Echte Wiener

OT:  Echte Wiener   -  90 Minuten -  Drama 
Echte Wiener
Kinostart: 19.12.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Nachdem es 30 Jahre still war um Mundl, Irmi und Co., meldet sich der echte Wiener, der angeblich niemals untergeht, wieder zurück, mitsamt seiner ganzen Familie. Jene Familie ist nun erwachsener und größer geworden, außerdem sind sie sehr zerstreut und uneins. Aber zum 80ten Geburtstag von Mundl (Karl Merkatz), will seine Frau Irmi (Liliana Nelska) das ändern und die ganze Familie wieder zusammenbringen. Doch das ist zunächst leichter gesagt als getan, und scheitert mehr als einmal an der unglaublichen Sturheit vom Mundl, der zwar nun um vieles älter, aber um nichts leiser geworden ist.

Leider ist er aber um vieles trauriger und depressiver geworden. Der ganze Film ist eine einzige Heulpartie und es vergeht kaum eine Szene in der nicht irgendwer zu weinen beginnt oder zumindest kurz davor steht. Wird mal für eine Weile nicht geweint, so muss das schnell aufgeholt werden und es weinen das nächste Mal halt zwei, drei oder gleich alle Figuren, die gerade im Bild sind. Vielleicht gab es ja zu Beginn eine Vertragsklausel, die vorschrieb wie oft geweint werden muss. Andernfalls ist es kaum zu erklären, warum Echte Wiener derart stark auf die Tränendrüse drückt, dass es im österreichischen Film seinesgleichen sucht. Es gibt momentan sicher nicht viele Filme, sowohl national, als auch international, die einen derart hohen Wasserstand ausschließlich durch Tränen erreichen, die pro Sekunde im Film vergossen werden.

Irgendwie ist es schade, dass dieser urige Wiener nun dazu verdammt wurde die sentimentale, rührselige Schiene zu fahren und mehr Wert darauf gelegt wird, den Zuschauer in eine nostalgisch verweinte Stimmung zu versetzen, anstatt in eine freudig euphorische Wiedersehenslaune. Zugegeben es gibt schon die eine oder andere humorvolle Szene, manchmal sogar den typischen Wiener Schmäh, und auch den einen oder anderen gesellschaftlichen und kulturellen Seitenhieb in bester Mundl Tradition. Doch diese Momente sind sehr rar und spärlich gesät, und reichen daher nicht aus, um den Film wie einen echten Wiener wirken zu lassen. Andererseits sollte man auch anmerken, dass es eventuell Zuschauer geben mag, denen gerade diese Sentimentalität und Nostalgie gefällt, und somit durchaus zufrieden mit dem Film sind.

Doch abgesehen von dieser stilistischen Niederlage, unterbietet sich der Film auch in Bezug auf seine Handlung. Die gesamte Geschichte wirkt weniger wie ein in sich stimmiger und schlüssiger Film, als viel mehr wie eine sinnlose Aneinanderreihung verschiedener Szenen, die einzig und alleine von einem bestimmenden Element zusammen gehalten werden, dem Mundl. Die Haupthandlung und die einzelnen Nebenhandlungen, dienen scheinbar einzig und alleine dem Zweck die Schauspieler weinen zu lassen, in der Hoffnung, dass es auf den Zuschauer ansteckend wirkt. Aber ohne einer stimmigen, wirkungsvollen Geschichte, die sich langsam aufbaut und immer mehr an Intensität gewinnt, verpufft die Wirkung des dauerweinenden Schauspielers ins Nichts, und alles was beim Zuschauer zurück bleibt ist der bittere Geschmack eines 16er Blechs und die Hoffnung, dass man bald Gelegenheit bekommt das Nächste zu trinken.

Ein guter Film ist zu vergleichen mit einem guten Bier. Kaum hat man eines getrunken, möchte man am liebsten zum Kühlschrank gehen und den nächsten Film konsumieren. Leider verhält sich das mit Echte Wiener nicht so. Stattdessen ist man froh, wenn der Film endlich ausgetrunken, sprich vorbei, ist. Aber gibt es wirklich nur schlechtes über den Film zu sagen? Die Antwort lautet nein! Karl Merkatz schauspielerisches Talent ist sogar in der Lage diesen ansonsten total misslungenen Film zumindest in ein solides Mittelmaß zu erheben. Auch die restliche Besetzung leistet ihr übriges dazu und zeigt, dass sie ihre Figuren scheinbar sehr gut kennen und beherrschen. Alle Original Sackbauer spielen ihre Rollen gekonnt, solide und auch routiniert, im positiven Sinn des Wortes wohlgemerkt. Anders verhält es sich da schon mit dem Sackbauer Zuwachs, der leider oft sehr blass und neben den alteingesessenen Hasen etwas fehl am Platz wirkt. Da merkt man, dass ihre Figuren, sowohl vom dramaturgischen, als auch vom darstellerischen, nicht derart ausgereift sind, wie die originalen Figuren aus der TV Serie Ein echter Wiener geht nicht unter.

Überhaupt bleibt am Ende leider nicht viel übrig vom Charme der TV Serie und der Film beweißt viel mehr das Gegenteil dessen, was im Titel der Serie impliziert wird. Ein echter Wiener geht unter! In diesem Fall nicht mit einem leisen Wimmern, sondern mit Rotz und viel Tränen. Und wenn am Ende des Films ein Begräbnis stattfindet (keine Sorge, nicht vom Mundl, so viel sei verraten!), wird gleichsam, symbolisch, eine Fernsehlegende zu Grabe getragen, und es bleibt zu hoffen, dass dies nun der letzte Auftritt von Mundl, Irmi und den Sackbauer war.

Fazit:

Echte Wiener ist leider kein gelungener österreichischer Film, und das obwohl er auf einer der kultigsten TV-Serien der heimischen Fernsehlandschaft basiert. Zu viele Tränen, zu viel Sentimentalität und unangebrachte Nostalgie. Zu wenig inhaltlicher Zusammenhalt, zu wenig Biss und Wiener Schmäh. Einzig die Schauspieler machen den Film sehenswert und sorgen, trotz aller Widrigkeiten, für einen halbwegs gelungenen Kinobesuch. Wer aber einen echten Wiener sehen will, sollte lieber zur TV Serie greifen.

Bewertung:

5/10 Punkte

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