Terminator 2 - Tag der Abrechnung (1991)

OT: Terminator 2: Judgement Day - 137 Minuten - SciFi / Action
Terminator 2 - Tag der Abrechnung (1991)
Kinostart: 24.10.1991
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Terminator 2 - Tag der Abrechnung

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Es gibt Sequels von Filmen, über die schweigt man lieber. Doch James Camerons „Terminator 2” steht dem „Original” in nichts nach – und dass, obwohl beide Filme in ihrem Aufbau äußerst ähnlich sind. „Terminator 2” setzt genauso auf Speed, aber auch auf Handlung, Charaktere und Inhalt. Er bietet gute Schauspielerleistungen, insbesondere auch durch den jungen Edward Furlong, und vor allem durch Linda Hamilton, die hier neben der Tragik ihrer Rolle auch zu einer Art weiblichen Actionheldin stilisiert wird. Die deutlich zu spürende Abneigung der Geschichte gegen jegliche Teleologie – d.h. den Glauben an einen Endzweck des Daseins und die schicksalhafte Bestimmung der Individuen – ist sogar noch deutlicher als in dem ersten Terminator-Film.

Maschinen, die aufgrund von Forschungen ein eigenes Bewusstsein entwickelt und am 29.8.1997 drei Milliarden Menschen vernichtet haben, um die Erde zu beherrschen, schicken aus dem Jahr 2029 einen Terminator in die Vergangenheit vor diesem Zeitpunkt nach Los Angeles. Nachdem der erste Versuch, Sarah Connor (Linda Hamilton) zu töten, weil sie die Mutter von John Connor (Edward Furlong) sein wird, der in der Zukunft den Widerstand gegen die Maschinenherrschaft organisiert, gescheitert ist (die Handlung des ersten Films), schicken sie nun ein neues Modell eines Terminators in die Vergangenheit, um den jugendlichen John zu eliminieren.

Zur gleichen Zeit arbeitet der Wissenschaftler Dr. Dyson (Joe Morton) an der Entwicklung einer neuen CPU – derjenigen, die die Maschinen später in die Lage versetzt, unabhängig von menschlichen Einflüssen zu operieren. Die Firma, für die Dyson arbeitet, hat die Existenz des ersten Terminators vertuscht, besitzt aber dessen CPU, die als Grundlage für die Forschungen Dysons dient. Sarah Connor dagegen gilt als Psychopathin. Kein Mensch glaubt ihr die Geschichte von einem Terminator, der sie töten wollte, um zu verhindern, dass die Zukunft sich ändert. Sie wurde in die Psychiatrie zwangseingewiesen. John lebt bei den Pflegeeltern Janelle und Todd Voight (Jenette Goldstein, Xander Berkeley).

Doch auch der John Connor des Jahres 2029 ist nicht untätig geblieben. Er schickt einen Terminator der ersten Generation (Arnold Schwarzenegger), der dem des ersten Films völlig ähnlich ist, zu seinem eignen Schutz in die Vergangenheit. Während der Terminator sich in einer Bar die Lederkleidung, eine Waffe und ein Motorrad gewaltsam aneignet, tötet der T-1000 einen Polizisten und nimmt dessen Gestalt an. Der T-1000 besteht aus flüssigem Metall, das fast jede Form – sei es eines Menschen, sei es von Gegenständen – annehmen kann.

Während die beiden Terminatoren in einem Spielsalon, in dem John sich mit einem Freund aufhält, zum ersten Mal aufeinander treffen und danach eine erste Verfolgungsjagd durch offene Kanäle stattfindet, lehnt Psychiater Dr. Silberman (Earl Boen) eine Verlegung von Sarah in eine weniger streng bewachte Abteilung der Psychiatrie ab, weil er ihr nicht abnimmt, dass sie von ihren angeblichen Weltuntergangsphantasien abgerückt sei.

John begreift jetzt, dass seine Mutter keine Psychopathin ist, sondern recht hatte. Er erkennt, dass der Terminator ihn vor dem T-1000 schützen will. Und er entscheidet, dass er und der Terminator seine Mutter aus der Psychiatrie befreien ...

Cameron setzt, wie schon gesagt, nicht nur auf special effects, sondern auch auf Geschichte und Charakterdarstellung. So minimalistisch Schwarzenegger die (jetzt „gute”) Maschine auch spielt, so überzeugend ist dieser Minimalismus immer dann, wenn er durch Edward Furlongs John sozusagen aus der Reserve gelockt und zum Lernen motiviert wird. Denn John will nicht, dass der Terminator wahllos alle tötet, die John möglicherweise gefährlich werden könnten. Er befiehlt ihm, mögliche Gegner nur zu verletzen. Und er versucht, ihm einen anderen Jargon beizubringen (das berühmte „Hasta la vista, baby” z.B.), der der Zeit, und nicht den Maschinen, angemessen ist. Besonders gelungen ist da eine Szene, in der John dem Terminator Lächeln beibringen will. Der Terminator registriert über seine Zentraleinheit das Lächeln einer Person, verarbeitet dies und versucht sich im Lächeln. Zum Lachen! Auch schön, wenn Schwarzenegger am Schluss trocken sagt: „Ich glaube, ich brauche mal Urlaub..”

