Glaubensfrage (Doubt)

OT:  Doubt   -  104 Minuten -  Drama
Glaubensfrage (Doubt)
Kinostart: 05.02.2009
DVD-Start: 22.09.2011 - Blu-ray-Start: 22.09.2011
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Filmkritik zu Glaubensfrage (Doubt)

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Im Jahr 2004 feierte John Patrick Shanley’s Theaterstück Doubt Premiere. Nach seinem überraschenden Erfolg, wurde das Stück am Broadway aufgeführt, und konnte unter anderem den Pulitzerpreis und vier der begehrten Tony-Awards gewinnen, darunter Bestes Stück. Nun folgt der nächste Schritt in der Auswertungskette: Autor Shanley hat das Stück in ein Drehbuch umgeschrieben, ein starkes Ensemble verpflichtet, und wagt den Schritt ins Kino. Dabei führte er auch selbst Regie. Das Ergebnis ist ein starkes Kammerspiel, das es schafft mit einfachsten Mitteln über die gesamte Laufzeit zu fesseln.

Schwester Aloysius Beauvier (Meryl Streep) leitet die katholische St. Nicholas Schule in der Bronx. Sie ist prinzipiell gegen den Fortschritt und hält an den konservativen Regeln der alten Schule fest. Doch draußen schreibt man bereits das Jahr 1964, und eine Welle des Umbruchs schwappt durchs Land. Sorgen macht sie sich besonders um den ersten schwarzen Schüler, Donald Miller (Joseph Foster), doch dieser steht unter der besonderen Aufsicht von Vater Flynn (Philip Seymour Hoffman), sodass es keine Probleme gibt. Doch da meldet Donalds Lehrerin, Schwester James (Amy Adams), plötzlich, dass sich Donald merkwürdig verhalten hat, seit ihn Vater Flynn einmal aus dem Unterricht geholt hat. In Schwester Aloysius keimt ein grausamer Verdacht…

Man kann es bereits herauslesen: Glaubensfrage (im Original Doubt) handelt vom schwierigen Thema des sexuellen Missbrauchs innerhalb der katholischen Kirche. Doch es ist weniger das Thema, das Glaubensfrage zu etwas so besonderem macht, sondern viel mehr der interessante Umgang mit diesem. Denn erstens wird die Problematik nur schemenhaft angedeutet, und zweitens kann man sich den ganzen Film über nie sicher sein, ob überhaupt etwas vorgefallen ist. Denn der englische Titel Doubt ist hier wahrlich Programm, sodass der Film vor allem Zweifel säht.

Dies ermöglicht unter anderem auch eine erfrischende Figurenkonstellation. Denn auf dem ersten Blick ist klar, dass Schwester Aloysius den „Bösewicht“ darstellen soll. Sie führt ein „Schreckensregiment“, und versucht durch bloße Abschreckung die Schüler zur Disziplin zu ermuntern. Auf der anderen Seite steht mit Vater Flynn ein dynamischer, witziger und erfrischender Pastor, der vernünftig mit den Schülern umgeht, und versucht sich um ihre Probleme zu kümmern. Doch im Laufe des Films weicht sich diese Konstellation immer weiter auf, bis schließlich klar ist, dass es so etwas wie gut und böse nicht gibt.

Denn Schwester Aloysius hat ihre Gründe so zu sein wie sie ist, und will, trotz ihres einschüchternden Wesens, nur das Beste für ihre Kinder. Auf der anderen Seite türmen sich auch im Zuseher Zweifel auf, ob die Absichten von Vater Flynn so redlich sind. Glaubensfrage versteht es dabei immer wieder die Erwartungen des Zusehers zu unterwandern, und ihn die Richtung wechseln zu lassen. Denn kaum hat man sich eine Meinung zum Geschehen gebildet, schon präsentiert der Film neue Ansätze, die uns wieder Zweifeln lassen. Glaubensfrage geht dabei auch am Ende den konsequenten Weg, und überlässt uns unseren Zweifeln, ohne uns einen einfachen Ausweg zu präsentieren.

