Tödliches Kommando - The Hurt Locker (2008)

OT: The Hurt Locker - 130 Minuten - Action / Drama
Tödliches Kommando - The Hurt Locker (2008)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Tödliches Kommando - The Hurt Locker

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War is a drug.

 

Kathryn Bigelow, eine der wenigen weiblichen Regisseure, die für adrenalingeladenes Männerkino sorgen kann, ist wieder zurück in der Filmlandschaft. Ihr neustes Werk The Hurt Locker ist dabei allerdings nicht unbedingt ein konventioneller Irakkriegsfilm. Auf erfrischende Weise lässt sie jeden Patriotismus zu Hause, punktet mit dynamischem Körperkino, lässt aber dennoch nicht einen gewissen Anspruch vermissen, wenn es um das Ausarbeiten der Hauptfigur geht. Tatsächlich war diese ungewohnte Mischung auch ein gern gesehener Gast in der diesjährigen Festivalsaison.

Die Explosive Ordinace Disposal Truppe der US-Armee hat einen Job, der wahrlich kein Zuckerschlecken ist. Mitten im Kriegsgebiet ist es ihre Aufgabe Bomben zu entschärfen, und wenn es der ferngesteuerte Roboter nicht packt, dann müssen sie eben selbst in die Todeszone. Wenige Wochen, bevor die Kompanie abzieht, stirbt ein Teamleader (Guy Pearce) bei einem dieser Einsätze. Nun müssen sich Sergeant Sanborn (Anthony Mackie) und Specialist Eldrige (Brian Geraghty) mit einem neuen Boss anfreunden: William James (Jeremy Renner), ein absoluter Profi auf seinem Gebiet, aber eben auch ein Junkie des Krieges…

War is a drug ist eine der Taglines zu The Hurt Locker, und bringt den Film auch schon gut auf den Punkt. Denn die Geschichte dreht sich voll und ganz um diese ominösen Gestalten die sich freiwillig zum Kriegseinsatz melden. Natürlich muss man dabei differenzieren, und verschiedene Menschen haben verschiedene Hintergründe, das ist klar. Aber man kann auch nicht bestreiten, dass es mit Sicherheit eine kleine Gruppe Verrückter gibt, die den Krieg als Adrenalinbombe sehen, und sich mit Haut und Haaren hineinstürzen.

Die Hauptfigur in The Hurt Locker ist einer dieser „Verrückten“. Man darf sich dabei aber nicht von einigen wenigen großen Namen blenden lassen. Große Schauspieler wie Guy Pearce, Ralph Fiennes, David Morse und auch Evangeline Lilly (bekannt aus dem TV-Phänomen Lost), haben nur eine verschwindet geringe Screen-Time, und verschwinden nach kurzen Auftritten wieder relativ schnell aus dem Geschehen. Der Hauptdarsteller bleibt Jeremy Renner (bekannt aus 28 Weeks Later), und dieser schafft es auch sehr gut den Zuseher an das Geschehen zu binden.

Denn obwohl Renner die Rolle eines Junkies spielt, dessen Droge der Krieg ist, und der sich immer wieder ins Geschehen stürzen muss, bringt er auch genügend Charisma mit um dem Zuseher immer sympathisch zu bleiben. Gut, das Motiv der zuhause gebliebenen Frau mit Baby hätte man sich auch sparen können, doch daran soll es nicht scheitern. Denn im Zentrum von The Hurt Locker steht ein Mann, der alles hinter sich lässt nur um immer wieder den Kick beim Entschärfen von Bomben zu erleben. Kathryn Bigelow ist es dabei gelungen den Entschärfungsszenen genügend Spannung mitzugeben, und somit baut der Film in diesen Szenen auch eine gute Atmosphäre auf.

The Hurt Locker ist dabei natürlich vor allem Körperkino vom Feinsten. Kathryn Bigelow stürzt sich förmlich auf die zutiefst „männlichen“ Charaktere, die sie großteils mit einem raubeinigen Revierverhalten segnet. Man könnte natürlich anmerken, dass sie dabei vielleicht etwas zu klischeehaft vorgegangen ist, aber in einer Organisation wie dem Militär kann man es auch verzeihen. The Hurt Locker zeigt dabei vor allem Reibereien in der Gruppe, Hierachiekämpfe der Soldaten und natürlich auch kleinere Beleidigungen. Das alles bildet im gesamten schon ein relativ machohaftes Bild, aber ich glaube das wollte der Film auch erreichen.

Dass sich The Hurt Locker dabei nicht unbedingt patriotisch zeigt, ist wohl vor allem dem Drehbuch von Mark Boal zu verdanken, der ja bereits die Geschichte verfasste, die Paul Haggis für seinen Im Tal von Elah als Vorlage nutzte. The Hurt Locker ist aber ein vergleichsweise „unpolitischer“ Film geworden, der sich weniger um den Irakkrieg, als um die Psyche der Soldaten dreht. Mark Boal fehlt aber leider letztendlich noch etwas Erfahrung als Drehbuchautor, sodass The Hurt Locker auf dramaturgischer Ebene doch etwas schwächelt.

Doch dies ist auch der einzige wirkliche Schwachpunkt den sich The Hurt Locker leistet. Kompensiert wird dies mehr als eindrucksvoll durch die epochale Inszenierung von Kathryn Bigelow. Natürlich kann man argumentieren, dass sich The Hurt Locker in gewisser Weise wiederholt, doch dieses Argument ist insofern hinfällig, da es der Film großartig schafft Spannung aufzubauen, die für Gänsehautgarantie sorgt. Mancheiner mag sich auch über die arg klischeehafte und machohafte Charakterzeichnung aufregen, aber diese passt perfekt zur raubeinigen und adrenalingeladenen Story. Insgesamt lässt The Hurt Locker also seine Schwächen mühelos hinter sich und schafft es auf ganzer Linie zu begeistern. War is a drug, ist das Thema des Films, und The Hurt Locker schafft es uns großartig in den Geist dieser Kriegsjunkies blicken zu lassen. Das Ende fügt sich da nur logisch in den Fluss ein und liefert ein perfektes Abschlussstatement zu diesem großartigen Film. Ein Pflichttermin.

Fazit:
Mit ihrem neuesten Film stürzt sich Kathryn Bigelow in die Psyche von Kriegsjunkies, die den Krieg als Adrenalinkick missbrauchen. Dabei schafft sie es vor allem großartig für Spannung zu sorgen, und auch wenn man argumentieren kann, dass sich manche Szenen wiederholen, bzw. andere Szenen (z.B. die Suche nach dem Jungen) nicht so wirklich in den Fluss passen, hält The Hurt Locker doch durchwegs ein hohes Spannungslevel, und schafft es zu fesseln. Ein Film der süchtig macht, und der den Zuseher förmlich auffrisst. Sehr empfehlenswert.

Wertung:

9/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 8.1/10 | Kritiken: 6 | Wertungen: 58
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