![]() ![]() Watchmen - Die Wächter OT: Watchmen Regie: Zack Snyder Drehbuch: David Hayter, Alex Tse Filmstart: 06.03.2009 | Laufzeit: | Comic-Action |
Wherever you roam
And admit that the waters
Around you have grown
And accept it that soon
You'll be drenched to the bone.
If your time to you
Is worth savin'
Then you better start swimmin'
Or you'll sink like a stone
For the times they are a-changin'.
Bob Dylan – The Times They Are A-Changin’
Denn es ist noch nicht lange her, dass eine Comicverfilmung vor allem für Spaß stehen musste. Und zwar Spaß im Sinne von möglichst bequemes, kontroversfreies Entertainment. Knallbunte Filme waren angesagt, und sie eroberten den Kinomarkt im Sturm. Doch das Genre entwickelte sich weiter. Filme wie Sin City und Batman Begins brachten einen spürbar ernsteren Touch mit, und brachten einem bis dato eher glänzenden Genre Düsternis bei. Der vorläufige Höhepunkt dieser Tradition war letztes Jahr Christopher Nolan’s Meisterwerk The Dark Knight. Und nun folgt eben Watchmen, das Opus Magnum der Comicwelt, und ein neuerlicher Schritt in die Dunkelheit. Bob Dylan trifft es also genau: The Times They Are A-Changin’.
Wir schreiben das Jahr 1985: Durch einen Strahlenunfall wurde in den USA das gottähnliches Wesen, Dr. Manhattan (Billy Crudup), erschaffen. Dieser war lange Teil der so genannten Watchmen, die für Recht und Ordnung auf den Straßen sorgten, doch schließlich verboten wurden. Dr. Manhattan ist allerdings der einzige der Watchmen, der tatsächlich über Superkräfte verfügt, alle anderen können nur mit ihren Kampfkünsten und technischen Hilfsmittel überzeugen. Da die USA über die Superwaffe Dr. Manhattan verfügt, haben sie auch den Vietnamkrieg gewonnen, und Richard Nixon (Robert Wisden) tritt bereits seine dritte Amtszeit an.
“The Superman Exists and He is American”
1986/87 erschien einer der wegweisendsten Comics, die je publiziert wurden: Watchmen. Geschrieben vom legendären Alan Moore (unter anderem verantwortlich für V wie Vendetta) und gezeichnet von Dave Gibbons, brachte es der Comic zu einem ungewöhnlichen Ruhm, und führte DC Comics zu einer zuvor nicht gekannten Kritikeranerkennung. Das Time Magazine wählte ihn gar als einzigen Comic in seine Top 100 Liste der einflussreichsten Romane. Natürlich ist die Vorlage auch unter Fans eine heilige Kuh, und so war sicher nicht jeder begeistert, als eine Verfilmung angekündigt wurde. Das wurde naturgemäß auch nicht besser, als Zack Snyder als Regisseur benannt wurde, nachdem im Vorfeld bereits Namen wie Terry Gilliam, Darren Aronofsky und Paul Greengrass gefallen sind.
Für Snyder bot sich aber natürlich eine riesige Chance an, denn mit Watchmen hat er die riesige Möglichkeit sich als talentierter Regisseur zu beweisen. Mit seinem Dawn of the Dead Remake ließ er bereits sein Talent aufblitzen, und servierte einen handwerklich stimmigen und unterhaltsamen Zombiefilm, seine spannend erwartete Adaption von Frank Millers 300 sorgte jedoch für sehr gespaltene Meinungen. Deshalb stellen sich wohl nicht wenige die Frage, wie er sich denn nun bei Watchmen geschlagen hat. Und es ist schön, dass es hier positives zu berichten gibt: Denn Snyder hat seinen Job sehr gut gemacht, und Watchmen ist qualitativ deutlich über 300 zu stellen (was man aber auch auf Grund der Vorlage erwarten konnte).
Eine der schönsten Pluspunkte des Films ist nämlich das fantastische Universum, und die großartigen Charaktere, die Alan Moore für den Comic kreiert hat. Und Zack Snyder versteht es wunderbar diese Vorgaben aufzugreifen und umzusetzen. Speziell für den wunderbaren Vorspann hat er sich dabei auch einige neue Situationen einfallen lassen, die das Universum bereichern. Besonders amüsant ist hierbei der neue Blick auf die Kennedy-Ermordung, doch ich will hier nicht zuviel vorweg nehmen. Allgemein gesprochen hat es das Moore-typische totalitäre Ambiente wunderbar auf die Leinwand geschafft, und auch die Charaktere geben sich wie gewohnt großartig.
Snyder hat sich bei der Verfilmung aber, mit Ausnahme des Anfangs, beinahe ausschließlich darauf konzentriert den Comic möglichst der Vorlage entsprechend auf die Leinwand zu bringen. Das Problem ist nur, dass im Gegensatz zu ähnlichen Projekten wie Sin City oder 300, eine gänzliche Umsetzung des Comics einfach nicht möglich ist. So war es unumgänglich, dass man einige Ansätze streichen musste, viele Hintergrundinformationen weglassen musste, und schließlich einige kleine Lücken im Film sind, die den Fluss etwas unrunder als in der Vorlage werden lassen.
