Rachels Hochzeit

OT:  Rachel Getting Married   -  116 Minuten -  Drama
Rachels Hochzeit
Kinostart: 03.04.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Rachels Hochzeit

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Es gibt Filmemacher, die sich weitgehend auf ein Genre spezialisieren, und in diesem eine Art Handschrift entwickeln. Es gibt aber auch Filmemacher die so dermaßen kreuz und quer durch die verschiedensten Genres hüpfen, dass man sie nie festmachen kann, und sodass sie immer wieder überraschen. Jonathan Demme, der für Das Schweigen der Lämmer mit dem Oscar als Bester Regisseur ausgezeichnet wurde, und dessen Philadelphia Tom Hanks seinen ersten Oscar einbrachte, gehört mit Sicherheit in die zweite Kategorie. Und mit Rachels Hochzeit hat er erneut ein kleines Filmwunder erschaffen, das sich nur schwer erklären lässt.

Kym Buchman (Anne Hathaway) ist drogensüchtig, und verbringt ihre Zeit in einer Entzugsklinik. Doch da ihre Schwester Rachel (Rosemarie DeWitt) heiratet, darf sie die Klinik für zwei Tage verlassen, und an der Feier teilnehmen. Die Hochzeit findet auf dem Grundstück ihrer Eltern statt, und für Kym ist es gewissermaßen auch eine Reise in ihre Vergangenheit. Sie muss sich wieder mit ihrer Familie auseinandersetzen, und zusätzlich ist das Haus gerade voller Gäste. Musik spielt, Menschen amüsieren sich, und dazwischen blitzt immer die dunkle Vergangenheit hervor, aber auch ein kleines Stück Familienliebe ist immer spürbar…

Rachels Hochzeit ist schon ein ganz besonderer Film, der sich nur wenig um die Regeln des Hollywoodkinos schert. Eine klassische Story, die von der Entwicklung einer Figur handelt, ist nicht wirklich vorhanden. Stattdessen bietet der Film einen Statusbericht über das Leben einiger Charaktere, gewährt kleine Einblicke in ihre Existenz, lässt dem Zuseher aber auch genügend Raum um die Geschichte selbst weiterzuspinnen. Vielleicht war diese ungewöhnliche Geschichte auch gerade das, was Regisseur Jonathan Demme so am Drehbuch von Jenny Lumet (eine Tochter von Sidney Lumet) gereizt hat.

Rachels Hochzeit, der wohl auch etwas von Das Fest inspiriert wurde, gibt sich stilistisch dabei etwas wie ein Home Video. Die Bilder wirken weniger wie inszenierte Szenen, die man sich jetzt statisch ansieht, sondern entwickeln ihre eigene Dynamik und lassen den Zuseher in die Position eines „aktiven Beobachters“ rutschen. Man fühlt sich als Teil der Szene, die Kamera erreicht eine ganz besondere Agilität und der Film fühlt sich dadurch sehr erfrischend und belebt an. Am Ende hat man dann fast den Eindruck, als wäre man gerade selbst Teil der Hochzeit gewesen.

Das Herrliche an Rachels Hochzeit ist, dass man als Zuseher quasi völlig ohne Vorkenntnisse zur Familie stößt, und dann mit ansehen kann, wie langsam die Wunden der Vergangenheit aufbrechen. Teilweise ergeben sich so ganz direkte Einblicke in die dunklen Kapitel der Familie, teilweise muss man aber auch seine eigenen Schlüsse ziehen, und die Geschichte selbst weiterspinnen. Demme gelingt so ein wunderbarer Blick auf die amerikanische Gesellschaft, die oftmals von Außen deutlich reiner wirkt, als bei einem gründlichen Blick nach Innen. Ähnlich wie es ja bereits David Lynch in Blue Velvet machte, aber eben auf andere Art und Weise.

Durch die lockere Kameraführung ergeben sich auch einige wunderbare Szenen, die an sich nichts Spektakuläres sind. So zum Beispiel einige kleine Ansprachen auf die Braut, oder ein Wettkampf, wer schneller den Geschirrspüler einräumen kann. Wirklich stark sind auch die Szenen in denen sich die Familienmitglieder streiten, da sie ganz unscheinbar auftauchen, aber einen starken Nachdruck hinterlassen. Oder einfach die verschiedenen Musikszenen, die den Film auflockern und bereichern. Leider haben sich auch einige Längen in den Film geschlichen, was aber wohl bei einer solchen Stilistik nicht anders geht. Denn wie es nun einmal bei einer Hochzeit ist, ist nicht alles interessant, und manchmal langweilt man sich als Zuseher ein bisschen. Der Vorteil ist dabei natürlich, dass sich die starken Szenen logisch aus der Geschichte ergeben und deshalb noch besser wirken.

Ganz besonders eindrucksvoll, und vor allem überraschend, ist die hervorragende Darbietung einer Anne Hathaway, die sich wie aus dem nichts zu einer vollkommen verdienten Oscarnominierung spielte. Bereits in ihren seichteren Rollen konnte sie ja schon mit einer gewissen Natürlichkeit und vor allem mit ihrem Charme punkten, aber hier zeigt sie, dass sie auch für Charakterrollen geeignet ist. Mit blassem Teint, einem zögerlichen und gebrechlichen Lächeln, und natürlich mit einer Zigarette im Mundwinkel, schafft sie die Transformation in die Rolle, und berührt den Zuseher mit ihrer intensiven Darbietung. Alle anderen Darsteller agieren zwar auch sehr gut, aber gegen die fesselnde Performance von Hathaway bleiben sie leider etwas blass.

Fazit:
Jonathan Demme’s neuster Streich Rachels Hochhzeit verzaubert mit ungewohnten Zutaten. Aufgebaut als Home Video zieht uns der Film direkt in die Hochzeitsgesellschaft und lässt uns am Familienleben teilnehmen. Dabei eröffnen sich sowohl dunkle Abgründe, als auch Hoffnungsschimmer, und besonders dank der imponierenden Anne Hathaway schafft es der Film zu verzaubern. Leider verhindern einige kleine Durchhänger eine noch höhere Wertung, die ich dem Film eigentlich gerne gegeben hätte. Doch das ist Haarspalterei – denn Rachels Hochzeit sollten sich Freunde von etwas anderen Filmen auf keinen Fall entgehen lassen.

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.5/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 4
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