1492 - Die Eroberung des Paradieses (1992)

OT: 1492: Conquest Of Paradise - 154 Minuten - Historien / Abenteuer
1492 - Die Eroberung des Paradieses (1992)
Kinostart: 15.10.1992
DVD-Start: 09.08.2012 - Blu-ray-Start: 09.08.2012
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Filmkritik zu 1492 - Die Eroberung des Paradieses

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Zum 500jährigen Jahrestag der Entdeckung Amerikas ließ Europa es sich nicht nehmen, dieses Jubiläum gebührend zu feiern. Doch weder Spaniens „Christopher Columbus: The Discovery“ vom fünfmaligen Bond-Regisseur John Glen, noch Frankreichs durch Ridley Scott („Blade Runner“, „Gladiator“) realisierter „1492: Conquest of Paradise“ wurde den Ansprüchen gerecht. Zwar protzten beide Filme nur so mit Starpower, die Nase vorn hat letztlich aber Scotts bildgewaltige, epische Entdeckerreise dank seiner visuellen Brillanz, des Vangelis-Scores (nach „Someone to Watch Over Me“ und „Blade Runner“ die dritte Zusammenarbeit) und Scotts wie besessen aufspielendem Wunschkandidaten Gérard Depardieu („Cyrano de Bergerac“, „Vidocq“). Ein gewisser Georges Corraface, noch am ehesten durch John Carpenters „Escape from L.A.“ als Cuervo Jones bekannt, hatte dem französischen Filmstar nur wenig in der Konkurrenzproduktion entgegenzusetzen.

Hätte nicht Ridley Scott mit seiner überlegenen optischen Versiertheit auf dem Regiestuhl Platz genommen, wäre „1492: Conquest of Paradise“ höchstwahrscheinlich den Bach runtergegangen. Roselyne Boschs („Pakt des Schweigens“, „Animal“) Drehbuch ist unausgegoren, setzt falsche Schwerpunkte und liefert herzlich wenig nennenswerte Informationen. Ich wage gar nicht nachzuforschen, wie nah der Film letztlich überhaupt an der Wahrheit geblieben ist.

Soweit mir bekannt ist, ist jedenfalls noch der Beginn akkurat. Der Einwanderer Columbus, lebend bei Mönchen, ist ein Visionär und Idealist, der sich seinem eigenen Traum verschrieben hat: Einen Weg über den Ozean nach Indien zu finden. Jahrelang tüftelt der Navigator an einem Plan, um letztlich die Chance zu bekommen sie am königlichen, spanischen Hof vorzutragen. Die Bitte um finanzielle Unterstützung für seine Expedition wird abgelehnt, worauf der impulsive Mann zunächst ins Kloster zurückkehrt, um dort nach einem Wutanfall ein Schweigegelübde abzulegen, was er, als er dank einflussreicher Gönner die Chance einer Audienz bei Königin Isabella (eine kraftvolle und ausstrahlungsstarke Darstellung von „Alien“ – Jägerin Sigourney Weaver) erhält, bricht. Ausgestattet mit genug Kapital und den Schiffen des an ihn glaubenden Seefahrers Pinzon (Tchéky Karyo, „Nikita“, „Bad Boys“) segelt er, ungewiss der Dauer der Reise und Frau nebst Kinder zurücklassend, hinaus...

Soviel zum ersten Drittel. Bis dahin funktioniert „1492: Conquest of Paradise“ tadellos. Doch ab der Landung auf der bis dato unbekannten Karibik-Insel Guanahani baut der Plot kontinuierlich ab. Die Probleme auf See, die drohende Meuterei und die Wasserknappheit werden nur am Rande angerissen. Zugegeben, es ist viel Stoff, den Bosch hier in gut 140 Minuten unterbekommen will, aber vielleicht hätten gerade deswegen die Probleme mit den Eingeborenen viel kürzer ausfallen müssen oder man hätte früher einen Schlussstrich ziehen müssen.

