Der Knochenmann

OT:  Der Knochenmann   -  126 Minuten -  Krimi / Groteske 
Der Knochenmann
Kinostart: 06.03.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Der Knochenmann

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Muss man einen Mann wie Josef Hader eigentlich auf einer österreichischen Internetseite noch vorstellen? Er ist mit Sicherheit einer der besten Kabarettisten des Landes und macht auch im Theater und im Kino immer eine gute Figur. Nun ist er also wieder zurück, in der Rolle des kultigen Simon Brenner, und zeigt sich erneut von seiner besten Seite. Ach ja: Der Film selbst ist auch auf internationalem Topniveau und sollte auf keinen Fall ausgelassen werden. Denn Der Knochenmann ist nicht nur österreichisches Kino vom Feinsten, sondern auch ein verdammt guter Genremix, der auf allen Ebenen überzeugt.

Simon Brenner (Josef Hader) hat mal wieder einen neuen Job: Für die Leasingfirma seines Freundes Berti (Simon Schwarz) treibt er die ausstehenden Raten ein. Sein nächster Auftrag führt ihn auf die Fährte eines gewissen Horvath. Die einzige Spur führt in die Steiermark, zum Gasthof „Löschenkohl“. Dort findet Brenner zwar Horvath’s Auto, aber von ihm selbst fehlt jede Spur. Auch der Wirt (Josef Bierbichler) erweckt einen mysteriösen Eindruck. Brenner wird somit in eine abgründige Geschichte gezogen, und verliebt sich zusätzlich auch noch in Gitti (Birgit Minichmayr), die Frau von Löschenkohl’s Sohn Pauli (Christoph Luser). Und wer ist eigentlich der Russe, der dauernd vom Wirt Geld bekommt?

Da ist er endlich, der dritte Teil im Bunde der kongenialen Wolf Haas Verfilmungen. Das Team rund um Regisseur Wolfgang Murnberger, Autor Wolf Haas und Hauptdarsteller Josef Hader hat nach den großartigen Adaptionen Komm, süßer Tod und Silentium einen weiteren Geniestreich abgeliefert. Nachdem man im ersten Teil noch das urbane Wien unsicher machte, und sich im zweiten Teil ins religiöse Salzburg aufmachte, steht nun der nächste Schritt auf dem Programm. Und dieser führt in die Steiermark, rein in die tiefste Provinz.

Brenner selbst hat sich vom Krankenwagenfahrer und Privatdetektiv zu einem Rateneintreiber gewandelt. Der Ex-Polizist hat dabei aber trotz Love-Story nichts von seinem raubeinigen Charme verloren. Hader ist natürlich dabei der personifizierte Brenner, und überzeugt einmal mehr als leicht chaotischer „Ermittler“ der trotz dem Fehlen von Ambitionen am Ende irgendwie doch alles auf die Reihe bekommt. Eben wie ein mürrischer Columbo.

Der Knochenmann geizt dabei nicht mit derben Szenen, und so fällt die Genrebestimmung auch etwas schwieriger als bei den Vorgängern. Die Krimihandlung dominiert lediglich zu Beginn den Film, über weite Strecken hat der Film Züge eines Dramas (was vor allem der wunderbar ausgearbeiteten Geschichte zu verdanken ist), natürlich ist auch eine gewaltige Prise Komödie im Film, aber auch Anleihen eines  Horrorfilms haben sich eingeschlichen. Das Besondere ist aber, dass sich der Film dabei nicht etwa bemüht durch die verschiedenen Genre handelt, sondern tatsächlich bedächtig zwischen ihnen herumspringt, und dabei immer die Balance wahrt.

Wie bereits angedeutet ist dies vor allem dem fabelhaften Drehbuch zu verdanken. Denn die verschiedenen Genres werden nicht etwas mit aller Gewalt in den Film gepresst, sondern ergeben sich einfach logisch aus dem Fluss der Geschichte. So ist der „Bösewicht“ des Films nicht wirklich böse, im Gegenteil, denn über weite Teile des Films wirkt er sogar außerordentlich sympathisch, sondern er ist einfach ein Produkt der Story. Zu Beginn trifft er aus guten Absichten eine Entscheidung, und gerät dadurch immer weiter in eine Gewaltspirale, aus der es kein Entkommen gibt.

