Watchmen - Die Wächter

OT:  Watchmen   -  162 Minuten -  Comic / Action
Watchmen - Die Wächter
Kinostart: 06.03.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 05.05.2011
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Filmkritik zu Watchmen - Die Wächter

Von am

Come gather 'round people
Wherever you roam
And admit that the waters
Around you have grown
And accept it that soon
You'll be drenched to the bone.
If your time to you
Is worth savin'
Then you better start swimmin'
Or you'll sink like a stone
For the times they are a-changin'.
Bob Dylan – The Times They Are A-Changin’

Bob Dylan’s großartiger Song The Times They Are A-Changin’ ist es, der den Anfang zu DER Comicverfilmung des Jahres 2009 einläutet. Nachdem man die Ermordung des Comedian aus einer bisher unbekannten Perspektive sieht (denn der Comic zeigte weit weniger), beginnt die wunderbare Collage aus zeitgeschichtlichen Fragmenten, die uns langsam in die Welt des Films führt, und uns die alternative Realität von Alan Moore beibringt. Unterlegt wird diese grandiose (und das ohne jede Übertreibung) Titelsequenz eben von jenem Bob Dylan Song, der nicht nur das Leitmotiv für den Film Watchmen ist, sondern bezeichnend für das Genre im Allgemeinen steht.

Denn es ist noch nicht lange her, dass eine Comicverfilmung vor allem für Spaß stehen musste. Und zwar Spaß im Sinne von möglichst bequemes, kontroversfreies Entertainment. Knallbunte Filme waren angesagt, und sie eroberten den Kinomarkt im Sturm. Doch das Genre entwickelte sich weiter. Filme wie Sin City und Batman Begins brachten einen spürbar ernsteren Touch mit, und brachten einem bis dato eher glänzenden Genre Düsternis bei. Der vorläufige Höhepunkt dieser Tradition war letztes Jahr Christopher Nolan’s Meisterwerk The Dark Knight. Und nun folgt eben Watchmen, das Opus Magnum der Comicwelt, und ein neuerlicher Schritt in die Dunkelheit. Bob Dylan trifft es also genau: The Times They Are A-Changin’.

Wir schreiben das Jahr 1985: Durch einen Strahlenunfall wurde in den USA das gottähnliches Wesen, Dr. Manhattan (Billy Crudup), erschaffen. Dieser war lange Teil der so genannten Watchmen, die für Recht und Ordnung auf den Straßen sorgten, doch schließlich verboten wurden. Dr. Manhattan ist allerdings der einzige der Watchmen, der tatsächlich über Superkräfte verfügt, alle anderen können nur mit ihren Kampfkünsten und technischen Hilfsmittel überzeugen. Da die USA über die Superwaffe Dr. Manhattan verfügt, haben sie auch den Vietnamkrieg gewonnen, und Richard Nixon (Robert Wisden) tritt bereits seine dritte Amtszeit an.

Doch die Wolken der Welt verdunkeln sich. Der Comedian (Jeffrey Dean Morgan), einer der Watchmen, wurde ermordet. Der letzte aktive der Truppe, Rorschach (Jackie Earle Haley), übrigens ein handfester Soziopath, nimmt die Ermittlungen auf, und will herausfinden was dahinter steckt. Zunächst warnt er seine ehemaligen Kollegen, Dan Dreiberg (Patrick Wilson), Laurie Juspeczyk (Malin Akerman) und Adrian Veidt (Matthew Goode). Doch zusätzlich zu den Problemen des Falls gesellt sich die globale Bedrohung, denn scheinbar steht die UdSSR vor einem Atomschlag in Richtung Amerika, und nicht einmal Dr. Manhattan könnte bei einem flächendeckenden Angriff alle Bomben aufhalten. Ausserdem muss Rorschach bald schon feststellen, dass mehr hinter dem Mordanschlag an den Comedian steckt, als er es zunächst gedacht hat…

“The Superman Exists and He is American”

