Gran Torino

OT:  Gran Torino   -  116 Minuten -  Drama
Gran Torino
Kinostart: 06.03.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Gran Torino

Von am

So tenderly your story is, nothing more than what you see or what you’ve done, or will become, standing strong, do you belong in your skin, just wondering. Gentle now the tender breeze blows, whispers through my Gran Torino, whistlin’ another tired song. Engines hum and better dreams grow, heart locked in a Gran Torino, it beats a lonely rhythm all night long, it beats a lonely rhythm all night long.
Clint Eastwood, Gran Torino (End Credits Song)

Clint Eastwood ist vielleicht der Westernheld schlechthin. Spätestens seit er mit seinem Erbarmungslos das Genre mit Gefühl und Kraft zu Grabe trug, sollte jedem bekannt sein, dass er auch als Regisseur ein ganz Großer ist. Doch speziell im 21. Jahrhundert lieferte er einen großen Film nach dem anderen ab. Zumindest Mystic River, Million Dollar Baby und Letters from Iwo Jima sind Meisterwerke. Nun kommt sein neuster Streich: Gran Torino, der zwar nicht ganz die Klasse der oben genannten Filme erreicht, aber trotzdem das Clint Eastwood Gütesiegel verdient.

Walt Kowalski (Clint Eastwood) ist für die USA in den Koreakrieg gezogen und hat sein restliches Leben hart in einer Autofabrik gearbeitet. Nun da seine Frau gestorben ist, will er seinen Lebensabend in Ruhe verbringen. Da er keinen besonders guten Draht zu seiner Familie hat, bleibt ihm nur sein Gran Torino als Objekt zum Lieben. Doch da zieht plötzlich eine koreanische Familie im Nachbarhaus ein, und natürlich hält Walt nur wenig von ihnen. Doch richtig schlimm wird es erst, als deren jüngster Sohn Thao (Bee Vang) von seinem Cousin und dessen Gang dazu gezwungen wird den Wagen von Walt zu stehlen…

Man muss gleich zu Beginn anmerken, dass die Erwartungen an Clint Eastwood's Gran Torino wohl in eine ziemlich falsche Richtung gehen. Lange Zeit war nur der Titel bekannt, und deshalb gingen im Internet muntere Spekulationen los, was denn der neue Clint Eastwood Film genau werden würde. Bald kam auch das Gerücht auf, dass es sich um einen abschließenden Dirty Harry Film handeln würde, doch nachdem dies dementiert wurde, dafür aber die ersten Infos und schließlich der erste Trailer veröffentlicht wurde, ging das Verwirrspiel weiter. Denn alles deutete auf einen politisch unkorrekten Film im Stile der Dirty Harry Filme hin, aber tatsächlich ist Gran Torino etwas anderes geworden.

Im Kern ist die Rachethematik natürlich im Film vorhanden, denn von irgendwo müssen die Gerüchte ja herkommen, doch während der Trailer noch so wirkt, also würde sie das Zentrum des Films einnehmen, stellt sie in Wirklichkeit nur den Aufhänger für die Charakterentwicklung dar. Denn über weite Strecken ist Gran Torino ein äußerst ruhiger Film geworden, der sich viel Zeit nimmt um die Charaktere zu beleuchten. Das Zentrum bildet dabei ein wirklich großartig spielender Clint Eastwood, der sich wieder einmal von seiner besten Seite zeigt. Natürlich kennen wird den raubeinigen, grimmigen Kerl von ihm schon zur Genüge, aber trotzdem ist seine Rolle in Gran Torino irgendwie besonders.

Zunächst gibt sich Eastwoods Kowalski noch als unnahbarer Rassist, von dem man kaum glaubt, dass er einen ans Herz wachsen könnte. Seine Ansichten sind starr und altmodisch, sein Umgang mit der Familie ist nicht gerade liebevoll. Doch im Laufe des Films schafft es Eastwood seine Hauptfigur zu schleifen, er gibt uns Ansätze warum er denn so sein könnte. Abgesehen von seinen Erlebnissen im Krieg ist es vor allem ein schwieriges Verhältnis zu seinen Söhnen, welches sicher durch beide Seiten begründbar ist, welches hier Ansätze liefert, warum denn dieser Kowalski ein so schwieriger Mensch ist.

