Nach der Hochzeit

OT: -  120 Minuten -  Drama
Nach der Hochzeit
Kinostart: 27.04.2007
DVD-Start: 01.10.2014 - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Nach der Hochzeit

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Die dänische Regisseurin Susanne Bier konnte sich bereits einen Namen in der Filmwelt machen. Bislang beschränkt sich dieser gute Ruf allerdings nur auf die Kritiker und Cineasten. An der breiten Masse wird sie wohl bislang spurlos vorrüber gezogen sein. 1987 gewann sie bereits mit ihrem Film De Saliges, ihrem Abschlussfilm auf der Filmuni, den ersten Preis bei einem Hochschulfilmfestival in München. Besondere Aufmerksamkeit bekam sie durch ihre beiden Dogma Filme Open Hearts und Brothers. Mit Nach der Hochzeit könnte sie nun auch ein verhältnismäßig größeres Publikum finden, denn immerhin wurde ihr neustes Werk für einen Oscar als Bester fremdsprachiger Film vorgeschlagen. Den Preis hat er zwar nicht erhalten, aber dennoch ist Nach der Hochzeit ein Film, den es sich anzusehen lohnt.

 

Jacob (Mads Mikkelsen) leistet nun bereits seit einigen Jahren Entwicklungshilfe in Indien. Mit nur wenig Geld ausgestattet versucht er das Beste daraus zu machen und den Kindern so gut es geht zu helfen. Eines Tages bekommt er ein sehr merkwürdiges Angebot: Der Geschäftsmann Jørgen (Rolf Lassgård) will Jacobs Hilfsorganisation eine Menge Geld spenden, unter der Bedingung dass Jacob persönlich nach Dänemark kommt und sich mit ihm trifft. In Dänemark angekommen entwickeln sich die Ereignisse weiterhin ziemlich seltsam. Jørgen scheint überhaupt kein Interesse daran zu haben was Jacob über sein Hilfsprojekt zu erzählen hat und er will die Verhandlungen verschieben da seine Tochter an diesem Wochenende heiratet.

 

Jørgen lädt Jacob zur Hochzeit seiner Tochter ein und lässt diesem keine Möglichkeit sich rauszureden. Also kommt Jacob zur Hochzeit von Anna (Stine Fischer Christensen) und Christian (Christian Tafdrup). Dort trifft er seltsamerweise seine Jugendliebe Helene (Sidse Babett Knudsen), die jetzt mit Jørgen verheiratet ist. Weiters erfährt Jacob dass Anna gar nicht Jørgens leibliche Tochter ist und vom Alter würde sie genau in die Beziehung von Jacob und Helene passen. Soviel Zufall gibt es nicht und deshalb stellt Jacob Helene zur Rede. Diese hat jedoch auch keine Ahnung was Jørgen vor hat...

 

Diese kurze Einleitung in den Film kann bei weitem nicht die Stimmung wiedergeben die Nach der Hochzeit aufbauen kann. Ausserdem fällt auf dass diese Storyline sicher nichts radikal neues ist, sondern eigentlich schon häufig da war. Besonders ist nur wie sich Susanne Bier diesem Stoff annimmt. In einem sehr Dogma ähnlichen Stil legt sie viel Wert auf Details und zeigt schon mal Augen, Lippen, oder Hände in Großaufnahme. Diese Detaileinschübe, gepaart mit der interessanten, ruppigen Kameraführung geben Nach der Hochzeit einen besonderen Touch.

 

Auch ist es sehr löblich zu erwähnen wie es Susanne Bier schafft Spannung zu erzeugen, indem sie den Zuseher, genause wie den Helden, im Dunkeln tappen lässt. Man kann nicht hinter die Motive von Jørgen sehen und fühlt sich in einigen Szenen fast bedroht von ihm. Die Geschichte entwickelt eine sehr intensive Dynamik und kann den Zuseher von Anfang an fesseln. Die Auflösung selbst wird dann allerdings keinen erfahrenen Kinogänger vom Stuhl fegen und deshalb wird der Film, nachdem das Geheimnis gelüftet ist, auch deutlich schwächer.

 

Besonders positiv muss man James Bond Bösewicht Mads Mikkelsen erwähnen, der mit seiner Darstellung von Jacob einen sympathische Kerl spielt, dem man seine Ideale zu jedem Zeitpunkt abnimmt. Er schafft es weiters der klare Sympathieträger des Films zu sein und seine kumpelhafte Darstellung hat einfach Charme. Ihm gegenüber steht die tragische Figur des Jørgen, der zunächst ein undurchsichtiger Gegenspieler ist, aber sich dann im Film wandelt. Diese Figur war sicher schwer zu spielen, aber Rolf Lassgård hat die Aufgabe über den Großteil der Zeit sehr gut gelöst. An manchen Stellen gibt es etwas Overacting, aber das wirkt sich nicht besonders tragisch aus.

 

Somit ergibt sich Nach der Hochzeit als ein Film, der auf jedenfall sehenswert ist und es schafft tragische Momente, sympathische Figuren und traurige Situationen unter einen Hut zu bringen und den Zuseher auf eine emotionale Berg- und Talfahrt mitzunehmen. Nachdem das Geheimnis gelüftet ist geht dem Film jedoch etwas die Luft aus und man weiß nicht recht auf was er noch hinaus will. Deshalb erreicht Nach der Hochzeit im letzten Drittel nicht mehr ganz die Klasse wie zuvor.

 

Fazit:

Nach der Hochzeit ist ein sehr interessant gefilmtes Drama, dass zu Beginn eine sehr gute Atmosphäre aufbauen kann und es schafft auf subtile Weise Spannung zu erzeugen. Das große Geheimnis des Films wird allerdings keinen vom Hocker hauen und nach der Auflösung verliert der Film auch an Fahrt. Dennoch bleibt Nach der Hochzeit ein sehr starkes Drama mit einem sympathischen Mads Mikkelsen in Hochform.

 

Wertung:

7,0/10 Punkte

Filmering.at
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