen Biopic zu geben versucht, um den facettenreichen Charakter der „Hilde“ – vielleicht nicht gerade zu entzaubern – aber zumindest ein wenig zu entschlüsseln. Doch an dieser Aufgabe scheitert der Regisseur. Wie schon im ähnlich gelagerten LA VIE EN ROSE (der aber weniger konventionell inszeniert war, als dieses viel zu biedere epische Fernsehspiel) scheitert der Film an der Vielschichtigkeit seiner Protagonistin, die eigentlich recht unnahbar gezeichnet ist und nur selten echte menschliche Wärme ausstrahlt.

Dennoch macht Heike Makatschs Darstellung wieder vieles gut. Die Ähnlichkeit ist verblüffend, und sie imitiert glaubhaft das burschikose Verhalten dieser eigentlich recht zerbrechlichen Frau. Und Heike Makatsch singt! Sie macht das sogar außerordentlich gut! So gut, dass vermutlich das Anhören des Soundtracks mehr Spaß macht, als der Film. Dessen Rahmenhandlung bildet ein Konzert, das die Knef 1966 in Berlin gibt – sie ist wieder dorthin zurückgekehrt, wo sie vor einigen Jahren weggegangen ist, als die Mauer gebaut wurde. Und sie ist vor allem nervös. Bei den Vorbereitungen in der Garderobe schießt ihr Leben noch einmal an ihr vorbei: Wie sie 1943 den Entschluss fasste, Schauspielerin zu werden, wie sie zu Kriegsende den Geliebten verlor, wie sie sich später wieder aufrappelte. Hilde und die Männer: Produzent Erich Pommer wird nach dem Krieg auf die Knef aufmerksam, sie hat erste große Erfolge und wagt den Sprung nach Hollywood. Dort wird sie jedoch von David Selznick hingehalten. Ihre erste Ehe mit dem emigrierten Juden Kurt Hirsch scheitert langsam aber sicher, vor allem als sie viel Zeit mit dem sie umwerbenden Regisseur Willi Forst (DIE SÜNDERIN) verbringt. Der Film löst aufgrund einer Nacktszene einen riesigen Skandal aus. Hilde ist wieder ganz unten. Sie geht zurück nach Hollywood, feiert Erfolge am Broadway und kehrt nach Deutschland zurück, wo sie 1959 den Bundesfilmpreis für die beste Nebenrolle (DER MANN, DER SICH VERKAUFTE) erhält. Wieder ziehen Schatten auf, nachdem ihre Beziehung zum dem noch verheirateten Schauspieler David Cameron publik wird. Und wieder arbeitet sie sich empor: Beginnt eine Karriere als gefeierte Sängerin. Hier schließt sich der Kreis, hier sind wir wieder beim Konzertabend 1966.

Die historischen Freiheiten, die man sich genommen hat, sind nicht besonders gravierend (so wurde FÜR MICH SOLLS ROTE ROSEN REGNEN, der wohl berühmteste Song Hildegard Knefs, erst 1968 geschrieben), und der Filmdramaturgie dienlich. Leider bleibt HILDE im Endeffekt aber viel zu konventionell und lässt uns zu wenig an seine Hauptfigur ran. Schuld daran ist das stellenweise etwas arg künstliche Drehbuch, das die Charaktere gestelzte Aussagen von sich geben lässt, die so vielleicht gefallen sein mögen, aber ins filmische Gesamtbild einfach nicht passen wollen.

Fazit:

HILDE macht vieles richtig, und einiges falsch – was am Ende übrig bleibt, ist die hervorragende Darstellung von Heike Makatsch. Für eine kleine Verbeugung vor einer großen Künstlerin reicht das vielleicht aus, ein Denkmal wurde Hildegard Knef damit aber nicht gesetzt.

Bewertung:

5/10 Punkte

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