Shiver (Eskalofrio) (2008)

OT: Eskalofrio - 91 Minuten - Horror
Shiver (Eskalofrio) (2008)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
5472
Bewerten:

Filmkritik zu Shiver (Eskalofrio)

Von am

Was der spanische Regisseur Isidro Ortiz mit seinem neuesten Werk Eskalofrio vorlegt kann man getrost als zwiespältig bezeichnen: Zum einen stellt es ein solides, wenn auch in seinen grundlegenden Ansätzen unglaublich konventionelles Horrorschaustück dar, zum anderen könnte man auch einen gewissen satirischen Unterton aussieben, der den Film in einem gänzlich veränderten Blickwinkel erscheinen lässt – gewollt oder nicht gewollt ist hier jedoch die Frage.

Der 16jährige Santiago (Junio Valverde) leidet an einer seltenen Lichtunverträglichkeit (Photophobie) und in Folge dessen auch an den Schwierigkeiten, die diese Krankheit mit sich zieht: Er muss tagsüber meist mit übergezogener Kapuze und dunkler Sonnenbrille seinen (Schul-)Alltag bewältigen, was das ohnehin nicht gerade leichte Leben des Teenagers noch zusätzlich erschwert und ihn geradezu in die gesellschaftliche Isolation treibt. Ihm unterstützend zur Seite steht neben seinem ebenso treuen wie auch zeitweise etwas schwachsinnig und unüberlegt handelnden Freund Leo (Jimmy Barnatán), der ihn vor Schlägereien bzw. Mobbing-Attacken auf dem Schulhof bewahrt auch seine aufopfernde Mutter Julia (Mar Sodupe). Santiago möchte gerne nach Laponia ziehen, denn diese Region im Norden von Schweden würde ihm eine vor allem in Bezug auf seine Krankheit vereinfachte Lebensbedingung ermöglichen – aufgrund der finanziellen Situation kann Santiagos Mutter jedoch nur eine Alternative anbieten:

Ein schattiges Bergdorf in den Pyrenäen namens Arrozas de Valdeon. Dort angekommen, entpuppt sich die vermeintliche Bergidylle als trügerisch: Das Außenseitertum verfolgt den blassen und in jeder Hinsicht bedeckt auftretenden Jugendlichen. Zusätzlich kommen auf mysteriöse und grausame Weise Menschen und Tiere im dichten Waldgebiet, das die gesamte Landschaft prägt, um. Santiago geht der Sache auf den Grund, nachdem er selbst als Übeltäter dieser Gewalttaten diffamiert wird und entdeckt zusammen mit Leo und seiner neugewonnenen Freundin Angela (Blanca Suárez) das Geheimnis rund um das Mysterium: Etwas wildes, ungezähmtes lebt seit Jahren in den Wäldern, das zugleich auf rätselhafte Weise mit der Vergangenheit des Dorfes bzw. deren Einwohner verknüpft ist…

Jenseits der mittlerweile abflauenden japanischen Horrorschiene etabliert sich langsam, aber mit zunehmenden Erfolg bei Cineasten und Kritikern zugleich eine neue Welle des fantastischen Films: spanische bzw. mexikanische Werke faszinieren schon seit einiger Zeit das internationale Publikum. Allen voran schreitet natürlich der mexikanische Regisseur Guillermo del Toro, der mit Filmen wie Hellboy, Cronos und – natürlich – Pan’s Labyrinth die Pforten für allerlei Produktionen weit aufgestoßen hat. So ist es auch wenig verwunderlich, dass bei den Credits von Eskalofrio auch ein gewisser Álvaro Augustín auftaucht, der seine Tätigkeit als Produzent und sein Gespür für erfolgreiche und zugleich künstlerisch bemerkenswerte Filme unter anderem schon beim besagten Pan’s Labyrinth und auch bei The Orphanage unter Beweis stellte.

Der vorliegende Horror-Thriller Eskalofrio lässt zwar gerade beim Auftakt eine gewisse Raffinesse bei der Charakterzeichnung und beim gesamten Setting vermuten, schlägt jedoch noch vor Beginn des zweiten, den Haupthandlungsstrang beschreibenden Aktes in ein gänzlich anderes, altbekanntes Muster ein: Verlassenes Bergdorf, misstrauische Einwohner, rätselhafte Morde. Was mit einer erschreckenden und optisch imposanten Traumsequenz (Santiago läuft, langsam verbrennend, bei strahlenden Sonnenschein zu einer weit entfernten Tür, die Schutz und Sicherheit bietet) eines durch seine Krankheit emotional verstörten Teenagers beginnt, endet in einem konventionellen Schocker: Wer würde nicht vermuten, das bei einem Unwetter das vermeintlich Böse in Gestalt eines verwilderten, langhaarigen Mädchens trotz aller Vorkehrungen in das Haus des sich verschanzten Protagonisten eindringt und diesen dort mit schemenhaften Erscheinen bzw. Verschwinden terrorisiert?

