Sieben Leben

OT:  Seven Pounds   -  123 Minuten -  Drama 
Sieben Leben
Kinostart: 09.01.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Sieben Leben

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Eigentlich ist es doch ein schönes Marketingkonzept, das hinter Sieben Leben steckt. In einer Zeit, in der die meisten Mainstreamfilme schon halb durch den Trailer erzählt werden, setzt Sieben Leben auf eine einigermaßen mysteriöse Promotion. Der Trailer erklärt kaum um was sich der Film dreht, und die Meldungen blieben schön fragmentarisch. Natürlich hat man zusätzlich das Ass Will Smith im Ärmel, sodass das Publikumsinteresse auf jeden Fall gegeben ist. Schade ist nur, wenn man dann am Ende den Grund für die Geheimniskrämerei erfährt: Denn eigentlich hat Sieben Leben gar nicht so viel vorzuweisen, sodass es verständlich ist, dass man den Mantel des Schweigens darüber legt.

Ben Thomas (Will Smith) ist in seinem Hotelzimmer, wählt die Notrufnummer und kündigt seinen Selbstmord an. Doch dann sehen wir erstmal wie es dazu gekommen ist: Ben beschließt das Leben von sieben Menschen zu verändern. Er gibt sich als Steuerfahnder aus, und schnüffelt so in ihrer Privatsphäre herum. Doch er wehrt sich stur dagegen mehr zu seiner Person zu verraten, scheint jedoch einen großen Plan zu haben. Besonders für die herzkranke Emily Posa (Rosario Dawson) scheint er dabei langsam Gefühle zu entwickeln. Doch was soll das Ganze eigentlich?

Genau das ist die Frage. Zwar liefert der Film durchaus einen Aufhänger zur Geschichte, aber trotzdem muss sich Sieben Leben die etwas kritische Frage stellen, was das Ganze denn nun gebracht hat. Denn auf der einen Seite versucht man ein großes Drama zu erzählen, traut sich dabei aber nie wirklich vom Level des Unterhaltungsfilms zu lösen, und auf der anderen Seite versucht man auch noch moralisch zu sein, ohne dass sich der Film seiner eigenen moralischen Verantwortung bewusst ist. Man darf mich nicht falsch verstehen: Man kann durchaus Filme drehen, die im moralischen Grenzbereich angesiedelt sind. Doch man darf sie nicht heuchlerisch vortragen.

Denn zwar handelt Sieben Leben vom Karma, von Schuld und Sühne und von einer Last aus der Vergangenheit, und verlässt sich dabei oftmals zu sehr auf das traurige Gesicht von Will Smith, aber andererseits scheint der moralische Richter des Films selbst keine Grenzen zu kennen. Da mischt sich dieser Ben Thomas ungeniert in das Privatleben fremder Leute ein, und schnüffelt in ihrem Leben herum, nur um herauszufinden, ob sie auch gute Menschen sind. Zusätzlich wählt Sieben Leben am Ende einen äußerst fragwürdigen Schluss, der für mich gerade so unverschämt ist, weil er sich als moralisch richtige Lösung zu einem Thema aufdrängt, das so viel komplexer ist, als es Sieben Leben je erfassen kann.

Der Hauptdarsteller Will Smith ist dabei Fluch und Segen zugleich. Denn auf der einen Seite ist er nun mal der vielleicht letzte Kassenmagnet Hollywoods, der es immer noch schafft einen finanziellen Erfolg zu garantieren. Auf der anderen Seite erdrückt seine Präsenz aber das kleine, aufkeimende Drama, in dem er es in die Will Smith Show verwandelt. Will Smith ist zweifellos ein sympathischer Kerl, aber er ist einfach nicht der Typ Schauspieler der in solchen Rollen brilliert.

Der Anfang des Films ist dabei wahrscheinlich noch sein bester Teil. Denn hier wird das Mysterium des Trailers weitergesponnen, und man hat noch keine Ahnung in welche Richtung sich der Film entwickelt, bzw. was hinter dem Ganzen steckt. Doch Sieben Leben verteilt durch Flashbacks und ähnliches viel zu viel von den Hintergründen, und natürlich vom Ausgang, sodass man schließlich vom Ende nicht mehr überrascht ist, sondern eigentlich nur mehr darauf wartet seine Vermutungen bestätigt zu bekommen. Großes Kino sieht eben anders aus.

Das Problem ist weiters, dass sich Sieben Leben die große Aufklärung eben bis zum Ende aufhebt. Wie erwähnt, kann man die Lösung zwar erraten, aber so richtig Einblick wird erst am Schluss gewährt. Deshalb kann man während des Films auch kaum das Leid von Ben Thomas nachempfinden. Natürlich erkennt man an Will Smiths Blick, und an der bedeutungsschwangeren Inszenierung, inklusive typischer Musik, dass etwas Schlimmes passiert sein muss, aber da man die Hintergründe nicht kennt, fällt es eben auch ziemlich schwer mit der Geschichte mitzufühlen.

Dabei muss ergänzend erwähnt werden, dass der Film natürlich nie unter ein bestimmtest, mittelmäßiges Niveau absinkt. Regisseur Gabriele Muccino, der mit Will Smith bereits Das Streben nach Glück drehte, und sein Team sorgen für elegante Bilder und ein solides Setting. Das Problem ist einfach die gesamte Geschichte an sich, die in fähigeren Händen durchaus was hergegeben hätte, die so unmotiviert und unschlüssig vorgetragen wird, dass man als Zuseher nur noch gelangweilt ins Leere starrt. Für eine ernsthafte Abhandlung mit dem Thema Schuld und Sühne ist der Film zu glatt, und für einen Unterhaltungsfilm ist Sieben Leben zu zäh und voraussehbar. Am Ende scheint der Film dann seine eigenen Moralvorstellungen nicht mehr im Griff zu haben, was für einen solchen Mainstreamfilm doch ein Problem ist, da eine aufkeimende Diskussion zu diesem Thema sicher nicht beabsichtigt war.

Fazit:
Sieben Leben versucht eine Geschichte rund um Schuld und Sühne zu erzählen, verliert aber dabei seinen eigenen moralischen Kontext aus den Augen, und präsentiert sich für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema zu kurzsichtig und glatt. Will Smith überstrahlt mit seiner Präsenz zusätzlich den ganzen Film und erweist sich nicht gerade als Topkandidat für die Rolle. Denn eigentlich ist Sieben Leben nur eine mittelmäßige Will Smith Show, und als Film nicht wirklich gelungen. Das Team schafft es zwar die Mittelmäßigkeit zu halten, und trotz Längen nie allzu weit abzufallen (und sogar einige wenige starke Szenen zu präsentieren), aber großes Kino sieht nun mal anders aus.

Wertung:

5/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.6/10 | Kritiken: 3 | Wertungen: 41
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Liste von mausmaus
Erstellt: 10.11.2013