Buddenbrooks (2008)

OT: Buddenbrooks - 152 Minuten - Drama
Buddenbrooks (2008)
Kinostart: 26.12.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Buddenbrooks

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Viele erinnern sich vielleicht gar nicht mehr daran, aber noch lange bevor es Kino gab, wurden Bücher gelesen und geschrieben. Zugegeben, ein sehr mauer Einstieg in die folgende Kritik, aber auch  der Versuch, mich dem Niveau des Films anzupassen. BUDDENBROOKS, Thomas Manns Standardwerk, die Geschichte einer Lübecker Handelsfamilie mit reicher Tradition im 19. Jahrhundert, aufbereitet für eine „neue Generation“ ab 25.12. in unseren Kinos.

Regisseur Heinrich Breloer inszenierte bereits DIE MANNS, oder SPEER UND ER als Großproduktionen fürs deutsche Fernsehen. Mit BUDDENBROOKS nimmt er sich erneut einem Stück deutscher (Literatur-) Geschichte an und präsentiert ein pompöses, schwermütiges und einfach nicht vom Fleck kommendes – ja, Fernsehspiel für die große Leinwand. Mit Stars wie Armin Mueller-Stahl, Iris Berben oder August Diehl in den Hauptrollen.

Knapp 800 Seiten Romanvorlage kondensiert in 150 Minuten der Fernsehfilmkonvention. Ein Projekt, das aufgrund dessen zum Scheitern verdammt ist, weil es elementare Dinge wie Charakterzeichnung oder Tiefgang außen vor lässt oder lassen muss. Stattdessen wird unser Auge mit pompöser Ausstattung verwöhnt – und selbst da hätte sich Breloer wenigstens an Visconti ein Vorbild nehmen können. Es scheint aber, als hätte er IL GATTOPARDO nie oder zu wenig oft gesehen, denn sonst wüsste er, dass man bei eleganten Tanzszenen nicht so hektisch mit der Kamera rumfuchteln müsste und über den Schnitt Dinge zu retten, die ohnehin dem Untergang geweiht sind. Bedächtigkeit ist die Sache des Filmlooks nicht, schon eher aber die der Arbeiter im Kontor am Hafen, die mit einer Mischung aus Lethargie und übertriebener Behutsamkeit die Kornsäcke hin und her transportieren.

Den Vorwurf, die Dichte des Romans nicht mal ansatzweise filmische Realität werden zu lassen, spare ich mir an dieser Stelle – wie zu erwarten verkommt BUDDENBROOKS zum reinen Abklappern von Hochzeiten und Todesfällen in der Familie (in den letzten 30 Minuten reiht sich tatsächlich ein Begräbnis an das nächste). Dass trotzdem nie Tempo aufkommt und man sich in den 150 Minuten nur mäßig unterhält, liegt eben genau an jenem Faktor, dass man scheinbar immer noch nicht kapiert hat, worum es bei Literaturverfilmungen gehen soll.

Die Besetzung liest sich zunächst sehr viel versprechend, doch schnell stellt sich auch hier Ernüchterung ein: Armin Mueller-Stahl zieht wie gewohnt sein Ding durch und gibt sich keinerlei Blöße, stiehlt sich dann aber nach einer knappen Stunde aus dem Film. Die Nachfolge als Patriarch übernimmt Mark Waschke (zu sehen im wenig bekannten aber großartigen NACHMITTAG von Angela Schanelec), der leider seine Präsenz nicht behaupten kann. August Diehl als hypochondrischer Bruder hat zwar einen dankbaren Part, den er mit seiner gnadenlosen Theatralik wieder zunichte macht. Jessica Schwarz blickt zumindest immer hübsch in die Kamera, und Iris Berben scheint nie so recht zu wissen, wie sie ihre Rolle anlegen sollte. Auch Austro-Export Nina Proll ist in einer Minirolle zu sehen, bleibt dabei aber äußerst farblos. Als miserabelste Performance mag wohl die von Sylvester Groth als Kesselmayer gelten. Dieser wird zwar auch im Buch als boshaft und teuflisch beschrieben, aus ihm aber ein „Rumpelstilzchen“ zu machen ist echt ein starkes Stück und beweist nur einmal mehr die niedere Natur des Films.  

Fazit:

Lieber doch das Buch lesen, oder die geniale Fernsehverfilmung aus den 70ern schauen – die Neuauflage ist ungefähr so interessant wie ein Rosamunde Pilcher Film am Sonntagabend (aber fast doppelt so lang). Das ist sehr schade, denn hätte man die möglichen Qualitäten des großen Ensembles etwas mehr in die Mitte gerückt, und sich weniger den crowd-pleasenden Fernsehkonventionen des 21. Jahrhunderts hingegeben, hätte durchaus eine interessante Neuverfilmung entstehen können. So reichts allerhöchstens für laue Sonntagabendberieselung…

Wertung:
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