Ähnlich wie sein Frankie Dunn in Million Dollar Baby hat auch Walt Kowalski seine Probleme mit der Kirche, zu der es aber am Ende doch versöhnlichere Einstellungen gibt. Viel interessanter ist aber, wie sich diese Figur im Laufe des Films wandelt. Naturgemäß verhält er sich zur einziehenden Familie aus Korea einmal feindselig, aber bald schon wird er von ihrer Gastfreundschaft überrascht, und beginnt sich sogar mit Thao anzufreunden, der versucht hatte seinen heiligen Wagen zu stehlen. In diesen rührenden Szenen findet Eastwood einen Ersatzsohn, während Thao eine Vaterfigur bekommt, und obgleich man natürlich maulen könnte, dass dies kein revolutionäres, neues Kino ist, funktioniert Eastwoods langsame Ballade auf mehr Verständnis und weniger Vorurteile sehr gut.

Doch man muss auch klar auf den großen Negativpunkt von Gran Torino hinweisen, der verhindert, dass der Film zu den großen Eastwood Filmen aufsteigt. Denn Gran Torino kommt spürbar mit dem mahnenden Zeigefinger daher, liefert einen fast schon naiven Warnschrei gegen Rassismus, und wirkt stellenweise etwas überkonstruiert, in manchen Szenen zu aufdringlich auf die Botschaft weisend und vielleicht eine Prise zu melodramatisch. Das Publikum wird sich folgedessen auch in zwei Lager einteilen. Den einen wird der Filmgenuss vermiest, da sie die Parabel zu aufdringlich finden, und die anderen können über die Schwächen hinwegsehen, und lassen sich auf die ansonsten herzerwärmende Geschichte ein.

Wer meine Wertung gesehen hat, wird bereits wissen, dass ich zur letzterer Gruppe gehöre. Auch wenn es eine knappe Angelegenheit war, und schlussendlich meine Liebe zu Clint Eastwoods Stil den Ausschlag nach oben gegeben hat. Denn seine Regie ist nach wie vor angenehm dezent, er lässt Schauspieler und die Geschichte wirken, und behält immer eine sehr eloquente Stilistik bei, wie sie nur wenige Regisseure besitzen. Auch der Score ist stimmig, wenngleich auch Eastwood-typisch, und selbst das von ihm selbst mitgesungene Titellied Gran Torino ist sehr gelungen.

Doch das beste an Gran Torino bleibt die wundervoll Charakterwandlung von Walt Kowalski, und auch wie er die koreanische Familie gegen die Gang verteidigen will ist ergreifend. Gran Torino wird es sicher schwerer haben, als die weitläufig anerkannten Meisterwerke von Eastwood, da der Film, wie bereits erwähnt, nicht ohne Schwächen ist. Dennoch sollten Freunde von Mystic River und Million Dollar Baby nicht zögern ins Kino zu gehen. Denn vielleicht wird man Clint Eastwood nie wieder so stark agieren sehen, und trotz Schwächen ist sein Gran Torino eine kräftige, aber gleichzeitig besonnene Ballade, der man sich gerne hingibt.

Fazit:
Eines Vorweg: Gran Torino ist weder der Rachefilm, den viele erwarten, noch bewegt sich der Film auf Augenhöhe mit Eastwoods Meisterwerken. Doch trotzdem sollten alle die mit dem Stil von Mystic River und Million Dollar Baby etwas anfangen können, keine Sekunde zögern. Denn Eastwoods Film ist ein rauchiges Jazz-Stück, eine kräftige Ballade, und ganz einfach ein stimmiges Stück eloquentes Filmhandwerk. Man kann nicht abstreiten, dass man hier vielleicht etwas zu aufdringlich mit der Moralkeule wedelt, und ja, der Film übertreibt es vielleicht in manchen Szenen, doch insgesamt ist Gran Torino das was man von Eastwood erwartet: Ein stilsicheres Drama, jongliert von sicheren Regiehänden, gespielt mit großer Intensität und vorgetragen wie ein sanftes Flüstern. Ein klassischer Eastwood eben.

Wertung:

8/10 Punkte 

Filmering.at
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Ø Wertung: 8.2/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 110
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