So verhält es sich auch mit den komödiantischen Seiten des "Knochenmanns". Denn es ist hier nicht so, wie in vielen amerikanischen Produktionen, dass der ganze Film nur auf den nächsten Gag ausgerichtet ist. Stattdessen ergeben sich die zum Brüllen komischen Situationen einfach aus der Geschichte heraus, und man nimmt es den Figuren wirklich ab, dass sie sich jetzt so verhalten. Herrlich ist dabei auch, dass der Film wirklich vollgestopft ist mit durchgeknallten Charakteren, die für absurd-komische Situationen am Fließband sorgen. Und es ist keinesfalls widersprüchlich, dass die Figuren völlig durchgeknallt und gleichzeitig glaubwürdig sind. Denn Der Knochenmann wahrt so geschickt die Balance, dass man ihm alle Situationen problemlos glaubt.

Grandios ist auch die Atmosphäre, die zu einem wesentlichen Teil dazu beiträgt, dass der Film so großartig ist. Zum einen wurde die abgelegene Stimmung in der Steiermark wunderbar eingefangen, was zu einem gewissen „einsame Insel“ Flair führt. Das Feeling ist schön österreichisch und prägt den Film maßgeblich. Zusätzlich schafft es Der Knochenmann auch noch fabelhaft seine Genreszenen wunderbar zu schaukeln. Egal ob Horroreinschläge, oder blanke Komödie, alles sitzt perfekt und schafft es gekonnt den Zuseher in seinen Bann zu ziehen.

Durch die Bank großartig zeigen sich auch die Darsteller. Josef Hader brilliert erneut in seiner Paraderolle und harmoniert sehr gut mit seiner weiblichen Partnerin Birgit Minichmayr. Die Chemie zwischen den beiden stimmt einfach, und noch dazu geht der Film auch sehr gut mit der Liebesgeschichte um. Doch das wahre schauspielerische Glanzstück bleibt Josef Bierbichler, der seine Kollegen fast an die Wand spielt. Eigentlich ist er so etwas wie der „Bösewicht“, doch über weite Strecken wächst er dem Zuseher einfach ans Herz, und erst wenn es am Ende richtig ans Eingemachte geht, beginnt er die Sympathien wieder zu verlieren. Doch Bierbichler meistert alle Situationen vorbildlich, und prägt den Film maßgeblich.

Für Fans des eher schwarzen, abgründigen Humors sollte Der Knochenmann also ein absoluter Pflichttermin sein. Ausreden gibt es keine, denn der Film ist österreichisches Kino von seiner besten Seite. Die Geschichte ist sehr gut ausgetüftelt und fügt sich stimmig zusammen und am Ende ist vor allem Gänsehautstimmung angesagt. Denn das Finale, wenn sich während des Maskenballs die Geschichte entscheidet, ist vom Feinsten, und großes Kino in Reinkultur. Die Schusseinstellung des Films, darf sich schließlich auch zu den groteskesten und skurrilsten der heimischen Filmgeschichte zählen, und bringt all die genialen Aspekte des Films gekonnt auf den Punkt.

Fazit:
„Jetzt ist schon wieder was passiert...“ – und das ist auch gut so, denn Der Knochenmann ist österreichisches Kino in Reinkultur. Mit seinem bitterbösen Mix aus Drama, Horror und skurriler Komödie, angesiedelt in einer abgelegenen Schneelandschaft könnte man ihn auch als heimischen Gegenentwurf zum großartigen Coen-Film Fargo sehen. Der Knochenmann meistert alle verschiedenen Genres mit Bravour und schafft es den Zuseher in seine atmosphärische Welt, gespickt mit schrägen Figuren und absurden Situationen, zu ziehen. Wolf Haas Fans und Freunde der beiden Vorgänger brauchen ohnehin nicht lange überlegen, doch auch für alle anderen Filmfans gilt nur eins: Rein ins Kino, ohne Wenn und Aber.

Wertung:
9/10 Punkte

Filmering.at
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