Man hat alles schon in irgendeiner Weise bei anderen, genreähnlichen Produktionen gesehen: Seien es nun die gegen Ende vorgefundenen verwackelten Camcorderbilder (The Blair Witch Project, Cloverfield) oder die Schockelemente mit involvierten– betont langhaarigen – Mädchen (Ringu, Ju-On, The Shutter bzw. deren Remakes) –Eskalofrio wirkt wie ein grober Mix aus all diesen Elementen. Dies soll nun keinesfalls bedeuten, das eine Ansammlung aus wirksamen Horror- bzw. Thrillerkomponenten nicht funktionieren kann oder soll, im Gegenteil: Gut gemacht ist es natürlich ein Vergnügen, sich in altbekannte Angstzustände versetzen zu lassen. Das Problem von Eskalofrio sind jedoch die unzusammenhängenden Teile des großen Ganzen. Die Grundidee des jugendlichen Protagonisten mit einer ‚interessanten’ Krankheit ist an sich sehr originell, jedoch wird dieser filmische Baustein ebenso schnell wie nebensächlich über Bord geworfen, einzig eine Sequenz am Ende lässt nochmals die Krankheit des Jugendlichen aufblitzen.

Auch die Charaktere selbst schrammen knapp an der Grenze zum Abziehbild vorbei: der ausgestoßene Teenager, dem niemand etwas glaubt; die Tochter des Ermittlers, die trotz unglaublichen Aussehens natürlich gerade nur an jenem Burschen Interesse hat; die besorgte, selbstlose Mutter, die gerade bei entscheidenden Momenten zufällig abwesend ist; ein aggressiver, schießwütiger Landwirt, der brutal durch das Böse zu Grunde geht; der verständnisvolle und zugleich nur so von Kompetenz triefende Polizist und – ganz besonders wichtig und witzig – ein mysteriöser, alter, weißbärtiger Mann, der viel über die Vergangenheit zu wissen scheint aber (anfangs) nichts davon preisgibt.

Man kann es schon vermuten: Angst vor Klischees hatte Regisseur Ortiz anscheinend nicht – weswegen dieser Film diesbezüglich einige grundlegende Fragen aufwirft: Ist dieses Werk als solches (also Horror-Thriller) ernst zunehmen oder spielt hier eine gehörige Portion Sarkasmus die Hauptrolle? Ein guter, wenn auch leichter deutbarer Vergleich wäre etwa jeder Zombiesplatter und Shaun of the Dead: Einerseits Satire, andererseits Hommage an die Vorlage. Vor allem bei der Rolle des Leo ist dies gut zu erkennen: Er lockert die sich etwas zu ernst nehmende Grundstimmung von Eskalofrio mit seinem slapstickhaften Verhalten und Auftreten a la Dick und Doof gehörig auf und mindert dadurch den Gesamteindruck (zum Guten oder Schlechten, je nach Sichtweise) der betont angsteinflößenden Handlung.

Randbemerkung: Der Publikumsreaktion zufolge hätte man auch in einer schlechten Komödie sitzen können - das spontanes Lachen vor und nach einer der vorhersehbaren Schockszenen erinnerten mehr an Scary Movie als an das Objekt der Verulkung, Scream.

Fazit:
Eskalofrio erweist sich nach den einführenden 20 Minuten als konventioneller Horror-Thriller ohne nötigen Tiefgang oder Überraschung. Die Frage, ob man das Werk überhaupt als ernstgemeinten Horrorfilm oder als reine Ansammlung von Horror/Thriller-Elementen mit betont satirischen Unterton in bester Shaun of the Dead –Manier betrachten soll, muss sich der Zuseher selbst beantworten. Wer einen funktionierenden, überraschenden Horrorfilm erwartet, kann Eskalofrio getrost beiseite schieben; wer hingegen etwas seichte, aber vom produktionstechnischen Standpunkt aus betrachtet gut gemachte Unterhaltung mit charmanter (spanischer) Note sucht, wird mit diesem Film sicherlich ein Quäntchen Freude habe.

Wertung:

4/10 Punkte

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 4/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 1
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
0%
7 /10
0%
6 /10
0%
5 /10
0%
4 /10
100%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Keine Empfehlungen gefunden!
Der Film ist in diesen Listen
Keine Listen gefunden!