Der Tag, an dem die Erde stillstand

OT:  The Day The Earth Stood Still  -  103 Minuten -  SciFi 
Der Tag, an dem die Erde stillstand
Kinostart: 12.12.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Der Tag, an dem die Erde stillstand

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„Wenn die Erde stirbt, sterben die Menschen. Wenn die Menschen sterben, überlebt die Erde.“

Dies ist die zentrale Aussage des Remakes von Robert Wises gleichnamigen Sci-Fi Klassiker aus dem Jahre 1951. Bei der aktuellen Version führte der weithin unbekannte Scott Derrickson Regie und bemühte sich den Film für die heutige Generation Kinogänger auf den neuesten Stand der Dinge zu bringen. Zumindest in einer Hinsicht ist ihm das gelungen. Das Eingangs angeführte Zitat, im Film gesprochen vom außerirdischen Invasoren Klatuu (Keanu Reeves), ist die Kernbotschaft des Films und zielt eindeutig auf den acht- und respektlosen Umgang der Menschheit mit ihrem Heimatplaneten ab. Diese Aussage hat heutzutage durchaus ihre Berechtigung und Relevanz, da unser Umgang mit dem Planeten Erde wirklich mehr als zu wünschen übrig lässt. So gesehen scheint es fast so, als wären Klatuu und die Gruppe Außerirdischer, die er repräsentiert, die Protagonisten, während wir Menschen zu den Antagonisten gemacht werden.

Dadurch ist man von Anfang an auf Klatuus Seite, der gerade durch Keanu Reeves extrem emotionslose Performance zum Leben erweckt wird und einen der (seltenen) Höhepunkte des Films darstellt. Der Grundgedanke sieht so aus, dass es nur eine handvoll bewohnbarer Planeten im Universum gibt, und die Außerirdischen nicht zulassen können, dass wir unseren Planeten aufgrund unserer angeborenen Dummheit alles um uns herum zu vernichten, zu Grunde richten. Also greifen sie ein und senden Klatuu und Gort, einen gigantischen biologischen Roboter, auf die Erde um uns Menschen entweder doch noch zur Vernunft zu bringen, oder, falls das misslingt, uns auszulöschen. Letzteres tritt ein, aber leider nicht mit der notwendigen Konsequenz die dieser Film verlangt hätte. Schnell degradiert die gesamte Handlung zur typischen Hollywood Massenware, die bloß auf Bombast und Spektakel setzt, ohne dabei die Substanz und den Inhalt hinter all dem zu berücksichtigen. Sofort fürchtet man zu wissen, was als nächstes geschehen wird, und tatsächlich, es geschieht genau so. Der Film entwickelt sich exakt so weiter, wie man es erwartet, ohne dass man als Zuschauer je herausgefordert oder in irgendeiner Art und Weise auf die Probe gestellt, geschweige denn zum nachdenken angeregt wird. Dabei gibt der zugrunde liegende Stoff genug Potenzial her, um sich darüber wirklich mal Gedanken zu machen.

Stattdessen begnügt man sich mit arroganten Menschen, omnipotenten Außerirdischen und vielen Special Effects, die zumindest für ein gutes Einspielergebnis sorgen werden. Und zugegeben, es hat schon seinen Reiz zu sehen, wie Klatuu und Gort der Menschheit in den Arsch tritt und uns einen ordentlichen Denkzettel in Sachen Macht und Demut verpasst. Der Untergang der Menschheit als unterhaltsames Spektakel. Was vor allem darin begründet liegt, dass Klatuu der eigentliche Held des Films ist und man in Wahrheit zu ihm hält, und nicht zu den Menschen. Insgeheim hofft man, dass dieser verdammt gutaussehende, stets großartig gekleidete, coole und extrem mächtige Außerirdische es schafft uns Menschen den Gar auszumachen und uns ein für allemal vernichtet. Irgendwie wünscht man sich, dass seine Mission Erfolg hat. Denn die Menschheit, abermals grandios repräsentiert durch die glorreichen Vereinigten Staaten, die ja in Filmen dieser Art stets als Stellvertreter für die ganze Menschheit gilt, ist nämlich im Grunde nichts weiter als ein lästiges Insekt oder ein verheerender Virus (siehe Matrix und Agent Smiths Ansichten zur Menschheit!), der beseitigt werden muss, um das Überleben des Planeten und all seiner Bewohner zu garantieren.

