Unbeugsam - Defiance (2008)

OT: Defiance - 137 Minuten - Kriegs / Drama
Unbeugsam - Defiance (2008)
Kinostart: 24.04.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Unbeugsam - Defiance

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Machen wir uns nichts vor, im Prinzip ist die Nazi-Thematik, beziehungsweise der Zweite Weltkrieg ein filmisch sehr ausgelutschtes und verbrauchtes Thema. Dennoch kommen Jahr für Jahr immer wieder solche Filme in die Kinos, und können oftmals nicht nur das Publikum, sondern auch Kritiker und vor allem die Oscarjury überzeugen. Überraschenderweise schaffen es auch immer wieder Filme dem eigentlich bekannten Thema eine neue Seite abzugewinnen, und somit trotz an sich verbrauchtem Thema etwas Neues zu erschaffen. Warum das so ist? Keine Ahnung, aber Defiance gehört zu diesen Filmen.

Es ist 1941, und die Nazis sind gerade am Vormarsch um Osteuropa von den Juden zu „säubern“. Bei einer dieser Aktionen werden auch die Eltern der Familie Bielski getötet. Zus (Liev Schreiber) kann schließlich mit Asael (Jamie Bell) in die Wälder flüchten, wo sie auf den ältesten Bruder Tuvia (Daniel Craig) treffen. Sie wollen sich tief im Wald verstecken, und dort ein Lager errichten. Bald schon spricht sich dies herum, und es treffen immer mehr Leute ein. Es entsteht eine eigene Gemeinschaft, und obwohl es an Essen mangelt, ist jeder willkommen. Doch die Ansichten von Zus und Tuvia entwickeln sich in verschiedene Richtungen, und während Zus versucht sich dem bewaffneten Widerstand anzuschließen, bleibt Tuvia bei den anderen Flüchtlingen im Lager, und führt sie an. Doch wie lange können sie sich von den Nazis verstecken?

Edward Zwick hat sich in den letzten Jahren als durchaus talentierter Regisseur etabliert, der es gekonnt schafft seine Filme abzumischen, und im Endeffekt einen guten Mix auf die Leinwand zu bringen. Speziell Last Samurai und Blood Diamond bringen seinen Stil auf den Punkt: Ein durchaus wichtiges, oder historisches Thema wird aufgegriffen und in einen actionreichen, aber vor allem emotional packenden Film gebracht. Gut, auf intellektueller Ebene gibt es bei Zwick immer etwas zu meckern, aber man kann ihm nicht absprechen, dass seine Filme stets fesselndes, aber auch durchaus hochwertiges, Entertainment bieten.

Defiance greift sich nun die, in unserer Gegend weitgehend, unbekannte wahre Geschichte der Bielski-Partisanen, die während des Zweiten Weltkriegs eine der wenigen jüdischen Widerstandsgruppen bildeten. Versteckt in den Wäldern, kämpften sie mit Guerilla-Methoden, stahlen den Feinden die Munition, und retteten vor allem 1000 Menschen das Leben, da sie ihnen Unterschlupf gewährten. Edward Zwick setzt diese Geschichte nun weitgehend getreu der Tatsachen um, lässt es sich aber natürlich nicht nehmen eine Prise Hollywood mit einzubringen.

Doch dies meine ich in diesem Zusammenhang gar nicht so negativ. Zwick versteht es gekonnt seine Geschichte zu etablieren, und Defiance punktet von Anfang an mit einer sehr dichten Atmosphäre. Dies beginnt mit der Ermordung der Eltern, geht über die frühe Rache, und bleibt auch so während sich der Film vorwiegend auf seine zwischenmenschliche Ebene konzentriert, und auch genügend Zeit darauf verwendet das Entstehen des Bielski Lagers, und die sich entwickelnde Subkultur zu beleuchten.

Dem talentierten Handwerker, mit Gefühl für Spannung und Atmosphäre, Edward Zwick, ist es dabei zu verdanken, dass bereits diese Einführungsphase in den Film sehr gelungen ist. Die sich öffnende zwischenmenschliche Ebene ist hoch interessant, und auch wie sich die Menschen von ihren alten Leben verabschieden, um neu zu starten weiß zu gefallen. Gut, es haben sich einige überkonstruierte Figuren, wie der Lehrer, der Intellektuelle, der Widerspenstige, usw. eingeschlichen, die deutlich erkennen lassen, dass Defiance ein Drama aus Hollywood ist, aber der Film versteht es dennoch sich dieser Charaktere zu nutze zu machen, sodass sie schließlich doch emotional einen Sinn ergeben.

Auch die Charakterentwicklung gibt sich stimmig, und der sich aufbauende Brüderzwist, wird ebenso glaubhaft und stimmig in Szene gesetzt, wie die kleinen Reiberein und sich aufbauenden Freundschaften und Beziehungen. Doch auch in seinen temporeicheren Actionsequenzen weiß Defiance zu gefallen, sodass es der Film insgesamt sehr gut schafft die Balance zwischen einem ruhigeren Drama und einem mitreissenden Epos zu wahren. Man könnte den Film vielleicht auch als Mischung aus Schindler’s Liste und Gladiator bezeichnen, wenn man es denn gerne möchte.

Auch die Schauspieler wissen zu gefallen. Besonders erfreulich ist, dass Daniel Craig nicht nur „der neue James Bond“ ist, sondern auch in anderen Rollen überzeugen kann. Gut, sein Charisma ist vielleicht etwas nachteilig für die anderen Darsteller, aber da er auch einen Anführer spielt, kann man diesen Kritikpunkt auch streichen. Jamie Bell überzeugt in einer etwas kleineren Rolle, und auch Liev Schreiber schafft es seine Rolle auszufüllen und glaubhaft zu bleiben. Insgesamt verfügt Defiance also über ein wohl ausbalanciertes Ensemble, das es schafft den Film zu unterstützen und zu bereichern.

Natürlich darf man auch nicht vergessen, dass ein Edward Zwick Film auch durchaus für gespaltene Meinungen sorgen kann. Denn es wird sicher nicht jedem gefallen, dass die tragische wahre Geschichte, in ein relativ dramatisiertes, emotionales Hollywooddrama transformiert wurde. Doch das muss jeder für sich entscheiden, und Defiance verdient sich durchaus eine Chance. Denn insgesamt gesehen stimmt die Mischung aus leisem Charakterdrama und spannendem Erlebniskino recht gut. Dass die technische Ebene auf höchstem Niveau ist, versteht sich bei einem Edward Zwick Film fast schon von selbst.

Fazit:
Mit Defiance geht Edward Zwick konsequent den eingeschlagenen Weg von Blood Diamond und Last Samurai weiter. Ein wichtiges Thema, wird auf emotionale und fesselnde Weise aufbereitet. Der Film schafft dabei haarscharf die Balance zu wahren um nicht in den Kitsch abzudriften, aber es ist durchaus verständlich, wenn einige nichts mit der emotionalen Aufbereitung des Themas anfangen können. Doch insgesamt schafft es Defiance gekonnt zwischen einem fesselnden Charakterdrama und einem packenden Actionfilm zu balancieren und somit nicht nur zu unterhalten sondern auch zu berühren.

Wertung:
8/10 Punkte

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