So verkommt die Suche nach den Inseln zu einer simplen Abfolge von ersten Kontakten mit den dortigen Eingeborenen, die ihnen durchweg friedlich gesinnt sind. Einzig das Umschlagen des Wetters von Südseeidylle in unwirtliche monsunartige Regenfälle und ein Todesfall bieten etwas Abwechslung. Ridley Scotts Optik bleibt dabei über jeden Zweifel erhaben, denn „1492: Conquest of Paradise“ sieht von Anfang bis Ende wie ein edles Gemälde aus.

Der Abwärtstrend setzt sich mit seiner Rückkehr nach Spanien fort. Da er für von ihm neu entdecktes Land die Posten des Vize-Königs und Gouverneurs einforderte, muss er sich nun selbst damit auseinandersetzen, wie er dieses Land, das so gar nicht Marco Polos Berichten entspricht, aufbaut und, so fordert es der Adel, ausbeutet und lukrativ gestaltet. Der in diesen Dinge völlig unbeschlagene Seefahrer vertraut nicht adeligen Experten auf diesem Gebiet, sondern lieber seinen genauso unerfahrenen, jüngeren Brüdern. Das bringt ihm neidische, einflussreiche Gegner am königlichen Hof ein.

Ausgestattet mit Soldaten kehrt er zurück, um festzustellen, dass seine dort zurück gebliebenen Männer massakriert worden sind. Das dortige Paradies verwandelt sich unter Columbus erst zu einem ausbeutenden Institution und schließlich, als die Lage eskaliert, zu einem blutigen Kriegsschauplatz zwischen Eingeborenen, Spaniern und Abtrünnigen – angeführt vom eitlen, hochnäsigen und unbequemen Adrian de Moxica (der mal wieder perfekt besetzte Michael Wincott, „The Crow“, „Alien: Resurrection“).

Ridley Scott zeigt diesen misslungenen Versuch des Aufbaus einer Zivilisation in dreckigen und blutigen Bildern, vergisst dabei jedoch komplett die Entwicklung von Columbus und seinen Brüdern beziehungsweise gestaltet sie wenig nachvollziehbar. Sein Problem hier eine Kolonie zu gründen, die auf einem harmonisches Miteinander von Eingeborenen und Spaniern beruht und zudem noch das Anliegen des spanischen Staats, nämlich möglichst lukrativen Nutzen aus der Expedition zu ziehen, wird nur oberflächlich angegangen. Die Missstände vor Ort werden allzu sehr ausgewalzt und sind für den Zuschauer wenig interessant. Scott versucht diese inhaltlichen Defizite mit im Kontext gesehen überraschend blutigen Scharmützeln auszugleichen – scheitert aber. Zu wenig passt das letzte Drittel zum Rest des Films.

Zum Schluss kehrt der Film dann wieder zu alten Tugenden zurück. Nachdem das Festland, ohne das Columbus darüber informiert worden ist, entdeckt wurde, kehrt er gebrochen und desillusioniert nach Hause zurück, um dort dank der Gnade ihrer Exzellenz zumindest seine Freiheit zurück zu erlangen. Sogar die historische Bedeutung darf er nicht erfahren. Amerigo Vespucci wird als Entdecker genannt. Doch das sollte sein Sohn mit seiner Biographie wieder wettmachen. Zurückgezogen und verschlossen erzählt sein Vater ihm die wahre Geschichte...

Fazit:
„1492: Conquest of Paradise“ erfüllt zumindest in optischer Hinsicht voll und ganz die hohen Erwartungen und schauspielerisch gibt es dank Gérard Depardieu, Sigourney Weaver oder in kleineren Rollen Tchéky Karyo, Michael Wincott und Armand Assante („Judge Dredd“, „Partners in Action“) auch keinen Grund zur Klage. Nur leider setzt das verkorkste Drehbuch zum Ende hin völlig falsche Schwerpunkte und gönnt sich während des zu ausführlich gestalteten Anti-Paradises eine lange Auszeit, um möglichst schmutzige Gemetzel (Ich frage mich immer noch, ob die Hexenverbrennung zu Beginn wirklich nötig war und so dargestellt werden musste. Etwa um Columbus zu zeigen, dass er es mit Leuten zu tun hat, mit denen nicht zu spaßen ist?) zu zeigen, zu denen man nur schwerlich Zugang findet. Aufgrund der Bildkompositionen sicherlich sehenswert, inhaltlich aber nur durchschnittlich.

Wertung:
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