Der fremde Sohn

OT:  Changeling   -  140 Minuten -  Drama
Der fremde Sohn
Kinostart: 23.01.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Der fremde Sohn

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Clint Eastwood ist eines der letzten Überbleibsel seiner Generation. Seit über 50 Jahren ist er nun schon im Showgeschäft, dank frühen Filmen mit Sergio Leone ist er fast genauso lange schon eine Legende. Aber man braucht dieses letzte Relikt der Goldenen Ära Hollywoods ohnehin nicht mehr vorstellen. Clint Eastwood ist eine lebende Legende, und nun auch schon seit 20 Jahren als Regisseur ein Garant für Klasse. Natürlich hat er sich Ausrutscher geleistet, und sowohl als Schauspieler, als auch als Regisseur mal schwächeres gemacht. Doch dies kann man diesem Großmeister natürlich nicht übel nehmen. 2008 hat er in Amerika gleich mit zwei Filmen zugeschlagen, die bei uns erst im Frühjahr 2009 ihren Weg in die Kinos finden. Gran Torino und Der fremde Sohn. Beides sind sie keine Meisterwerke, aber trotzdem gewohnt hochwertige Kost. Kann Clint Eastwood eigentlich einen richtig schlechten Film drehen?

Christine Collins (Angelina Jolie) ist alleinerziehende Mutter und arbeitet bei einer Telefongesellschaft. Als sie eines Tages nach Hause kommt ist ihr Sohn Walter (Gattlin Griffith) plötzlich spurlos verschwunden. Nach 10 monatiger Stille hat die Polizei dann aber eine gute Nachricht: Walter wurde gefunden und kann zurück zu seiner Mutter. Doch bei der Übergabe muss Christine feststellen, dass es gar nicht ihr Sohn ist, den sie da bekommt. Doch die Polizei will mit dem Fall unbedingt ihr Image aufpolieren, und so entkräftet man alle Argumente von ihr. Als Christine dann aber an die Öffentlichkeit geht, wird es Captain J.J. Jones (Jeffrey Donovan) zu viel, und er lässt sie in eine Nervenheilanstalt einweisen…

Man muss zugeben, dass diese Inhaltsangabe etwas merkwürdig klingt. Und tatsächlich scheint auch der Film nicht immer plausibel zu wirken. Der Grund warum man es dennoch so gelöst hat ist einfach: Drehbuchautor J. Michael Straczynski hat sich durch das Archiv gewühlt und die wahre Geschichte von Christine Collins aufgerollt. Denn wie man hier sieht schreibt das Leben selbst immer noch die bizarrsten und „unglaubwürdigsten“ Geschichten. Denn aus heutiger Sicht hat es etwas äußerst befremdliches, wenn ein Polizist einfach so die Möglichkeit hat eine unbequeme Bürgerin in die Nervenheilanstalt zu werfen, deren einzige „Krankheit“ es ist, der Polizei ungemütlich zu sein.

Wie bereits erwähnt ist Clint Eastwood eine Bank als Regisseur, und wenn man seinen Namen im Vorspann liest, kann man sich sicher sein, dass der folgende Film zumindest auf handwerklicher Ebene großartig wird. Denn Clint Eastwood lässt sich nicht vom hektischen Treiben der MTV-Generation und der immer schneller werdenden Schnittfrequenz im US-Kino beeindrucken. Seine Filme sind stets ruhig, bedächtig, stilsicher und scheinen ihre eigene Zeitrechnung zu haben. Denn der eher ruhige Aufbau lässt seine Filme schon gerne einmal auf große Längen anschwellen.

Der fremde Sohn ist dabei absolut keine Ausnahme. Jede einzelne Einstellung wirkt wohl überlegt, das Setting wird mit viel Gefühl aufbereitet, und dank des gemächlichen, aber sehr durchdachten Pacing erhält der Film einen angenehmen Fluss, von dem man sich gerne mitragen lässt. Selbstredend schafft es der große Handwerker Eastwood auch spielend die Zeit der großen Depression auf die Leinwand zu bringen, sodass man sich gerne in seiner Welt verliert und in den wohlig komponierten Bildern schwelgt.

Thematisch erinnert das Kapitel Polizeikorruption, verbunden mit dem inszenatorischen Arrangement natürlich an große Filme wie L.A. Confidential und Chinatown, wenngleich diese beiden Meisterwerke ihren Schatten natürlich etwas weit voraus werfen. Schlussendlich verlässt sich Eastwood auch nicht auf dieses Zugpferd, sondern teilt seinen Film in mehrere Handlungsstränge auf. Da währe natürlich die zentrale Episode rund um Christie Collins, der Handlungsstrang rund um Pastor Gustav Briegleb (John Malkovich) der gegen die Korruption kämpft und natürlich noch die Episode über den Serienmörder Gordon Northcott (Jason Butler Harner).

Durch diese Aufteilung der Geschichte erreicht Clint Eastwood sowohl positive, als auch negative Aspekte: Zum einen bringt er mehr Abwechslung in den Film, sodass sich die lange Laufzeit recht kurzweilig anfühlt, und zusätzlich schafft er es auch noch die Geschichte von Christine Collins auf mehreren Ebenen zu erzählen, sodass er eine etwas komplexere Darstellung der Ereignisse erreicht. Aber auf der anderen Seite kann Der fremde Sohn durch diese Erzählweise leider keinen Erzählstrang wirklich großartig rüberbringen.

Alle sind sie gut, in gewohnter Eastwood-Manier stilsicher und sie ergeben auch insgesamt gesehen ein stimmiges Ganzes, d
och leider ist dieses Ganze eben kein Meisterwerk wie Erbarmungslos, Mystic River oder Million Dollar Baby. All diese Filme drangen tief in ihr Millieu ein, warfen eine unglaublich dichte Atmosphäre in den Kinosaal und konnten vor allem zutiefst menschliche und bewegende Charakterschicksale erzählen. Der fremde Sohn verfügt zwar ebenso über ein großartiges Ebsemble, das sich durch die Bank von seiner besten Seite zeigt, und vor allem über eine atemberaubende Angelina Jolie verfügt, aber trotzdem geht das Schicksal der Figuren nicht so nahe, wie in Eastwoods Meisterstücken. Man könnte auch einfach sagen, dem Film fehlt das gewisse Etwas, um etwas ganz Großes zu werden. Doch wie oben bereits ausgeführt ändert dies nichts daran, dass Der fremde Sohn ein starkes und eloquentes Stück Film ist, das den gewohnten Eastwood Flair versprüht. Und da es kein Geheimnis ist, dass ich diesen Stil liebe, kann ich auch für diesen Film nur meine Empfehlung aussprechen.

Fazit:
Wo Clint Eastwood drauf steht, da ist auch Clint Eastwood drin. Der fremde Sohn bietet ein gewohnt stilsicheres Ambiente, äußerst stimmige Bilder und viel Gespür für den Stoff. Zusätzlich verfügt der Film auch noch über ein interessantes Thema und wirklich toll agierende Darsteller. Doch trotz dieses Lobes ist der Film kein Meisterwerk, wie andere Eastwood Filme. Dazu fehlt ihm das gewisse Etwas. Eine Empfehlung bleibt er aber dennoch, da Clint Eastwood mit seinem souveränen Stil die meisten Schwächen geschickt kaschiert.

Wertung:

8/10 Punkte 

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.8/10 | Kritiken: 3 | Wertungen: 27
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