Linda Hamilton, die die eigentlich tragische Rolle spielt, begegnet den Wächtern und Psychiatern nicht nur mit Misstrauen, sondern vor allem mit hilfloser Aggression. Ein Fluchtversuch ist bereits gescheitert. Hinzu kommt, dass sie von einigen Wärtern malträtiert wird. Sie befindet sich in einer fast aussichtlosen Situation – bis sie bei einem Polizeiverhör einen Draht oder so etwas ähnliches an sich nehmen kann, mit dem sie das Schloss ihrer Fesseln und die Tür zu ihrer Zelle aufbrechen kann. Die nachfolgende Fluchtszene gehört zu den besten Sequenzen des Films.

Als sie den Verursacher der Maschinenherrschaft Dyson töten will, gerät sie in einen schweren Gewissenskonflikt. Zwar verletzt sie ihn, doch töten kann sie ihn nicht. Besonders deutlich werden die Ängste der Sarah Connor auch in den Alptraumsequenzen von der Vernichtung der Menschheit und in ihren anfänglichen Zweifeln gegenüber dem John schützenden Terminator.

Daneben kann man sich kaum satt sehen an den Metamorphosen des T-1000, der sich einmal sogar in einen Fußboden verwandelt. Die schiere Unmöglichkeit, dieses neue Modell eines Terminators mit den gängigen Waffen zu eliminieren, trägt zur Spannung des Films natürlich erheblich bei.

„Terminator 2” ist in erster Linie ein guter Actionfilm, aber eben auch ein intelligenter. Dabei fußt der Film fast schon auf einer Paradoxie: Cameron setzt auf special effects en masse und lässt seine Protagonisten alle Register der technischen Möglichkeiten ziehen, und gleichzeitig nährt er die Zweifel gegenüber Technikgläubigkeit und Fortschrittseuphorie sowie gegenüber den scheinbaren Sachzwängen der modernen Gesellschaft, die eine teleologische Mentalität befördern. Dabei wird gerade in der tragischen Rolle der Sarah Connors und im Verhalten ihres Sohns ein tiefer Humanismus sichtbar, der den Film bis zum Schluss durchzieht.

Man könnte allerdings einwenden, dass in der mehrfach geäußerten Ansicht, jeder sei für sein Schicksal selbst verantwortlich, demgegenüber diese spezielle, vielfach abgeschmackte Form des amerikanischen Individualismus („Vom Tellerwäscher zum Millionär”) gepredigt wird. Ich habe da meine Zweifel, denn diese Äußerungen stehen weniger in einem individualisierten, als in einem sozialen Kontext. Sie verorten sich parallel im Verhalten einzelner und im Kontext der Risiken einer technologiegläubigen Gesellschaft und den Gefahren, die konkret durch die Maschinenherrschaft, die ja Folge menschlichen Verhaltens ist, zu befürchten sind. Im Film sind Individuum und Verhaftung in der Gesellschaft nie getrennt. Das wird besonders deutlich in der Szene, in der der Terminator, Sarah und John Dyson über die Folgen seiner Forschung aufklären. Insofern ist „Terminator 2” – von der konkreten Ausrichtung als Sciencefiction einmal abstrahiert – ein durchaus aktueller Film mit Bezügen auf gegenwärtige Debatten, nicht nur hinsichtlich der Gentechnologie, aber auch gegenwärtig nicht sonderlich intensiv geführte Debatten, etwa die dramatischen Zusammenhänge zwischen einer zunehmenden Technologisierung der Wirtschaft und den sozialen Folgen dieser Entwicklung.

Was die teleologische Komponente des Films (wie schon des ersten „Terminator”) angeht, löst Cameron auch hier die Dichotomie zwischen Endzweck und freiem Willen auf, in dem er einen humanitären Standpunkt einnimmt. Der Endzweck des Daseins von Sarah ist völlig fremdbestimmt. Sie muss gegen Mächte kämpfen, die sie nicht heraufbeschworen hat. Aber sie hat den Grund geschaffen, warum die Terminatoren in die Vergangenheit geschickt wurden: sie hat mit Reese (im ersten Film) geschlafen und wurde schwanger mit einem Kind, das später den Widerstand gegen die Maschinen organisiert. Eine humane Entscheidung, ein Akt der Liebe treibt also die Fremdbestimmung ihres Daseins hervor: sie wird gezwungen, gegen die Maschinen und für ihren Sohn zu kämpfen. In dieser wiederum humanen Entscheidung löst sich dann wiederum die Fremdbestimmung auf. Der freie Wille hat also immer Bezug auf den Endzweck, aber einen auflösenden. In der Entscheidung des künftigen John Connors, den Kampf gegen die von Menschen hervorgebrachten Maschinen aufzunehmen, findet sich diese Auflösung der Dichotomie ebenfalls. Und ebenfalls in der Entscheidung, die Forschungsergebniss Dysons zu vernichten.

Damit wird der freie Wille nicht zu einem absoluten Standpunkt verkorkst. Er steht immer in Bezug zu anderen und zu anderem, ist damit in gewisser Weise relativ, in seiner Entstehung aber human begründet.

Wertung:
10/10 Punkte

Quelle: Follow-me-now.de / Ulrich Behrens
Filmering.at
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