Ein lobenswertes Ziel, ohne Zweifel. Ein Grund mehr, auf Klatuus Seite zu stehen. Denn eines schafft der Film durchaus, er repräsentiert die Menschen tatsächlich als das was sie sind, eine extrem arrogante Plage für diesen Planeten. Immerhin maßen wir uns an, dass die Erde und alles was sich darauf befindet tatsächlich uns, der sogenannten „Krone der Schöpfung“, gehört und wir damit machen können was wir wollen. Ein Missverständnis, das Klatuu sehr früh zu berichtigen weiß. Doch was ist von all dem tatsächlich im Film vorhanden? Leider zu wenig! Scott Derrickson verzichtet auf Substanz und inhaltliche Brisanz, zugunsten von Hollywoodkitsch, Logikfehlern, eine schlechte Besetzung (mit Ausnahme von Keanu Reeves) und einem vorhersehbaren Weltuntergangsfilm im Stil von Independence Day (1996) oder Krieg der Welten (2005).

Keanu Reeves ist, wie bereits erwähnt, eine optimale Besetzung für die Rolle, obwohl (oder vielleicht gerade weil) seine Darstellung sehr oft an eine seiner bekanntesten Rollen erinnert. Es ist gerade seine emotionslose Performance, die sich derart wohltuend von allen anderen Darstellern des Films abhebt, die ständig versuchen mit übertriebenen Gefühlen, Klatuus Herz zu erwärmen. Diese Gefühlskälte des Außerirdischen wirkt wie Balsam auf der geschundenen Seele des, von Kitsch und Klischees gequälten, Zuschauers. Am schlimmsten ist dabei die extrem haarsträubende Fehlbesetzung von Jaden Smith. Einmal mehr wird offensichtlich, was man spätestens seit Jimi Blue Ochsenknecht wissen sollte, nämlich dass man als Kind eines erfolgreichen und bekannten Schauspielers nicht unbedingt über schauspielerisches Talent (oder sonst irgendein Talent) verfügen muss, um eine große Rolle in einem erfolgversprechenden Film zu landen. Denn der kleine Bengel von Will Smith beweist in diesem Film, dass er über keinerlei Begabung verfügt um eine derartig emotionsgeladene Rolle zu spielen, wie es seine Figur eigentlich erfordert hätte. Es sei denn es war beabsichtigt, dass sein Charakter unsympathisch rüber kommen soll. Es hätte dem Film mit Sicherheit nicht geschadet, wenn man sich lieber auf einen guten Kinderdarsteller verlassen hätte, anstatt Papa Will einen Gefallen zu tun und seinen untalentierten Sohn unterzubringen, damit der sein Taschengeld aufbessern kann.

Aber abgesehen davon, sind auch Jennifer Connelly, die wieder einmal eine Wissenschaftlerin spielen darf, und die ansonsten eigentlich sehr gute Kathy Bates hoffnungslos fehlbesetzt. Dies führt sogar dazu, dass auch das Aussehen mancher Charaktere vollkommen lächerlich wirkt und zu unfreiwilligen Lachern führt. Davon nicht genug, müssen ausnahmslos alle fehlbesetzten Schauspieler, teils extrem aberwitzige Dialoge und Sätze vom Stapel lassen, die für Klatuu und Gort eigentlich Anlass genug sein sollten, die Menschheit endgültig zu vernichten. Das einzige was uns da wohl noch retten kann, sind die absolut sehenswerten Special Effects, ein optimaler Keanu Reeves und eine zumindest großartige und lobenswerte Ausgangsidee, die zwar leider vollkommen verhunzt wurde, aber zumindest in einigen wenigen Momenten durchscheinen kann und dem Film damit ein gewisses Maß an Rechtfertigung einräumt. Außerdem muss man neidlos zugeben, dass Der Tag an dem die Erde still stand Massenware vom feinsten ist, die ohne Mühe mit solchen Filmen wie Independence Day (1996), Armageddon (1998) oder The Day after Tomorrow (2004) mithalten kann, und dahingehend zumindest keine Langeweile aufkommen lässt.

Fazit:

Der Tag an dem die Erde still stand ist zwar kein denkwürdiger Film und wird schnell in Vergessenheit geraten, kann aber einem unkritischen Zuschauer zumindest eine unterhaltsame Zeit bieten. Weder die Spezialeffekte, noch Keanu Reeves, noch die Ausgangsidee, lassen zu wünschen übrig. Schade, und extrem bitter, ist nur, dass die Thematik und die Geschichte des Films weit mehr hergegeben hätte. Das Potenzial wurde nicht mal ansatzweise ausgeschöpft und hätte einen um Längen besseren Film ergeben können. Aber scheinbar ist es heutzutage in Hollywood nicht mehr möglich einen wirklich aufwühlenden und brisanten Sci-Fi Film zu machen.

Wertung:

4/10 Punkte 

Filmering.at
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Ø Wertung: 5/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 28
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