Der Bogen (The Bow - Hwal)

OT: Hwal - 90 Minuten - Drama
Der Bogen (The Bow - Hwal)
Kinostart: 19.12.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Ein alter Mann (Jeon Sung-hwan) hält ein junges Mädchen (Han Yeo-reum) seit ihrem sechsten Lebensjahr auf seinem Fischerboot gefangen. Mittlerweile ist sie 16 und in ein paar Monaten feiert sie ihren 17. Geburtstag, an diesem Tag will der alte Mann sie heiraten. Das Mädchen hat das Boot in all diesen Jahre nie verlassen und wirkt sogar glücklich in ihrer eingesperrten Existenz, immerhin kennt sie auch nichts anderes als das Leben auf dem Fischerboot. Aber alles ändert sich jäh, als das Mädchen die Bekanntschaft mit einem jungen Studenten (Seo Ji-seok) macht und er ihr Interesse weckt. Die beiden kommen sich näher, was dem alten Mann überhaupt nicht passt. Erinnerungen an den Kampusch-Fall oder an Amstetten kommen einem beim betrachten des Films unweigerlich in den Sinn.

Doch Hwal ist eigentlich keine Verfilmung eines ähnlichen Schicksals, obwohl die Grundidee starke Ähnlichkeiten in sich birgt. Vielmehr ist der Film eine überaus subtile und ruhige Romanze, wenngleich die Musik nicht immer ruhig ist und stellenweise etwas zu überladen wirkt. Dabei darf man auch nicht vergessen, dass das junge Mädchen zu Beginn des Films glücklich mit ihrem Leben zu sein scheint und gerne am Fischerboot lebt, erst als sie die Bekanntschaft des jungen Studenten macht und für ihn etwas zu empfinden beginnt, ändert sich ihre Haltung gegenüber ihrem Leben und sie fängt langsam an zu erkennen, dass es außerhalb des Bootes auch noch eine Welt und ein Leben für sie gibt. Sie fängt an zu erkennen, dass der alte Mann nicht das Recht hat sie gegen ihren Willen einzusperren und dass sie nicht mehr auf dem Boot bleiben will.

Leider stützt sich der Film zu sehr auf eine metaphorische Bildsprache, als das es wirklich angebracht wäre. Die Benutzung des Bogens wird auf die Spitze getrieben, wodurch einem die symbolträchtige Bedeutung des Bogens geradezu aufs Auge gedrückt wird. Daher bleibt in dieser Hinsicht nicht mal viel Spielraum zur Interpretation frei, denn spätestens am Schluss, wenn der Film in einer herrlich absurden Sexsequenz endet, wird dem Zuschauer eindeutig die symbolische Bedeutung der Pfeile und des Bogens klar. Doch leider wird einem schon spätestens nach der zweiten Pfeil und Bogen Attacke des eifersüchtigen alten Mannes auf zu aufdringliche Kunden, die auf seinem Boot eigentlich nur fischen wollen, sich aber ständig an seine minderjährige Freundin ran machen, klar, was es mit der Bedeutung des Bogens auf sich hat.

Metaphern und Symbole sind etwas schönes, doch müssen sie gekonnt eingesetzt werden, was in diesem Film allerdings nicht durchwegs geschieht, da es einem von Anfang an nahezu penetrant unter die Nase gerieben wird. Dagegen helfen allerdings die großartig agierenden Schauspieler und die herrlich gefilmten Szenen. Die Schauspieler in Hwal schaffen etwas, was sich viele heutige Hollywooddarsteller zu Herzen nehmen sollte, sie drücken weit mehr durch Mimik und Gestik aus, denn durch Worte. Sie verlassen sich voll und ganz auf die Wirkungskraft ihrer Figuren und zeigen in ihren grandios wortkargen Darstellungen eine schauspielerische Selbstsicherheit, die man vom heutigen Hollywood oftmals schmerzlich vermisst.

Des weiteren sticht vor allem die grandiose Kameraarbeit und die sehenswerte Farbgestaltung hervor. Dem Filmemacher ist es gelungen, trotz dieser ziemlich eingeschränkten visuellen Räumlichkeiten, seine Figuren und die Handlung in gekonnt gefilmte Szenen zu verpacken, was zum einen für einen optischen Augenschmaus gut ist und zum anderen stets dafür sorgt, dass der Film nicht ins theatrale abgleitet, sondern eine immer spürbare filmische Dynamik inne hat. Wenngleich diese Dynamik ein, dem Film und seiner Machart zugrunde liegendes, gemächliches Tempo einschlägt. Außerdem sorgt die Kontrastierung von ausdrucksstarken Farben auf jenem tristen (relativ farblosem) Boot für eine gelungene visuelle Abwechslung.

Gegen Ende bleibt aber trotzdem ein etwas schaler Beigeschmack zurück, denn gerade in den Schlussmomenten zieht sich Hwal unnötig in die Länge. Das eigentliche Ende, wenngleich herrlich absurd, stellt einen vergleichsweise schwachen Schlussstrich dar, wenn man bedenkt, dass der Film mit weitaus eindrucksvolleren Szenen hätte enden können. Was vor allem dahingehend Schade ist, da diese eindrucksvolleren Schlussmomente sogar im Film enthalten sind, aber leider nicht dazu verwendet wurden um damit den Film enden zu lassen. Stattdessen geht der Film weiter und fährt zwar mit einer überaus skurrilen Entjungferungszeremonie auf, die aber als Abschluss nicht wirklich befriedigend ist.

Hierbei lässt sich noch anmerken, dass Hwal selbst mit einer Spiellänge von 90 Minuten hin und wieder einfach zu lang wirkt. Es finden zu viele Wiederholungen statt, die den Film scheinbar unnötig in die Länge ziehen. Somit hätte es dem Werk sicherlich nicht geschadet, wenn es an manchen Stellen gekürzt worden wäre und man auf manche Wiederholungen verzichtet hätte.

Fazit:
Zu viel aufdringliche Symbolik und Wiederholungen des immer gleichen Schemas ziehen den Film in die Länge und sorgen für zu wenig Interpretationsspielraum. Andererseits sorgen großartige schauspielerische Leistungen und hervorragend gefilmte Aufnahmen für einige einprägsame Momente. Ein Misslungener, aber in seinem Misslingen überaus absurder Schluss, trägt sein übriges zum ambivalenten Filmerlebnis bei, dass einem Hwal beschert. Alles in allem ein sehenswerter Film, der aber durchaus seine Schwächen hat, die den Gesamteindruck doch ein wenig trüben.

Bewertung:

6/10 Punkte

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