1986/87 erschien einer der wegweisendsten Comics, die je publiziert wurden: Watchmen. Geschrieben vom legendären Alan Moore (unter anderem verantwortlich für V wie Vendetta) und gezeichnet von Dave Gibbons, brachte es der Comic zu einem ungewöhnlichen Ruhm, und führte DC Comics zu einer zuvor nicht gekannten Kritikeranerkennung. Das Time Magazine wählte ihn gar als einzigen Comic in seine Top 100 Liste der einflussreichsten Romane. Natürlich ist die Vorlage auch unter Fans eine heilige Kuh, und so war sicher nicht jeder begeistert, als eine Verfilmung angekündigt wurde. Das wurde naturgemäß auch nicht besser, als Zack Snyder als Regisseur benannt wurde, nachdem im Vorfeld bereits Namen wie Terry Gilliam, Darren Aronofsky und Paul Greengrass gefallen sind.

Für Snyder bot sich aber natürlich eine riesige Chance an, denn mit Watchmen hat er die riesige Möglichkeit sich als talentierter Regisseur zu beweisen. Mit seinem Dawn of the Dead Remake ließ er bereits sein Talent aufblitzen, und servierte einen handwerklich stimmigen und unterhaltsamen Zombiefilm, seine spannend erwartete Adaption von Frank Millers 300 sorgte jedoch für sehr gespaltene Meinungen. Deshalb stellen sich wohl nicht wenige die Frage, wie er sich denn nun bei Watchmen geschlagen hat. Und es ist schön, dass es hier positives zu berichten gibt: Denn Snyder hat seinen Job sehr gut gemacht, und Watchmen ist qualitativ deutlich über 300 zu stellen (was man aber auch auf Grund der Vorlage erwarten konnte).

Denn wo es in 300 vor allem das Problem gab, dass der Film eigentlich eine einzige Actionsequenz war, und Snyder hart damit zu kämpfen hatte überhaupt so etwas wie eine Story unterzubekommen, und für Abwechslung zu sorgen (was ihm leider auch nicht gelungen ist), gilt nun für Watchmen eine genau umgekehrte Ausgangslage: Durch die äußerst storylastige Vorlage muss Snyder unglaublich viel an Geschichte und Hintergrundwissen unterbringen, dabei natürlich Kürzungen vornehmen, und auch noch versuchen einige Actionsequenzen standesgemäß hinzubekommen. Gut ist dabei, dass die Mischung eigentlich ganz gut gelungen ist, aber schlecht ist leider, dass der Film einige Zusammenhänge und Details nicht wirklich ausreichend abhandelt. Doch dazu später mehr.

Eine der schönsten Pluspunkte des Films ist nämlich das fantastische Universum, und die großartigen Charaktere, die Alan Moore für den Comic kreiert hat. Und Zack Snyder versteht es wunderbar diese Vorgaben aufzugreifen und umzusetzen. Speziell für den wunderbaren Vorspann hat er sich dabei auch einige neue Situationen einfallen lassen, die das Universum bereichern. Besonders amüsant ist hierbei der neue Blick auf die Kennedy-Ermordung, doch ich will hier nicht zuviel vorweg nehmen. Allgemein gesprochen hat es das Moore-typische totalitäre Ambiente wunderbar auf die Leinwand geschafft, und auch die Charaktere geben sich wie gewohnt großartig.

Snyder hat sich bei der Verfilmung aber, mit Ausnahme des Anfangs, beinahe ausschließlich darauf konzentriert den Comic möglichst der Vorlage entsprechend auf die Leinwand zu bringen. Das Problem ist nur, dass im Gegensatz zu ähnlichen Projekten wie Sin City oder 300, eine gänzliche Umsetzung des Comics einfach nicht möglich ist. So war es unumgänglich, dass man einige Ansätze streichen musste, viele Hintergrundinformationen weglassen musste, und schließlich einige kleine Lücken im Film sind, die den Fluss etwas unrunder als in der Vorlage werden lassen.

