The International

OT:  The International   -  118 Minuten -  Thriller
The International
Kinostart: 12.02.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
6105
Bewerten:

Filmkritik zu The International

Von am

Tom Tykwer ist sicher ein Aushängeschild für den publikumswirksamen aber doch qualitativ hochwertigen deutschen Film. Er schafft es kurz gesagt immer sehr gut die Balance in seinen Filmen zu wahren. Sei es bei seinem rasanten Adrenalinabenteuer Lola rennt, oder bei seiner opulenten internationalen Literaturverfilmung Das Parfüm. Nun geht es für ihn weiter auf dem internationalen Parkett, mit seinem stark besetzten Thriller mit Bezug auf das aktuelle Weltgeschehen, The International, dem die Ehre zuteil wurde die Berlinale zu eröffnen. Das Ergebnis ist sehr zufriedenstellend.

Interpol Agent Louis Salinger (Clive Owen) und die New Yorker Staatsanwältin Eleanor Whitman (Naomi Watts) stecken alles in die nervenaufreibende, und lebensbedrohliche Aufgabe eine der mächtigsten Banken der Welt das Handwerk zu legen. Mit akribischem Aufwand versuchen sie die Flüsse des Geldes zu hinterfragen, und die skrupellosen und illegalen Machenschaften aufzudecken. Doch über kurz oder lang wird die Spur durch gezielte Exekutionen verwischt. Können sie so noch handfeste Beweise finden? Und vor allem: Wie lange können sie so noch am Leben bleiben?

Wirklich herausragend ist schon einmal die Stimmung die Tykwer’s Film durchzieht. Speziell am Anfang weht hier noch etwas Michael Clayton Flair durch den Kinosaal, wenn ein Kollege von Salinger durch einen hinterlistigen Anschlag, der kaum nachzuweisen ist, getötet wird. Auch Clive Owens schlafloser, bärtiger und hypnotischer Auftritt unterstreicht diese Wirkung, und so kann The International einen sehr faszinierenden Sog aufbauen, der dem Oscarkandidaten aus dem letzten Jahr in nichts nachsteht. Dank der mitreissenderen Inszenierung diesen wohl sogar übertrifft (auch wenn mancher das sicher anders sehen mag).

Hoch interessant ist auch das gewählte Thema, das sehr gut in die heutige Zeit passt. In einer Filmära, in der nicht einmal mehr James Bond gegen einen überlebensgroßen Superschurken, sondern gegen eine findige Wirtschaftsorganisation kämpft, sollte jedem klar sein, dass die ganz großen Verbrechen heutzutage eine andere Größenordnung haben als noch vor einiger Zeit. Unzählige Menschen verdienen am Krieg, wer diesen, speziell in Afrika, kontrollieren kann, hat eine unvorstellbare Macht, welche mit Geschick wiederum in sehr viel Geld gemacht werden kann, was natürlich wiederum immer mehr Macht bedeutet.

Tom Tykwer verschafft diesem karnivoren Zyklus der inhumanen Geschäftswelt ein sehr stimmiges filmisches Denkmal. Natürlich ist es schwer diesen allgegenwärtigen Missständen im Film gerecht zu werden, und so hat auch The International mit einem etwas farblosen „Oberbösewicht“ zu kämpfen, da es einen solchen nun einmal nicht wirklich gibt, da er, wie er selbst sagt, problemlos von einem anderen Banker ersetzt werden kann. Doch im Gegensatz zu Ein Quantum Trost, weil man in einem Bond-Film nun einmal einen Bösewicht erwartet, funktioniert dieser Schachzug in The International sogar ziemlich gut.

Denn da die Organisation gegen die gekämpft wird etwas gesichtsloser ist, wirkt er Kampf noch um einiges aussichtsloser, und kommt somit der Realität etwas näher. Auch spielt Clive Owen hier nicht wirklich einen klassischen Hollywoodhelden, da er dazu viel zu ruhelos, teilweise abgewrackt und vor allem zu verwundbar wirkt. Schlussendlich muss er sogar einsehen, dass man eine solche Organisation nur bekämpfen kann, wenn man selbst die Pfade der Tugend hinter sich lässt. Ziemlich passend sind auch die Überschneidungen zum organisierten Verbrechen, die speziell im starken Finale sehr gekonnt zum Vorschein gebracht werden.

Eine trockene Abhandlung ist der Film dabei, trotz seines Themas, aber bei Leibe nicht geworden. Tykwer hat es sehr gut geschafft dieses pikante Thema in einen höchst unterhaltsamen Thriller einzubauen, und somit gibt sich der Film deutlich agiler, als der etwas trockenere, aber themenverwandte, Michael Clayton. The International ist ein rasanter Trip, sehr dynamisch geschnitten und komponiert und mit einigen vortrefflichen Actionsequenzen gewürzt. Speziell der visuell atemberaubende Shootout im Guggenheim Museum ist vom Feinsten, aber auch ansonsten geizt der Film nicht mit Reizen.

Da sich auch die Darsteller von ihrer besten Seite zeigen, gibt es eigentlich keinen Grund diesen gekonnt abgestimmten Thriller auszulassen. Allen voran kann Clive Owen, wie man es mittlerweile von ihm gewohnt ist, den Film mit Bravour tragen, und überzeugt als raubeiniger Antiheld mit Ecken und Kanten. Naomi Watts bleibt zwar etwas farblos, kann aber im Großen und Ganzen auch überzeugen, und schlussendlich bleibt noch ein stimmiger Nebencast, der das Ergebnis abrundet. Insgesamt also ein sehr sehenswerter Film, der zwar keine Genregrenzen einreisst, den man sich aber dennoch nicht entgehen lassen sollte.

Fazit:
The International ist ein hypnotischer Thriller auf hohem Qualitätslevel, der gleichzeitig ein hoch interessantes Thema behandelt und auch noch verdammt unterhaltsam ist. Clive Owen überzeugt als schlafloser Ermittler mit Ecken und Kanten, und Tom Tykwer inszeniert in ruhelosen Bildern, und schafft es spielend an der Spannungsschraube zu drehen. Speziell der Shootout im Guggenheim Museum ist ein wahres Ereignis, aber auch ansonsten kann man The International eigentlich nur loben. So muss ein packender Thriller aussehen: Atemberaubend und trotzdem mit erschütterndem Bezug zur Realität.

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 7.2/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 30
10 /10
3%
9 /10
0%
8 /10
43%
7 /10
30%
6 /10
13%
5 /10
10%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
The Game
Wolf Creek
Der Staatsfeind Nr. 1
Inside Man
96 Hours
The Number 23
Butterfly Effect
Tödliche Versprechen - Eastern Promises
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Keine Listen gefunden!