Tintenherz

OT:  Inkheart   -  106 Minuten -  Fantasy 
Tintenherz
Kinostart: 12.12.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Die Vermischung aus Fantasie und Realität ist durchaus in der Lage für anregende und imaginative Unterhaltung zu sorgen. Im Falle von Tintenherz wird die Imagination vorwiegend von bereits bestehenden literarischen Klassikern angeregt und es finden sich darin viele charmante Anspielungen und Witzelein auf Literaten und ihre Werke wieder. Wodurch die Fantasie naturgemäß einen großen Handlungsspielraum hat, kann sie sich doch von Jahrhunderten der Literaturgeschichte ungeniert bedienen. Selbst der fiktive Roman „Tintenherz“, der in der Geschichte eine wesentliche Rolle spielt und nicht umsonst der Namensgeber für diesen Film ist, birgt starke Ähnlichkeiten mit einem allseits bekannten Werk des Schriftstellers J.R.R. Tolkien. Was vermutlich mit ein Grund ist, warum die Besetzung von Andy Serkis als Oberschurke Capricorn naheliegend war.

Der Film basiert übrigens auf dem gleichnamigen Kinderbuch der deutschstämmigen Autorin Cornelia Funke. Die übrigens persönlich darauf bestanden hat, dass Brendan Fraser, entgegen den Wünschen des Studios, die Hauptrolle übernimmt. Eben jener Mo „Silvertongue“ Folchart ist nämlich einer der wenigen Menschen, der in der Lage ist, durch lautes Vorlesen die Charaktere eines Buches zum Leben zu bringen. Dies geschieht aber stets im Austausch mit einem realen Menschen, der für die fiktive Figur in das jeweilige Buch verbannt wird. Im Laufe der Geschichte findet Mo’s Tochter Meggie Folchart (Eliza Bennett) heraus, dass nicht nur ihr Vater diese Begabung hat und viel wichtiger als das, was der wahre Grund für das Verschwinden ihrer Mutter ist.

Obwohl diese Vater-Mutter-Tochter Dreiecksbeziehung die Hauptgeschichte des Films bildet, ist es die von Paul Bettany verkörperte Figur des Dustfinger (ebenfalls eine Figur aus dem fiktiven Roman „Tintenherz“), die den eigentlichen emotionalen Dreh- und Angelpunkt des Films bildet. Obwohl er doch bloß eine erfundene Figur ist, besitzt Dustfinger mehr Menschlichkeit, und vor allem mehr menschliche Schwächen, als alle anderen Figuren des Films. Obschon er sich nichts sehnlicher wünscht, als wieder nach Hause zu seiner Familie zu kommen, in die Welt des Romans „Tintenherz“ eben, ist er aber noch lange kein strahlender, draufgängerischer Held, der jedem Risiko strotzt um sein Ziel zu erreichen. Er zeigt seine Schwächen und überwindet sie, was ihn zu einem weitaus interessanteren Helden macht, als die Hauptfigur Mo Folchart. Der scheinbar nie Angst oder Schwächen zeigt, wenn es darum geht sein Ziel zu erreichen.

Trotzdem ist Brendan Frasers Performance solide und er holt wohl alles aus der Figur raus, was sie hergibt. Weitaus enttäuschender ist da schon Helen Mirren als Elinor Loredan, eine Verwandte von Mo. Nicht nur dass ihre Performance weit unter den Erwartungen zurück liegt, scheint auch ihre Figur vollkommen nebensächlich und unbedeutend zu sein. Ein gutes Beispiel für einen unnötigen Charakter, ohne dem der Film genau so gut funktionieren würde. Letztlich trägt sie so gut wie nichts zur Handlung bei, und jene wenigen Augenblicke, wo sie tatsächlich etwas wesentliches vollbringt, könnten genau so gut von einer anderen Figur übernommen werden. Dies drückt sich am stärksten im finalen Showdown des Films aus.

Gerade jenes Finale ist vollkommen konfus und verwirrend geraten, selbst wenn Helen Mirrens Figur nicht mitmischen würde. Am Ende wollte der Filmemacher einfach zu viel, in zu kurzer Zeit verpacken und es tummeln sich alle Charaktere des Films herum, woraus ein einziges, riesiges Durcheinander entsteht. Dies aufzulösen gelingt dem Film leider in keiner Weise. Der Zuschauer wird von einer Handlung zur nächsten katapultiert, ohne je die Möglichkeit zu bekommen sich irgendwie zurecht zu finden. Was zum Teil auch daran liegen mag, dass nicht jede dieser Handlungen wirklich vollkommen durchdacht und in sich schlüssig war.

Was irgendwie schade ist, da der Film, bis zu jenem verworrenen Finale, ein durchwegs erfrischender Fantasyfilm war. Dabei lebt er einerseits von seiner offensichtlichen Liebe zum Fantasygenre, zum anderen vor allem von seiner spielerischen Integration der literarischen Welt, insbesondere der Welt der Kinderliteratur. Aber es sind nicht nur Kinder das Zielpublikum des Films. Auch Erwachsene können durchaus ihre Freude an Tintenherz haben und sich zurücklehnen und einen unterhaltsamen Kinoabend genießen, wenngleich einige Unstimmigkeiten dem allzu aufmerksamen Beobachter vielleicht ein wenig verstimmen mögen.

Fazit:
Tintenherz ist ein großteils gelungener Fantasyfilm für jung und alt, der zwar zweifellos seine Schwachstellen hat, aber dennoch ohne weiteres für Unterhaltung sorgt. Einzige Ausnahme stellt da der finale Showdown dar, der leider zu stark mit allen möglichen Handlungen und Figuren überladen wurde, und somit zu einem konfusen Durcheinander verkommt. Trotzdem kann man sich den Film getrost im Kino anschauen. Man bekommt zwar kein Meisterwerk zu sehen, aber zumindest großteils gelungene Figuren und eine charmante Geschichte.

Bewertung:

7/10 Punkte

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Liste von mausmaus
Erstellt: 11.11.2013