Auch erreicht die Verfilmung nicht die Tiefe der Vorlage, sodass sich das Universum nicht ganz so detailreich und verzweigt wie in der Vorlage gibt. Schade ist dies, da sich Watchmen trotz einer Laufzeit von 162 Minuten unglaublich kurzweilig anfühlt, und es somit nicht geschadet hätte, wenn man einiges mehr in den Film gepackt hätte. Man kann sich aber auch schon auf die Zukunft freuen: Denn Zack Snyder hat bereits zwei erweiterte Fassungen für die DVD angekündigt. Einen Director’s Cut und eine Fassung, die sogar den Comic im Comic, The Tales of the Black Freighter enthält. Somit wird Watchmen in seiner längsten Form angeblich 3 Stunden und 25 Minuten lang werden, was dem Film deutlich zu gute kommen könnte, und ich kann mir durchaus vorstellen, dass die längste Version des Films von mir einen Punkt mehr bekommt.
Denn abgesehen davon, dass der Film zu kurz ist, und dass er sich aus diesem Grund im letzten Drittel etwas zu überhastet anfühlt, ist Watchmen ein wirklich großartiger Film geworden. Zack Snyder beweist ein außergewöhnliches visuelles Gespür, und schafft es plastische Bilder zu erschaffen, die mit enormer Wucht von der Leinwand scheinen. Zusätzlich erzeugt er durch eine fabelhafte Musikauswahl einige beeindruckende Szenen mit Gänsehautgarantie. Besonders erwähnenswert ist hier die bereits erwähnte Eröffnungsszene, unterlegt mit Bob Dylan’s „The Times They Are A-Changin’“, die Beerdigung des Comedian, unterlegt mit „The Sound of Silence“, die Vorbereitung für den Showdown, unterlegt mit der Jimi Hendrix Version von Bob Dylan’s „All Along the Watchtower“, eine wunderbare Liebsszene unterlegt mit "Halleluja" von Leonard Cohen oder auch der kurze Einsatz von "99 Luftballons". Etwas missglückt ist allerdings der Abspannsong, von My Chemical Romance, die sich an einem Cover von "Desolation Row" versuchen. Nur leider ist der Song (ganz im Gegensatz zum meisterhaften Original von Bob Dylan) einfach nur eine Qual.
Hier gibt es keinen Helden, der die Menschen rettet, es gibt eine Gruppe von Vigilanten, die das Gesetz in die eigene Hand genommen haben. Das wunderbar zynische an Watchmen, das einen köstlichen Seitenhieb auf Superheldengeschichten im Allgemeinen abgibt, ist dass die maskierten Helden hier keinenfalls gefeiert werden. Stattdessen gibt es Demonstrationen auf der Straße, die sich gegen die selbsternannten Retter richten. Die Leute wollen keine Selbstjustiz, sie wollen einen funktionierenden Polizeiapparat. Über all dem steht natürlich der allmächtige Dr. Manhattan, der Amerika dabei geholfen hat die Geschichte zu ändern.
Dies führt uns gleich weiter zur nächsten großen Stärke von Watchmen: Dem interessanten Entwurf eines Paralleluniversums, das sich durch verschiedene Ereignisse (beeinflusst durch Dr. Manhattan) von unserem Universum wegbewegt hat. Das einschneidenste dieser Ereignisse war sicherlich der Vietnamkrieg, den die USA nun gewonnen hat, und folgedessen die totale Dominanz für einen in Wirklichkeit gescheiterten Richard Nixon, der sich in Watchmen das Präsidentenamt bereits zum dritten Mal gesichert hat. Zack Snyder versteht es gekonnt diese Welt zu portraitieren und sie auf die Leinwand zu bringen. In Szenen, wie dem Vietnamangriff während des Sonnenuntergangs, unterlegt mit dem „Ritt der Walküren“, oder einer War Room Sequenz, die deutlich an einen gewissen Stanley Kubrick Film erinnert, hat Snyder auch noch einige nette Hommagen an die Filmgeschichte eingebaut.
Fazit:
Zack Snyder beweist mit seiner Verfilmung des wegweisenden Watchmen erneut viel visuelles Gespür, aber er zeigt sicht auch treu gegenüber der Vorlage, und kreiert ein atmosphärisch unglaublich dichtes Werk, das auf vielen Ebenen herausragend funktioniert. Unterstützt durch einen fabelhaften Soundtrack und starke Darsteller, ist die Verfilmung wohl so gut wie es möglich war. Das einzige Problem ist, dass der Film nicht die Tiefe der Vorlage erreicht, und insgesamt trotz 162 Minuten zu kurz geworden ist. Dies führt dazu, dass speziell das letzte Drittel recht schnell, hektisch und unrund abgespult wird, und deshalb nicht die selbe Wirkung wie in der Vorlage erzielt. Aber ich bin mir auch fast sicher, dass der Director’s Cut diese Schwächen beheben wird, und ich rechne auch damit, dass sich dieser noch einen Punkt mehr verdient. Denn das einzige Problem von Watchmen bleibt seine Länge, weil sie zu kurz für die Komplexität der Vorlage ist, aber ansonsten überzeugt der Film durchgehend. Übrigens: Man muss sich keine Sorgen machen, dass die Umsetzung zu „lasch“ geworden ist, denn die Brutalität hat es wirklich in sich.
Wertung:
8/10 Punkte

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