Dies ergibt eine interessante Situation: Denn es fällt schwer zu sagen, ob die Verfilmung nun eher etwas für Kenner der Vorlage, oder für Nichtkenner ist. Die zweite Gruppe hat sicher den Vorteil, dass der Film mehr Überraschungen bereit hält (irgendwie logisch), und dass die Unterschiede zur Vorlage nicht ins Gewicht fallen. Auf der anderen Seite haben Kenner der Vorlage allerdings deutlich mehr Hintergrundwissen, sodass sie vielleicht besser mit der Umsetzung klarkommen. Denn es könnte durchaus sein, dass jemand der den Comic nicht kennt, einige Zusammenhänge nicht vollständig durchschaut, und somit vielleicht so manches nicht in dem Maße versteht wie Kenner der Vorlage. Dies ist aber nur mein Gedanke, denn da ich den Comic kenne, kann ich nur Vermutungen anstellen, wie der Film für jemanden wirkt, der ihn nicht kennt.

Auch erreicht die Verfilmung nicht die Tiefe der Vorlage, sodass sich das Universum nicht ganz so detailreich und verzweigt wie in der Vorlage gibt. Schade ist dies, da sich Watchmen trotz einer Laufzeit von 162 Minuten unglaublich kurzweilig anfühlt, und es somit nicht geschadet hätte, wenn man einiges mehr in den Film gepackt hätte. Man kann sich aber auch schon auf die Zukunft freuen: Denn Zack Snyder hat bereits zwei erweiterte Fassungen für die DVD angekündigt. Einen Director’s Cut und eine Fassung, die sogar den Comic im Comic, The Tales of the Black Freighter enthält. Somit wird Watchmen in seiner längsten Form angeblich 3 Stunden und 25 Minuten lang werden, was dem Film deutlich zu gute kommen könnte, und ich kann mir durchaus vorstellen, dass die längste Version des Films von mir einen Punkt mehr bekommt.

Denn abgesehen davon, dass der Film zu kurz ist, und dass er sich aus diesem Grund im letzten Drittel etwas zu überhastet anfühlt, ist Watchmen ein wirklich großartiger Film geworden. Zack Snyder beweist ein außergewöhnliches visuelles Gespür, und schafft es plastische Bilder zu erschaffen, die mit enormer Wucht von der Leinwand scheinen. Zusätzlich erzeugt er durch eine fabelhafte Musikauswahl einige beeindruckende Szenen mit Gänsehautgarantie. Besonders erwähnenswert ist hier die bereits erwähnte Eröffnungsszene, unterlegt mit Bob Dylan’s „The Times They Are A-Changin’“, die Beerdigung des Comedian, unterlegt mit „The Sound of Silence“, die Vorbereitung für den Showdown, unterlegt mit der Jimi Hendrix Version von Bob Dylan’s „All Along the Watchtower“, eine wunderbare Liebsszene unterlegt mit "Halleluja" von Leonard Cohen oder auch der kurze Einsatz von "99 Luftballons". Etwas missglückt ist allerdings der Abspannsong, von My Chemical Romance, die sich an einem Cover von "Desolation Row" versuchen. Nur leider ist der Song (ganz im Gegensatz zum meisterhaften Original von Bob Dylan) einfach nur eine Qual.

Atmosphärisch gibt sich Watchmen insgesamt wirklich sehr gut. Dazu tragen natürlich die fabelhaften Bilder des Films und, wie bereits erwähnt, die Musik bei, aber vor allem können sich die Filmemacher natürlich bei Alan Moore für seinen meisterhaften Entwurf eines Paralleluniversums bedanken, das nichts von seiner Brisanz und seiner Qualität eingebüßt hat. Politsche Unruhen, globale Paranoia durch den Kalten Krieg, und die fast zu spürende Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Dazu natürlich auch noch der hochinteressante Charakter des Comedian, angelegt als Parodie auf alles was falsch läuft in der Welt, und ein lupenreiner Antiheld wie Rorschach, den man selbst als Bösewicht besetzen könnte. All dies ist höchst untypisch für einen „Superheldenfilm“, und genau diese Tatsache macht Watchmen zu etwas so Besonderem.

