Frost/Nixon

OT: Frost/Nixon - 122 Minuten - Drama
Frost/Nixon
Kinostart: 06.02.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Frost/Nixon

Von am

When the president does it that means that it is not illegal.
Richard M. Nixon

Der ehemalige Präsident Richard M. Nixon ist schon ein ganz spezieller Fall in der US-Geschichte. Bis dato ist er der einzige US-Präsident der von seinem Amt zurückgetreten ist. Ausgelöst durch die Watergate-Affäre, hochgepusht durch den Vietnamkrieg und verstärkt durch seine Lügen wurde er zu einem der verhasstesten Präsidenten der Geschichte. Das TV-Leichtgewicht David Frost forderte ihn einst in einem TV-Interview heraus, und schaffte das, was vor ihm keiner schaffte: Er brachte Nixon dazu sich für seine Taten zu entschuldigen.

Der oscarnominierte Autor Peter Morgan fasste dieses legendäre TV-Interview in ein Bühnenstück, das unter anderem für den Tony Award nominiert war. Nun nahm sich Regisseur Ron Howard des Stoffes an, und versuchte das Stück auf die Leinwand zu bringen. Das Drehbuch schrieb natürlich ebenfalls Peter Morgen, der in letzter Zeit mit seinen Büchern zu Der letzte König von Schottland und Die Queen bewiesen hatte, dass er historische Themen stark für die Leinwand adaptieren kann. Die Hauptrolle spielen die beiden großartigen Michael Sheen und Frank Langella, die sich bereits auf der Bühne duellierten.

David Frost (Michael Sheen) hat sich einen Namen als Talk-Show Host und Interviewer von Berühmtheiten gemacht. Nachdem Präsident Nixon (Frank Langella) von seinem Amt zurückgetreten ist, hat Frost eine Idee: Er will Nixon eine Rekordgage zahlen, damit sich dieser auf ein Interview mit ihm einlässt. Schließlich kann man Nixon tatsächlich ködern, aber da kein großer TV-Sender an dem Interview interessiert ist, bezahlt Frost den Großteil aus eigener Tasche und zieht alles in Eigenregie auf. Gemeinsam mit seinem Team, unter anderem Bob Zelnick (Oliver Platt) und James Reston Jr. (Sam Rockwell) bereitet er sich darauf vor dem Präsident gegenüber zu treten. Und dann muss er lernen warum man Nixon auch „Tricky Dick“ nennt…

Heißt der Regisseur Ron Howard, so kann man sich im Normalfall zumindest optisch und technisch auf einen ausgereiften Film freuen. Handwerklich hat es Howard zweifellos drauf, aber da er eine unglaubliche Schwankung in der Qualität seiner Filme aufweist, hat er nicht zu Unrecht den Ruf als ein Auftragsfilmer. Somit ist es durchaus schwer einzuordnen auf was man sich einlässt wenn man sich seine Filme ansieht. Mit Frost/Nixon kehrt er wieder zu seinem bewehrten Rezept aus Filmen wie Apollo 13 und A Beautiful Mind zurück: Ein historisches Ereignis stimmig, unterhaltsam aber auch mit künstlerischer Freiheit aufzubereiten.

Aber Frost/Nixon reiht sich auch qualitativ zu den beiden oben genannten Filmen ein, und kann sich sicherlich zu den besseren Filmen Ron Howards zählen. Es sind einige große Themen, deren sich Frost/Nixon annimmt. Zunächst ist der Film ein klares Plädoyer für die Möglichkeiten des Fernsehens. Das Leichtgewicht Frost, wendet sich von einfachen Talk-Shows ab, und versucht dem gefallenen Präsidenten auf den Zahn zu fühlen. Niemand steht über dem Gesetz, und das Ziel ist es Nixon dazu zu bringen seine Schuld zuzugeben.

Dabei lässt man auch nicht ausser Acht, welche andere Möglichkeiten das Fernsehen bietet. Nicht wenige glauben, dass Nixon die Präsidentschaftswahl 1960 nur verloren hat, weil er bei weitem weniger telegen war als sein Konkurrent John F. Kennedy. Wie es Nixon im Film sagt: Die Leute die das TV-Duell über Radio verfolgt haben, dachten Nixon habe gewonnen. Somit analysiert Frost/Nixon gekonnt die Möglichkeiten der Großaufnahme, die einen Menschen erschaffen und zerstören kann. Schlussendlich kann ein ganzen Land verfolgen wie ein Mann in der Großaufnahme zerfällt, und alleine sein Blick seine Schuld bestätigt.

