Australia

OT:  Australia   -  165 Minuten -  Abenteuer / Drama 
Australia
Kinostart: 26.12.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Australia

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Baz Luhrmann hat sich mittlerweile einen Ruf mit seinen eigenwilligen Filmen erarbeitet. Dabei fallen besonders die relativ großen Pausen zwischen seinen Werken auf. Zwischen seinem Debüt Strictly Ballroom und seinem Durchbruch Romeo + Julia vergingen vier Jahre, dann folgte eine weitere Pause von fünf Jahren, zu seinem Awardkandidaten Moulin Rouge. Nun hat es weitere sieben Jahre gedauert, bis sein Heimatepos Australia fertig wurde. Herausgekommen ist der vielleicht zwiespältigste Film des Jahres, den man an manchen Stellen liebt und an manchen verflucht. Insgesamt gesehen ist sein Film aber sicher überzeugend. Wenn auch nicht für jeden.

Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs reist die britische Aristokratin Lady Sarah Ashley (Nicole Kidman) nach Australien, um auf der Ranch ihres Mannes nach dem Rechten zu sehen. Dort muss sie entdecken, dass ihr Man ermordet wurde. Gemeinsam mit dem raubeinigen Viehtreiber, genannt Drover (Hugh Jackman), versucht sie die Rinderfarm Faraway Downs zu retten. Zusätzlich will sie sich auch um den Aborigine-Mischling und Waisen Nullah (Brandon Walters) kümmern, der von der Gesellschaft ausgestoßen wird. Doch der Kampf mit dem örtlichen Vieh-Monopol, den Schranken der Gesellschaft, und die aufkeimende Liebe zwischen Drover und Lady Ashley werden vom beginnenden Krieg überschattet, der auch Australien heimsucht…

Baz Luhrmann ist bekannt für seine eigenwillige Art Filme zu machen. Wer seine Werke Romeo und Julia und Moulin Rouge gesehen hat, der weiß was ihn erwartet. Optischer Prunk, hochgetrieben bis zur Schmerzgrenze, auffälliger Kitsch und generell eine sehr spezielle Inszenierung. Dabei waren schon die allgemeinen Meinungen zu seinen letzten Filmen sehr polarisierend. Australia wird es dabei nicht viel anders gehen als seinen Vorgängern.

Dabei fällt es auf, dass Luhrmann seinen rastlosen Stil etwas gebremst hat. Natürlich besticht auch Australia durch technische Perfektion und visuelle Brillanz, aber diesmal ist es nicht ganz so radikal wie bei seinen anderen Filmen ausgefallen. Doch dies ändert nichts daran, dass man auch bei Australia eine gewissen „Einarbeitungszeit“ braucht, bis man sich vollends auf den Film eingelassen hat. Denn wie bereits erwähnt ist Luhrmanns Stil ein sehr eigenwilliger, und das Publikum wird wohl völlig unterschiedlich darauf reagieren. Manche werden 10 Minuten brauchen bis sie drin sind, andere eine halbe Stunde, und wieder andere werden nie mit dem Stil des Films warm werden.


Besonders die erste Hälfte ist dabei die wohl ambivalenteste. Zugute kommt dem Film dabei, dass er den, durchaus talentierten, Kinderdarsteller Brandon Walters als Erzähler einsetzt. Denn an viele Stellen erinnert Australia weniger an ein großes Liebesepos, sondern eher an ein märchenhaftes Abenteuer, betrachtet aus den Augen eines Kindes. So lässt es sich auch erklären, dass das tragische Potential des Films nicht wirklich zur Gänze ausgeschöpft wird, und die spirituellen Fähigkeiten der Aborigines, die ihre Verbindung zur Natur darstellen, zu einer bloßen Zaubertricknummer gemacht werden.

Doch es fällt hier teilweise wirklich schwer sich auf den Film einzulassen. Denn Baz Luhrmann lässt seine Schauspieler teilweise sehr übertrieben agieren, und versucht selbst die kleinsten Szenen bis zum Äußersten auszureizen. Dies ist auch der Punkt, wo sich die Zuseher spalten werden, denn Luhrmann bleibt seinem eigenwilligen Stil durchgehend treu. In der zweiten Hälfte ist dies weniger aufdringlich, und da man sich zusätzlich schon an den Stil des Films gewöhnt hat, weiß diese auch deutlich besser zu gefallen.

Ursprünglich war es ja geplant, dass Russel Crowe die männliche Hauptrolle an der Seite von Nicole Kidman spielt, doch daraus ist schließlich nichts geworden. Doch überraschenderweise ist es nicht der Ersatzmann Hugh Jackman, der für Probleme sorgt, sondern die talentierte Hauptdarstellerin Nicole Kidman selbst. Denn speziell am Anfang ist ihre Figur erschreckend unausstehlich angelegt, und sie wächst einem nur langsam ans Herz. Hugh Jackman, der zweifellos mit weniger Talent wie Nicole Kidman auskommen muss, wirkt dabei spürbar besser. Dies liegt daran, dass die Figur des Drover einfach sympathischer ist, und Hugh Jackman durch seine physische Präsenz und sein Charisma das Nötige mitbringt um die Rolle spielend zu meistern.

Ein wirkliches Highlight ist natürlich auch der Schauplatz Australien. Dies liegt auf der einen Seite natürlich daran, dass der fünfte Kontinent filmisch sehr unverbraucht ist, und es sehr erfrischend ist einfach das Setting zu genießen. Auf der anderen Seite steht die wunderschöne Inszenierung Baz Luhrmanns, der es schafft die gesamte Schönheit der Landschaft in überlebensgroße Aufnahmen zu transformieren, die den Zuseher mit ihrer Bildgewalt beinahe niederdrücken. Am besten lehnt man sich genüsslich zurück, und lässt sich vom Film entführen.


Es fällt aber dennoch sehr schwer dem Leser einen generellen Ratschlag mit zu geben. Im Internet liest man häufig den Vergleich „Titanic an Land“, und dies trifft auch teilweise zu. Doch obwohl ich persönlich normalerweise eigentlich wenig mit solchen Filmen anfangen kann, hat Australia es dennoch geschafft mich durch seine zauberhaften Momente zu fesseln. Aber man muss auch jeden verstehen, der den Film verteufelt, denn man muss schon über die kitschigen und schwächeren Momente hinwegsehen können, um die großartigen Momente des Films schätzen zu können.

Fazit:
Australia, das ist der wohl zwiespältigste Film des Jahres. Der Einstieg in die eigenwillige Welt von Baz Luhrmann fällt noch denkbar schwer, und es wird auch sicher so manchen Zuseher geben, der mit Australia gar nichts anfangen kann. Tatsächlich gibt es auch so manche Momente, bei denen man sich am liebsten an den Kopf schlagen würde, und so wirkt die Geschichte auch mehr wie ein großes Abenteuer, betrachtet aus den Augen eines Kindes, als ein großes Liebesepos. Doch diesen Schwächen stehen wirklich großartige Momente gegenüber, die den Filmgenuss zumindest für mich gerettet haben. Aber Australia wird das Publikum wohl dennoch ziemlich spalten.

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 25
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Liste von Lucia
Erstellt: 14.12.2014