Hier gibt es keinen Helden, der die Menschen rettet, es gibt eine Gruppe von Vigilanten, die das Gesetz in die eigene Hand genommen haben. Das wunderbar zynische an Watchmen, das einen köstlichen Seitenhieb auf Superheldengeschichten im Allgemeinen abgibt, ist dass die maskierten Helden hier keinenfalls gefeiert werden. Stattdessen gibt es Demonstrationen auf der Straße, die sich gegen die selbsternannten Retter richten. Die Leute wollen keine Selbstjustiz, sie wollen einen funktionierenden Polizeiapparat. Über all dem steht natürlich der allmächtige Dr. Manhattan, der Amerika dabei geholfen hat die Geschichte zu ändern.


Dies führt uns gleich weiter zur nächsten großen Stärke von Watchmen: Dem interessanten Entwurf eines Paralleluniversums, das sich durch verschiedene Ereignisse (beeinflusst durch Dr. Manhattan) von unserem Universum wegbewegt hat. Das einschneidenste dieser Ereignisse war sicherlich der Vietnamkrieg, den die USA nun gewonnen hat, und folgedessen die totale Dominanz für einen in Wirklichkeit gescheiterten Richard Nixon, der sich in Watchmen das Präsidentenamt bereits zum dritten Mal gesichert hat. Zack Snyder versteht es gekonnt diese Welt zu portraitieren und sie auf die Leinwand zu bringen. In Szenen, wie dem Vietnamangriff während des Sonnenuntergangs, unterlegt mit dem „Ritt der Walküren“, oder einer War Room Sequenz, die deutlich an einen gewissen Stanley Kubrick Film erinnert, hat Snyder auch noch einige nette Hommagen an die Filmgeschichte eingebaut.

Da sich auch die Schauspieler durch die Bank von ihrer besten Seite zeigen, kann man wohl wirklich sagen, dass Zack Snyder Watchmen wohl so gut verfilmt hat, wie es eben möglich ist. Auf handwerklicher, darstellerischer und atmosphärischer Ebene ist der Film genauso großartig, wie es die Story nun einmal auch ist. Aber der Film ist eben leider zu kurz um alle wichtigen Hintergrundinfos, Verzweigungen und Details der Vorlage unterzubringen. Selbstverständlich ist dies ein bekanntes Problem, aber leider wirkt es sich in Watchmen etwas auf den runden Fluss der Geschichte aus, und speziell das letzte Drittel erreicht nicht die Kraft der Vorlage. Das Ende selbst wurde zwar auch abgeändert, aber dies kann man durchaus verschmerzen, da der Spirit der Vorlage erhalten geblieben ist. Nur bewirken eben einige Kürzungen und der etwas zu hektische Schluss, dass Watchmen nicht seine volle Kraft entfaltet. Doch da ansonsten eigentlich alles stimmt, bin ich mir fast sicher, dass der angekündigte Director’s Cut noch einen Punkt mehr bekommen wird.

Fazit:
Zack Snyder beweist mit seiner Verfilmung des wegweisenden Watchmen erneut viel visuelles Gespür, aber er zeigt sicht auch treu gegenüber der Vorlage, und kreiert ein atmosphärisch unglaublich dichtes Werk, das auf vielen Ebenen herausragend funktioniert. Unterstützt durch einen fabelhaften Soundtrack und starke Darsteller, ist die Verfilmung wohl so gut wie es möglich war. Das einzige Problem ist, dass der Film nicht die Tiefe der Vorlage erreicht, und insgesamt trotz 162 Minuten zu kurz geworden ist. Dies führt dazu, dass speziell das letzte Drittel recht schnell, hektisch und unrund abgespult wird, und deshalb nicht die selbe Wirkung wie in der Vorlage erzielt. Aber ich bin mir auch fast sicher, dass der Director’s Cut diese Schwächen beheben wird, und ich rechne auch damit, dass sich dieser noch einen Punkt mehr verdient. Denn das einzige Problem von Watchmen bleibt seine Länge, weil sie zu kurz für die Komplexität der Vorlage ist, aber ansonsten überzeugt der Film durchgehend. Übrigens: Man muss sich keine Sorgen machen, dass die Umsetzung zu „lasch“ geworden ist, denn die Brutalität hat es wirklich in sich.

Wertung:

8/10 Punkte

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