![]() ![]() Der seltsame Fall des Benjamin Button OT: The Curious Case of Benjamin Button Regie: David Fincher Drehbuch: Eric Roth Filmstart: 30.01.2009 | Laufzeit: | Drama |
Der erwähnte Zodiac ist exemplarisch für den gewandelten Fincher. Wo er früher noch in Sieben die Jagd auf einen Serienmörder als psychopatische Hetzjagd in die Abgründe der menschlichen Seele anlegte, zeigte er in Zodiac, dass er sich verändert hat. Denn das ähnliche Thema wurde völlig anders auf die Leinwand gebracht, und Fincher überzeugte auch mit einer reiferen Art des Filmemachens. Mit Der seltsame Fall des Benjamin Button geht er diesen Stil nun konsequent weiter. Das Tempo wird gedrosselt, offensichtlich konstruierte Höhepunkte werden ausgespart, und stattdessen setzt Fincher ganz einfach auf die magische Kraft seiner Geschichte, und zeigt sich als einer der wenigen Hollywoodgrößen, die dem Zuseher tatsächlich noch etwas Intelligenz zusprechen.
Der seltsame Fall des Benjamin Button ist eine Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald aus dem Jahr 1921. Seit 1994 wird bereits fieberhaft versucht dieses Projekt auf die Leinwand zu bringen, doch nun hat man es endlich geschafft. Besonders auffällig ist hier, dass Forrest Gump Autor Eric Roth das Drehbuch geschrieben hat. Denn obwohl ein Vergleich in gewisser Weise unfair ist, ist es doch unumgänglich zu erwähnen, dass Benjamin Button doch diverse Ähnlichkeiten mit Forrest Gump besitzt. Beide habe sie ein spezielles Wesen, das sie zu Driftern durch die Zeit macht und einen eigenwilligen Blick auf die Welt ermöglicht. Beide Filme haben einen gewissen Südstaatenflair, der die Atmosphäre prägt und beide Filme erzählen von einer großen Liebesgeschichte, angelegt als Abenteuer in mehreren Stationen.
Benjamins Problem ist, dass er sich allen Menschen nur annähren kann, um später wieder von ihnen wegzudriften. Exemplarisch dafür ist die Episode rund um Elizabeth Abbott (Tilda Swinton), die in Benjamins Leben tritt, es gehörig verändert, nur um danach wieder daraus zu verschwinden. Jahre später taucht sie in einer kleinen, aber unglaublich großartigen, Szene wieder auf, die ich hier nicht näher beschreiben will, weil der Zuseher die Szene selbst erfahren muss. Diese Episode bringt die Ausgangslage des Films stimmig auf den Punkt: Wir leben unser Leben, driften aufeinander zu, und wieder auseinander. Die Vergänglichkeit des Lebens in seiner reinsten Form.
Mehr als erwähnenswert ist dabei auch die wunderbare Regie von David Fincher. Er verzichtet meistens auf die „ganz großen“ Szenen, die aus dem Film hervorstechen, sondern serviert einen angenehmen Fluss. Dies mag für so manchen Zuseher, der sich nicht im Film verlieren kann, unangenehm sein. Denn Der seltsame Fall des Benjamin Button verlangt eine offene Gedankenwelt und ein noch offeneres Herz, damit man ihn richtig lieben kann. Bringt man diese Vorraussetzungen mit, so wird man mit vielen großen „kleinen“ Szenen belohnt, aus denen die größte Kraft des Films wächst.
Großartig sind auch die Schauspielleistungen der gesamten Darstellerriege. Beginnen muss man natürlich beim atemberaubenden Brad Pitt, der die wahrscheinlich beste Leistung seiner Karriere abliefert. Er meistert den Umstand, dass sich sein Innenleben von seinem Äusseren unterscheidet, mit Bravour, und drückt dem ganzen Film seinen Stempel auf. Ihm gegenüber steht eine Cate Blanchett, die mit dieser Rolle ihre Karriere zwar nicht toppt, aber dennoch eine sehr gute Leistung abliefert. In den Nebenrollen sorgen vor allem Taraji P. Henson und Tilda Swinton für bemerkenswerte Darbietungen.
Als nicht unbedingt astrein erweisen sich aber die zeitlichen Sprünge innerhalb des Films. Denn Der seltsame Fall des Benjamin Button beginnt am Sterbebett von Daisy, im Jahr 2005 vor der Ankunft von Hurricane Katrina in New Orleans, und nutzt diesen Zeitpunkt als Ausgangspunkt für die Geschichte, die im Folgenden anhand Benjamins Tagebuch erzählt wird. Leider bremsen die zahlreichen Sprünge zurück zu diesem Zeitpunkt den Fluss etwas. Es ergibt zwar an einigen Stellen durchaus Sinn, um die Haupthandlung zu kommentieren, aber an vielen Stellen wirkt es leider höchst überflüssig, die Struktur des Films aufzubrechen.
Fazit:
Der seltsame Fall des Benjamin Button ist der neuerliche Beweis dafür, dass David Fincher als Regisseur sichtbar gereift ist. Handwerklich perfekt, visuell betörend und narrativ durchdacht, erzählt er uns eine besondere Geschichte die es schafft zu fesseln und zu begeistern. Dank des gut organisiertem Drehbuch von Eric Roth, bewahrt sich der Film auf der einen Seite den rudimentären Charakter der Kurzgeschichte, füllt sie andererseits aber auch mit Leben und erweitert sie zu einem wahren Epos. Am Ende gibt es zwar leichte Ungereimtheiten, und auch gewisse Parallelen zu Eric Roths Forrest Gump können nicht von der Hand gewiesen werden, aber insgesamt ist Der seltsame Fall des Benjamin Button ein herrlich dezenter Film, der seine wahrhaft grandiosen Momenten nicht herausposaunt, sondern sie auf eloquente Weise vorträgt. Somit erzählt der Film eine große Geschichte, ist auf reife Art inszeniert und gespickt mit ausgezeichneten Darstellern. Ein Pflichttermin!
Wertung:
9/10 Punkte
Keine Videos gefunden!
20.01.2009 - Der große Benjamin Button - Forrest Gump Vergleich!
02.12.2008 - David Fincher im Clinch mit Paramount!

| Die Daten werden uns zur Verfügung gestellt von Flimmit.com |