Gleichzeitig ist Glaubensfrage auch ein zeitgeschichtlich interessanter Film, der es gekonnt versteht die Prämisse seiner Zeit auf die Figuren zu übertragen. Angelegt nach der Kennedy-Ermordung im Jahr 1964 erzählt uns der Film von einer Zeit des Umbruchs. Die alten Werte und konservativen Lebensansichten standen kurz davor überholt zu werden, und es geschah unweigerlich, dass sich die ältere Generation im Clinch mit der jüngeren Generation befand. Glaubensfrage zeigt dies vor allem durch das Aufeinandertreffen von Schwester Aloysius und Vater Flynn. Die eine ist sogar gegen Kugelschreiber, während es der andere „wagt“ Zucker in seinen Tee zu geben und sich intensiv mit den Kindern beschäftigt.

Genau dies verstärkt auch noch das Zweifeln des Zusehers. Denn es ist nur zu leicht das manische Verhalten von Schwester Aloysius dadurch zu erklären, dass sie Vater Flynn einfach nicht mag. Gleichzeitig schafft es der Film aber immer wieder, vor allem durch sein fabelhaftes Drehbuch, die Richtung zu wechseln, und uns doch wieder an der Unschuld des Pastors zweifeln zu lassen. Verstärkt wird dies noch durch die verschiedenen Perspektiven, die uns Glaubensfrage einnehmen lässt, und die uns immer wieder neue Ansätze bieten. Schwester James vertritt dabei noch die neutralste Position, und reflektiert wohl ungefähr die Gefühlslage des Zusehers.

Das Herz des Films sind dabei zweifellos die eindrucksvollen Darbietungen der großartigen Schauspieler. Das Zentrum bildet die unglaublich fesselnde Leistung von Meryl Streep, die erneut beweist, dass sie sich zu den größten Darstellerinnen aller Zeiten zählen darf. Sie schafft es, dass sie abwechselnd als Protagonistin und Antagonistin fungiert, und dabei in beiden Aufgaben voll überzeugt. Ihr gegenüber agiert ein kraftvoller Philip Seymour Hoffman, der es ausgezeichnet schafft auf der einen Seite Sympathien zu wecken, aber andererseits auch stets die Skepsis des Zusehers anregt. Weiters sorgt vor allem Amy Adams noch für eine starke Vorstellung, wogegen die Awardkandidatin Viola Davis zwar ebenfalls stark spielt, aber dank ihrer sehr kurzen Screen-Time nicht so eindrucksvoll wirkt wie die Hauptfiguren.

Glaubensfrage lebt dabei vor allem durch sein starkes Drehbuch und die großartigen Schauspieler, und zeigt sich als klassische Theateradaption. Der Film begrenzt sich sehr in seinen Locations und wirkt als traditionelles Kammerspiel, bei dem sich die Emotionen auf einem engen Raum hochschaukeln. Die Regie von John Patrick Shanley bleibt dabei zwar unauffällig, aber passend. Er zeigt sich als altmodischer Filmemacher, der es versteht das Potential seiner Geschichte in großteils statischen Einstellungen und mit einfachen Mitteln auszunutzen. Manchmanl verwendet Shanley zwar eine gar vereinfachte Symbolik, zum Beispiel wenn er das Bild kippen, oder Glühbirnen erlischen lässt, aber trotzdem bleibt sein Glaubensfrage ein starkes Stück Film, das seine Ausgangslage großartig nutzt.

Fazit:
Glaubensfrage ist ein starker Film, der vor allem durch sein fesselndes Drehbuch und seine unglaublich starken Darstellerleistungen besticht. Meryl Streep und Philip Seymour Hoffman agieren grandios, und auch Amy Adams hinterlässt einen sehr positiven Eindruck. Wirklich vortrefflich ist allerdings, wie es der Film schafft den Zuseher mit Zweifeln zu übersähen, sodass man sich oft dabei ertappt die Meinung zu wechseln. Dabei weiß man nie richtig welche Seite recht hat, und auch das Ende schafft es fabelhaft diesen Aufhänger weiterzuführen. Stilistisch erweist sich der Film als angenehm altmodisch, wenngleich auch nicht überragend. Aber John Patrick Shanley versteht es dennoch die Geschichte wirken zu lassen, und verzaubert den Zuseher mit einem sehr stimmigen Film.

Wertung:

8/10 Punkte 

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.9/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 15
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Erstellt: 11.11.2013