Einen Großteil zum Gelingen tragen dabei die ausgezeichneten Darsteller bei. Erzählt wird der Film aus der Perspektive von David Frost. Michael Sheen gibt sich dabei ähnlich gut, wie man ihn auch schon als Tony Blair in The Queen gesehen hat. Auch Sam Rockwell überzeugt als glühender Verfechter der Demokratie, der unbedingt Nixon zu Fall bringen will. Doch das schauspielerische Glanzstück liefet ganz klar der umwerfende Frank Langella, der zwar Nixon nicht direkt ähnlich sieht, aber dafür so ein unglaublich einprägsames Bild des Präsidenten erschafft, dass er vielleicht sogar insgesamt noch eindringlicher wirkt als Anthony Hopkins im Oliver Stone Film Nixon. Langella ist eine unnahbare Kraft, die einen verstehen lässt, warum Nixon auch als Tricky Dick bekannt war.

Langella wirkt undurchdringlich, berechnend und weitsichtig. Sein Nixon ist eine wandelnde Naturgewalt, gespielt mit einer solchen darstellerischen Finesse, dass man sich verneigen möchte. Neben den gefürchteten Ausrastern, sind es vor allem die kleinen Momenten, in denen seine Fassade bricht, die besonders herausragend sind. Wenn ihm zum Beispiel überraschend Bilder gezeigt werden, welche Auswirkungen sein Krieg hatte, oder als er das Weiße Haus verlässt und vom Hubschrauber abgeholt wird, oder als er sich bei der Öffentlichkeit entschuldigt, immer dann dringt kurz der verletzliche Nixon durch. Ron Howard versteht es dabei sehr gut die Kraft der Großaufnahme auszunutzen, und verweist einerseits auf ihre manipulative Wirkung, und setzt sie gleichzeitig ein, um uns die Einsamkeit im Herzen Nixons zu zeigen. Ein raffinierter Schachzug.

An manchen Stellen erinnert Frost/Nixon auch an Filme wie Die Unbestechlichen, der ja thematisch auch nicht gerade weit entfernt ist. Überhaupt ist es wohl ratsam zur gegenseitigen Ergänzung sowohl Frost/Nixon, als auch Die Unbestechlichen und Nixon zu sehen, da Frost/Nixon selbst nur ein kleines Puzzelstück im Nixon-Mosaik ist, und es ratsam ist, dass man Vorwissen und Interesse mitbringt, um seine Freude am Film zu haben. Denn Frost/Nixon selbst wird wohl allen, die sich nicht mit der Geschichte rund um Präsident Nixon auskennen, nur wenig gefallen. Da es aber bereits zwei andere sehr gelungene Filme gibt, die den Themenbereich ergänzen, bietet es sich förmlich an diese anzusehen.

Den Schlagabtausch zwischen Frost und Nixon inszeniert Ron Howard schlau und eloquent, nämlich als ein Duell das intellektuell und psychologisch ausgefochten wird. Der Grundstein für den Sieg wird aber bereits in den Vorbereitungen gelegt. Stellenweise mutet der Kampf zwischen Frost und Nixon an wie ein Boxkampf, bei dem es das Ziel ist den Gegner aus der Defensive zu locken. Dabei hat man sich natürlich einige Veränderungen gegenüber dem richtigen Interview erlaubt, aber dies ist wohl notwendig um auf einen punktgenauen filmischen Nenner zu kommen. Und das Wichtige ist doch nicht die wortgenaue Rekonstruktion, sondern das Einfangen der dramatischen Aura, und der inhaltlichen Wucht.

Der einzige Negativpunkt findet sich vielleicht darin, dass Ron Howard ein etwas zu „glatter“ Filmemacher ist, und so erweisen sich die Eskapaden des Lebemanns Frost als nicht ganz so fesselnd. Howard nimmt eben sehr viel Rücksicht auf ein Mainstreampublikum, aber das konnte man natürlich auch schon ahnen, da er noch nie anders vorgegangen ist. Und in da in Frost/Nixon qualitativ hochwertige Unterhaltung geboten wird, die es schafft zu packen und zu begeistern, kann man auch gerne über den manchmal etwas glatte Stil von Ron Howard hinwegsehen. Insgesamt ist Frost/Nixon also äußerst gefälliges Schauspielerkino, das nur ganz knapp eine noch höhere Wertung versäumt.

Fazit:
Mit Frost/Nixon liefert Ron Howard einen Film ab, der etwas an A Beautiful Mind und Apollo 13 erinnert. Erneut widmet sich der Regisseur einem historischen Kontext, und bereitet ihn durchaus stimmig, aber auch etwas glatt auf, sodass ein interessiertes Mainstreampublikum mit Sicherheit seine Freude daran hat. Die wahren Großleistungen vollbringen aber die Darsteller. Hervorzuheben sind sicher Michael Sheen, Kevin Bacon und Sam Rockwell, die eine ausgezeichnete Grundlage bilden, aber die wahre Meisterleistung vollbringt Frank Langella als Präsident Nixon, der hier eine unglaublich intensive Aura erschafft. Da der Film auch handwerklich makellos bleibt, kann sich Frost/Nixon schon einmal auf einige Oscarnominierungen einstellen.

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
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Liste von sara_van
Erstellt: 19.09.2012