Saboteure (1942)

OT: Saboteur - 108 Minuten - Thriller
Saboteure (1942)
Kinostart: 28.03.1958
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 16.05.2013
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Filmkritik zu Saboteure

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Auch Hitchcock hatte seinen „Propagandafilm“ während des zweiten Weltkrieges. Der 1942 gedrehte Film „Saboteur“ enthält allerdings weit weniger plakative Feinderklärung als viel mehr den Glauben an die Erlösung durch die Kraft des Individualismus. Eigentlich ist „Saboteur“ ein „typisch“ amerikanischer Film, inszeniert von einem Briten, eine demonstrative Geste für Individualismus gegen kollektivistische Ideologien, gegen Feigheit, Erniedrigung und Allmachtsphantasien. Ein junger Mann, der in einem kriegswichtigen Flugzeugwerk arbeitende Barry Kane (Robert Cummings), und eine junge Frau, so unschuldig und schön wie Patricia Martin (Priscilla Lane), stehen im Mittelpunkt des Streifens – und indem die beiden zusammenfinden, besiegen sie Niedertracht und Terror.

„Saboteur“ ist aber auch eine frühe Form des Action-Films. Da jagt einer Tausende von Meilen durch Amerika, als wenn es um sein Leben geht, und es geht um sein Leben und das von etlichen anderen. Barry wird beschuldigt, für einen Brandanschlag auf das Flugzeugwerk verantwortlich zu sein, bei dem sein bester Freund in den Flammen ums Leben gekommen ist. Die Behörden glauben ihm seine Geschichte nicht, dass ein gewisser Frank Fry (hervorragend besetzt mit Norman Lloyd) ihm einen mit Benzin gefüllten Feuerlöscher in die Hand gedrückt und Barry den dann seinem Freund weitergereicht habe, so dass dieser beim Versuch, das Feuer zu löschen, sterben musste. Barry muss fliehen. Er verfolgt eine Spur, die Adresse, die auf einem Fry aus der Tasche gefallenen Brief zu lesen war. Schon in einer Szene am Anfang setzt Hitchcock hier die Fronten gegeneinander. Als Barry und sein Freund sich nach einer hübschen Frau umsehen, rempeln sie Fry an, und der verliert seine Briefe. Barry trampt, wird von dem Fernfahrer Mac (Murray Alper) mitgenommen, der immer für eine ironische Bemerkung zu haben ist. Barry vertreibt sich die Fahrt zu einer Ranch, auf der er Fry vermutet, mit Pfeifen. Seine Frau, sagt Mac, habe zwei Leidenschaften. „Sie gibt Geld für Kino und Hüte aus. Sie kauft einen Hut, nur, um ihn dann im Kino wieder abzunehmen. Ich habe keinen Grund zum Pfeifen.“

Eine schöne Ranch, mit Swimmingpool, einen zuvorkommenden Besitzer namens Charles Tobin (Otto Kruger) nebst Tochter und süßem Enkelkind findet Barry vor. Aber Tobin ist alles andere als ein Menschenfreund. Er ist der Kopf einer amerikanischen Nazi-Gruppe, die mit Anschlägen die amerikanische Kriegsindustrie schädigen will, und träumt von einer elitären Herrschaft gegen den „Mob“. Tobin lässt Barry verhaften, um ihn los zu werden. Und mit knapper Mühe kann der unschuldige junge Mann in Handschellen entkommen.

In einem Haus im Wald trifft er auf Phillip Martin (Vaughan Glaser), das genaue charakterliche Gegenteil von Tobin, ein Blinder, der mehr sieht, als man annimmt. Hier lernt Barry auch Martins Nichte Patricia kennen. Tobin hilft Barry, der Patricia (die ihm nicht glaubt) zunächst dazu zwingt, ihm ebenfalls zu helfen, bis sie schließlich davon überzeugt ist, dass Barry unschuldig ist. Gemeinsam drehen sie den Spieß um: Obwohl Barry auch weiterhin gesucht wird, jagt er jetzt mit der schönen Pat die Verschwörer bis nach New York.

Sicher, auch in Hitchcocks Beitrag zur psychologischen Kriegsführung kommen die Guten ins Töpfchen und die Schlechten ins Kröpfchen. Trotzdem ist „Saboteur“ kein patriotisch-pathetischer Film geworden. Hitchcock, der sich für Politik nicht sonderlich interessierte, bleibt bei dem, was er kann: beim Suspense bis zum Showdown auf der Freiheitsstatue. Besonders beeindruckend sind Szenen wie etwa die in der Radio City Music Hall, in der sich das Publikum einen Kriminalfilm ansieht und zunächst nicht gewahr wird, dass im Kinosaal auch ein Krimi abläuft: Fry wird gejagt, es kommt zur Schießerei, Film und Realität gehen ineinander über, bis Panik ausbricht. In einer anderen Szene versucht Barry zu verhindern, dass Fry auf einen Knopf drückt, der zur Explosion eines gerade in See stechenden Kriegsschiffs führen soll. Typisch Hitchcock auch die lange Einstellung auf dem Wohltätigkeitsball der reichen Henrietta Sutton (Alma Kruger), die zu den Verschwörern gehört. Als Barry und Pat dort auftauchen, werden alle Ausgänge bewacht. Sie tanzen, suchen eine Fluchtmöglichkeit. Wie in einem Gefängnis, von dem nur die Verfolger und die Gefangenen wissen, bewegen sie sich durch die tanzenden Gäste, die von nichts eine Ahnung haben. In einer anderen Szene verstecken sich Pat und Barry bei vorbeifahrenden Zirkusleuten, die darüber abstimmen, ob man beide verstecken soll oder nicht. Merkwürdige Gestalten wie die Frau mit Vollbart, der keifende Liliputaner, die siamesischen Zwillinge, die immer unterschiedlicher Meinung sind, die dicke Frau und der Zirkusdirektor Bones (gespielt von dem damals bekannten Bühnendarsteller Pedro de Cordoba) verkörpern – ganz Hitchcock – das gute Amerika, das wirklich gute Amerika, die einfachen Leute, die das Herz an der richtigen Stelle haben, keine Vorurteile hegen und Ausreißer in den Griff bekommen.

Eine überwiegend exzellente Besetzung macht „Saboteur“ zu einem sehenswerten und spannenden Ereignis.


Wertung:
8/10 Punkte

Quelle: Follow-me-now.de / Ulrich Behrens

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