Milk (2008)

OT: Milk - 128 Minuten - Drama
Milk (2008)
Kinostart: 20.02.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Milk

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Das Leben von Harvey Milk verdient es wahrlich verfilmt zu werden. Er war der erste bekennend homosexuelle Stadtrat von San Franciso, stellte sein Leben unter den Zweck die Diskriminierung von Homosexuellen in den USA abzuschaffen, und das in einer Zeit, in der viele Schwule noch eine Pfeife um den Hals trugen, um sich bemerkbar zu machen, sollten sie angegriffen werden. Und das geschah nicht gerade allzu selten, was auch im tragischen Schicksal von Harvey Milk belegt wird. Sein Leben wurde bereits 1984 im oscarprämierten Dokumentarfilm The Times of Harvey Milk aufgearbeitet, und nun folgt mit Gus Van Sants Milk, der dazu passende Spielfilm. Und es ist ein kleines Meisterwerk geworden.

1972: Harvey Milk (Sean Penn) will gemeinsam mit seinem Partner Scott Smith (James Franco) New York verlassen. Gemeinsam suchen sie in San Francisco ihr neues Glück. Im Arbeiterviertel Castro, eröffnen sie den kleinen Fotoladen „Castro Camera“, der sich bald schon zum Treffpunkt des Viertels entwickelt. Die schwule Gemeinschaft, die nirgendwo akzeptiert wird, hat plötzlich ein Zuhause – und einen Anführer: Harvey Milk. Zunächst beginnen kleine Proteste gegen die Diskriminierung, aber bald schon will Harvey mehr, und beschließt in die Politik zu gehen. Doch unter Harveys Kampf gegen die Unterdrückung, beginnt seine Beziehung mit Scott zu leiden…

Gus Van Sants Milk beginnt mit einer Nachrichtenmeldung, die uns berichtet, dass Harvey Milk und San Franciscos Bürgermeister George Moscone ermordet wurden. Danach beginnt der Film das Leben Harvey Milks ab seinem vierzigsten Geburtstag aufzurollen. Unterbrochen wird diese Abhandlung über das politische und private Leben Harvey Milks, durch Aufnahmen, in denen er für ein Tonband sein Leben rekapituliert, was für den Fall gedacht ist, dass er ermordet werden sollte, und das uns als Leitfaden durch sein Leben, und natürlich als Kommentar dient.

Gus Van Sant hat ja bereits einige Wendungen in seiner, durchaus interessanten, Karriere erlebt. Nachdem er dank Good Will Hunting auch beim Mainstreampublikum einen Erfolg feiern konnte, und diesem auch mit seinem Psycho Remake und Finding Forrester treu blieb hat er sich ab 2003 wieder verstärkt dem Independent Film, mit experimentellen Einschlägen gewidmet. So entstanden Filme wie Gerry, Elephant, Last Days und Paranoid Park. Nun wendet er sich mit Milk zumindest stilistisch wieder etwas von diesen Filmen ab, und versucht auf betörender Weise dem Leben von Harvey Milk ein Denkmal zu setzen.

Dabei schafft es Van Sant beinahe erschreckend gut das Flair der 70er Jahre zum Leben zu erwecken. Wer ein Kinoticket für Milk kauft (und das solltet ihr unbedingt machen), der begibt sich auf eine Zeitreise, in eine Ära des Kampfes. Milk versteht es dabei herausragend zu zeigen, wie durch Unterdrückung Wut geboren wird, wie diese Wut in einem Widerstand gipfelt, und wie es dieser Widerstand schafft Fremde zueinander zubringen, die durch die gemeinsamen Ideale verbunden sind. Unterstützt durch den wunderbaren Score von Danny Elfman wird hier eine Verve erzeugt, die es schafft den Zuseher zu betören.

Über all dem thront ein unglaublicher, ja beinahe mystischer Sean Penn, der hier den neuerlichen Beweis dafür liefert, dass er einer der größten unserer Zeit ist. Gemeinsam mit der fablenhaften Leistung von Mickey Rourke in The Wrestler ist dies wohl die denkwürdigste Performance des Jahres. Sean Penn legt seinen Harvey Milk nicht als Helden an, sondern einfach als Menschen, der mit der Situation unzufrieden ist, und beschließt etwas dagegen zu unternehmen. Wer ihn in Dead Man Walking und Mystic River gesehen hat, wird verblüfft sein, mit welcher galanten Leichtigkeit er hier in diese feinfühlige Rolle schlüpft, und mit welcher Präzision er hier ans Werk geht. Es sind vor allem die kleinen Gesten und die winzigen Details, die von Sean Penn so virtuos herausgearbeitet werden, die diese Leistung so atemberaubend werden lassen. Das ist ganz große Schauspielkunst, und Sean Penn ist ein Musterbeispiel für einen Vollblutdarsteller.

Zusätzlich zur meisterhaften Darbietung von Sean Penn (den man für diesen Film gar nicht genug loben kann), gibt es auch noch zwei andere, die sich großes Lob verdienen: James Franco darf als sympathischer Partner zeigen was in ihm steckt. Somit liefert er nach Ananas Express gleich seine zweite bemerkenswerte Darstellung in diesem Jahr ab, und man kann gespannt sein, wie es mit ihm weiter geht. Und besonders imposant ist auch Josh Brolin, der nach seinen tollen Leistungen in American Gangster, No Country for Old Men und W. erneut beweist, dass er zweifellos zur A-Garnitur der Hollywooddarsteller gehört. Sein religiöser Dan White, der die Schwulen hasst, ist eine Herausforderung, die von Brolin fabelhaft gemeistert wurde.

Milk ist also durch und durch ein Highlight geworden. Der Film schafft es, so gut wie ohne nennenswerte Schwächen, eine bedeutende Zeitepoche zum Leben zu erwecken, und trotz der tragischen Handlung eine bemerkenswerte Verve aufrecht zu halten, die den Zuseher durch den Film trägt. Gus Van Sants Milk ist ein mutiger, weitsichtiger und vor allem intelligenter Film, der darauf verzichtet seine Botschaft durch zu hämmern und Feinde an den Pranger zu stellen, sondern stattdessen einfach auf wunderbare Weise für mehr Toleranz wirbt. Ein wirklich großer Film, und mit Sicherheit einer der Besten des Jahres (und wohl auch ein heißer Kandidat auf so manche Oscarnominierung).

Fazit:
Gus Van Sant kann mit Milk erneut seine Klasse als Regisseur beweisen. Er versteht es virtuos die 70er Jahre zum Leben zu erwecken. 2008 wurde der erste schwarze Präsident Amerikas gewählt, und Milk zeigt den Kampf eines Menschen, der als erster bekennender Homosexueller in ein öffentliches Amt gewählt werden wollte. Sean Penn kann dabei sein scheinbar unbegrenztes Talent in die Waagschale werfen, und betört mit einer der besten Schauspielleistungen des Jahres. Vor allem aber ist Milk ein ehrlicher, weitsichtiger und intelligenter Film geworden, den man sich um nichts in der Welt entgehen lassen sollte. Ein ganz großer, kleiner Film.

Wertung:

9/10 Punkte

Filmering.at
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