Grace is Gone

Grace is Gone
Grace is Gone
OT: Grace is Gone

Filmstart: 28.11.2008 | Laufzeit: | Drama
graceisgone-Scene01.jpgWirklich großartige Roadmovies gibt es nur sehr selten, die meisten davon misslingen. Grace is Gone ist leider kein großartiges Roadmovie. Es ist nicht mal ein großartiges Drama. Aber es ist dennoch ein solider und guter Film. Zunächst mal ist das John Cusacks, zu Unrecht stets missachtetem, schauspielerischen Talent zu verdanken, der es gekonnt meistert, die heikle Gratwanderung zwischen extrem verletzlichen Ehemann und (zumindest nach außen hin) selbstbewussten starken Vater vortrefflich darzustellen. Er schafft es auf überaus treffende und nuancenreiche Art und Weise diesen, manchmal fast widersprüchlichen Kontrast zwischen Verwundbarkeit und Kraft der Hauptfigur Stanley Philips auszudrücken. Seine Darstellung in diesem Film zählt wohl zu den besten Leistungen seiner bisherigen Karriere. Aber es gibt noch zwei gute Gründe diesen Film zu mögen.

Shelan O’Keefe und Gracie Bednarczyk spielen die Töchter Heidi und Dawn Philips. Ihre Darstellungen sind zwar nicht perfekt, aber dafür mit einer erfrischenden und erheiternden Ehrlichkeit gespielt, die einem hin und wieder vergessen lässt, dass es sich dabei um zwei Schauspieler handelt. Es ist eine Art von Ehrlichkeit, die wohl nur Kinder mit einer derartigen Natürlichkeit zum Ausdruck bringen können. Leider schaffen sie es aber nicht, diese Art des Schauspiels den ganzen Film über durchzuhalten, weshalb man zeitweise dennoch merkt, dass es sich dabei um zwei Darsteller handelt, wenngleich auch um überaus talentierte. Dennoch fehlt es dem Film an etwas ganz Essenziellem.

graceisgone-Scene02.jpgDer Film erzählt keine richtige Geschichte. Genau an diesem Punkt scheitern auch viele andere Roadmovies. Ganz besonders wenn es dramatische Roadmovies sein sollen. In diesem Film passiert einfach nichts. Zugegeben, man hat eine gute, stimmige Exposition am Anfang des Films. Die Figuren werden gut etabliert und die Handlung nimmt ihren Anfang. Die Titelgebende Grace, die Frau von Stanley, kämpft als Soldatin im Irakkrieg und verliert dabei ihr Leben. Daraufhin beschließt Stanley, anstatt seinen Kindern die Wahrheit zu sagen, mit ihnen in einen Vergnügungspark nach Florida zu fahren. Doch irgendwann muss er seinen Kindern natürlich die Wahrheit sagen.

Der gesamte Mittelteil des Films besteht dann aus nichts weiter als einer Aneinanderreihung von Szenen, in denen sie über Highways fahren oder durch Kleinstädte kurven. Ab und zu halten sie irgendwo an, um zu übernachten und erleben einige kleine Nebensächlichkeiten, die von kaum einer Relevanz für die Geschichte als solche sind. Einzig der Aufenthalt bei Stanleys Bruder John (Alessandro Nivola), der das absolute Gegenteil von Stanley ist, bietet ein wenig Abwechslung und sorgt für etwas Spannung und Interesse. Doch das mögliche Konfliktpotenzial zwischen Stanley und John wird nicht weiter ausgereizt, stattdessen geht die Reise weiter, leider ohne die Möglichkeit in Erwägung zu ziehen, John auf die Reise mitzunehmen. Erst am Schluss erhöht sich das Tempo des Films ein wenig, als die Handlung auf den emotionalen, unausweichlichen Höhepunkt zusteuert.

