Sneaker Stories

OT:  Sneaker Stories   -  95 Minuten -  Dokumentation 
Sneaker Stories
Kinostart: 16.01.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Sneaker Stories

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Der Dokumentarfilm Sneaker Stories der österreichischen Regisseurin Katharina Weingartner versucht, zwei auf den ersten Blick völlig konträre Themen miteinander zu vereinbaren: Basketball und Globalisierungskritik. Festzulegen gilt zunächst jedoch eine genauere Definition beider Themen: Zum einen drehen sich die drei Geschichten um Streetballspieler, die sich (zunächst) selbst von den traditionellen Liga Mannschaften strikt getrennt sehen wollen, zum anderen werden die Marketingstrukturen der großen Sportartikelhersteller bzw. deren Produkte dezidiert in den Vordergrund gerückt.

Gegliedert ist Sneaker Stories in 3 unterschiedliche Szenerien: Wien, New York und Accra, in jeder der Episoden wird die Geschichte eines jungen Sportlers erzählt, der vom großen Erfolg als Profi in der amerikanischen Basketballliga NBA träumt.
Neben dieser Sehnsucht verbindet die jungen Männer jedoch auch das Schicksal, das keiner von Ihnen diesen Sprung in die Profiliga bisher geschafft hat: Adrian, der in Wien in einem der Sportkäfige am Margaretengürtel sein Können unter Beweis stellt, ist sich seiner geringen Chance bewusst, was ihn aber auch nicht vom harten Training und der scheinbar ganztätigen Aufopferung für seine Leidenschaft bzw. dem Erlangen eines College-Sportstipendiums abzuhalten vermag.

Der New Yorker Karl war seinem Traum nicht nur örtlich schon sehr viel näher, schließlich hat er und sein College-Team vor Jahren schon im Madison Square Garden gespielt. Der Tod seiner Mutter hat ihn jedoch vorerst aus der Bahn geworfen und so versucht er seitdem, mit seinem Straßenteam „Paradise“ von Talentsucher für die NBA entdeckt zu werden.
Im klaren Kontrast zu Karl steht Aziz, der in Accra, der Hauptstadt von Ghana, zwar das selbe Ziel verfolgt, jedoch seine Chancen weitaus geringer einzustufen sind, da bisher noch kein einziger Ghanaer den Sprung in die NBA geschafft hat.

Eine Besonderheit vereint alle drei Charaktere: die beinahe schon sklavische Verehrung von Turnschuhen, den sogenannten „Sneakers“. So groß die Werbebudgets der Sportartikelhersteller bzw. Marketingausgaben sind, so tiefgreifend sind die in den Köpfen der Jugendlichen eingebrannten Images, die mit dem Schuhen verbunden zu sein scheinen. Durch global verbreitete Superstar-Fantasien, die nicht nur Nike und Co, sondern auch die NBA selbst und die oftmals zitierten AND 1 Mixtapes geschaffen werden, erscheinen die Sehnsüchte vom sozialen und meist damit verbundenen finanziellen Aufstieg vielerorts fast greifbar – oder um es einfacher auszudrücken: Just do it.

Vier Jahre lang hat Weingartner an dem Projekt gearbeitet, Ausgangspunkt und Ansporn für die Produktion von Sneaker Stories war die Tatsache, dass zuvor noch kein Film über Turnschuhe bzw. deren Mythos existierte. In der Dokumentation selbst fehlt eine Erzähler- oder auch Kommentarstimme, die das Geschehen erklärt oder Fragen aufwirft (Weingartner meint dazu, das die meisten Off-Stimmen in Dokus ein Armutszeugnis darstellen, da sie nicht mittels O-Ton und Visualisierungen Geschichten erzählen können), zudem werden keinerlei Informationen über Firmenhintergründe, Marketingbudgets oder dergleichen präsentiert, was aufgrund der angestrebten Thematik und Problemstellung doch etwas merkwürdig erscheint.

Hierbei offenbart sich auch das zentrale Problem des Films: Am Anfang einer jeden Episode scheint zwar ein roter Faden noch greifbar zu sein, die Schwierigkeiten von nicht erfüllbaren Träumen werden jedoch schon zu diesem Zeitpunkt in fast keiner ausschlaggebender Relation zu den titelgebenden Sportschuhen gesetzt. Themen wie Ausgrenzung, Migration und Armut werden aufgegriffen und unbemerkt wieder fallen gelassen, ohne in die Materie einzudringen. So dominieren zusammenhangslose Szenen wie etwas der Besuch einer Festung in Ghana, in der Sklaven vor der Deportation eingesperrt wurden oder auch eine Rapper-Einlage in Brooklyn, die an ein schlecht gemachtes Home-Video erinnert. Natürlich ist das Schildern des mitunter trostlosen Alltags der jungen Männer und deren angestrebten Lebensziele und Fantasien reizvoll, jedoch fehlt die visuelle und dramaturgische Harmonie: So kann die Debatte über die Vermarktungsstrategien der Konzerngiganten Nike und Reebok, die angeregt von Karl mit seinem Teamkollegen geführt wird, einige interessante Punkte aufwerfen, deren Hintergründe durchaus für eine filmische Auseinandersetzung interessant wären – weiter verfolgt wird sie jedoch nicht. Ebenso werden beispielsweise die Bedingungen der Ghanaer Basketballspieler bzw. deren Equipment zwar gezeigt, ein direkter Bezug zum Thema Turnschuh scheint allerdings nicht auffindbar zu sein.

Fazit:
Katharina Weingartner versucht mit Sneaker Stories, das harte und durchtriebene Spiel der großen Sportartikelhersteller mit dem ebenso harten, aber ungleich schwierigeren Alltag dreier auf verschiedenen Kontinenten angesiedelter Basketballfanatiker in Einklang zu bringen und die wechselseitige Abhängigkeit bzw. dessen Ungleichgewicht darzustellen. Was ambitioniert klingt und zweifellos auch hinsichtlich Produktionsdauer und Aufwand ersichtlich ist, scheitert jedoch am Bestreben, viele der großen Themenkomplexe in einem einzigen Film unterzubringen.

Wertung:

5/10 Punkte

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