graceisgone-Scene03.jpgDoch abgesehen von der gelungenen Exposition am Anfang, dem kurzen Aufenthalt bei John und den emotionalen Schlussmomenten, bietet der Film leider keinerlei Spannung, geschweige denn eine wirklich abgerundete Geschichte. Es geschieht einfach zu wenig, um das Interesse an den Figuren und deren Schicksal über die ganze Dauer des Films aufrecht zu erhalten. Weshalb man, besonders in den zahlreichen ruhigeren Momenten, das (im wahrsten Sinne des Wortes) ein oder andere Schnarchen im Kinosaal vernehmen konnte. Was ja im Grunde schon eine Kritik des Films darstellt, ohne dabei viele Worte verlieren zu müssen.

Dennoch ist der Film, wie Eingangs erwähnt, ein solides und stellenweise sogar gutes Drama. Das Fehlen einer Handlung lässt sich zwar auch nicht damit verbergen, dass man meint, der Film schildere halt den Alltag dieser Figuren und ihrer Reise, aber zumindest den Schauspielern gelingt es in manchen Momenten, über das schmerzhafte fehlen einer Geschichte hinwegzutäuschen. Wodurch der Film nicht ganz im Sand verläuft und vom tönenden Schnarchen einiger Zuschauer zum verstummen gebracht wird. Gerade dank den durchwegs großartigen (John Cusack und Alessandro Nivola) und meistens großartigen (Shelan O’Keefe und Gracie Bednarczyk) Darbietungen der Schauspieler, verdient sich der Film dennoch das Prädikat „gut“, wenn auch nur sehr knapp. Denn irgendwie schaffen sie es, obwohl sie sich scheinbar in einem beinahen Vakuum an erzählter Geschichte bewegen, den Zuschauer emotional für einen Teil ihrer Reise zu fesseln.

Fazit:
Die hervorragenden Schauspieler sorgen dafür, dass man das Fehlen einer Geschichte für den Großteil des Filmes vergisst. Gerade die hervorragenden Anfangsmomente und die extrem starken Schlussszenen, sorgen dafür dass der Film einiges vom Mittelteil wieder gut macht. Auch wenn Grace is Gone einige Längen hat, ist er dennoch sehenswert, weil er es auf durchaus gute Art und Weise versteht, das Gefühl des Verlustes und wie man damit fertig wird, darzustellen. Was wiederum in erster Linie den Schauspielern zu verdanken ist. Außerdem hat der Film noch einen großen Pluspunkt, den man fast vergessen könnte. Er kommt (fast) ohne Kitsch aus. Und das ist doch schon mal was!

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Das ist Emotionskino pur. Wie und wann bringt ein Vater seinen Töchtern (8 und 12) bei, dass ihre Mutter von einem Auslandseinsatz nicht mehr zurückkehren wird. Man mag ja von diesem emotionalen Sahnetopf halten was man will, aber eines spricht auf alle Fälle für diesen Film: er thematisiert gekonnt die Tatsache, dass auch Soldatinnen fallen können. Meistens ist nur von den männlichen Helden die Rede.
Die mitfühlende Einstellung der Zuschauer wird gegen Ende nicht nur mit jeder Menge Tränen gewässert, sondern auch noch optisch mit Balsam und Wohlfühlöl beträufelt, wunderschöne Sonnenuntergänge am Meer etc.
Die Tatsache, dass Vater John Cusack und die Zuschauer mehr wissen als die beiden Mädchen, lässt das Ganze als ein schwebendes Verfahren erscheinen und weckt Interesse nach dem ’Wie’ und dem ’Wann’. Und auch die Gefühlsausbrüche des Vaters sind überzeugend gesetzt, sowohl seinen Töchtern als auch seinem Bruder gegenüber. Cusack gibt sich mal aufbrausend aggressiv, dann wieder gefühlvoll verletzlich.
Manchen mag’s rühren vom Thema und der Machart her, wenn man dazu in Stimmung ist.

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