True Crime - Ein wahres Verbrechen (1999)

OT: True Crime - 127 Minuten - Thriller
True Crime - Ein wahres Verbrechen (1999)
Kinostart: 28.05.1999
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu True Crime - Ein wahres Verbrechen

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Clint Eastwood nimmt sich nun seit über einem Jahrzehnt beständig ein Genre nach dem anderen vor. Die Genialität eines „Unforgiven“ erreichte er zwar später nie mehr, doch sind auch „Perfect World“, „Space Cowboys“ oder „Absolute Power“ sehr gelungene Werke der lebenden Filmlegende, die nur ein gemeinsames Problem hatten. An den Kinokassen lief es oft nicht so gut. „True Crime“ ist sicher eins seiner schwächsten Werke der vergangenen 15 Jahre, was an vielerlei Faktoren liegt.

Zu allererst ist das Grundthema Todesstrafe, auch wenn es in Amerika weitestgehend akzeptiert wird, ein heißes Eisen, aus dem man einen nicht nur anklagenden, sondern auch spannenden Film machen kann - was Eastwood hier leider nicht gelingt. Stattdessen reiht der Film sich in eine Reihe viel zu langer thematisch ähnlich angesiedelten Beiträgen ein, die ebenfalls nichts Neues zu bieten hatten und deshalb untergingen. Seien wir ehrlich, wenn der Name Eastwood hier nicht als Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller in den Anfangs-Credits stehen würde, hätte wohl fast jeder müde abgewinkt.

So läuft die Geschichte um den abgehalfterten Journalisten Steve Everett (Eastwood), der überraschend die Chance bekommt ein letztes Interview mit dem zum Tode verurteilten Frank Beachum (Isaiah Washington) eben genau nach dem Schema ab, das man als Zuschauer erwartet. Steve ist als einziger längst nicht so überzeugt von der Schuld des Verurteilten, fängt an den Film neu aufzurollen und klärt den Fall schließlich. Wie? Raten, ist wirklich nicht schwer. Dass er das gerade mal in 12 Stunden bewältigen muss, ist in „True Crime“ genau so wenig zu spüren, wie eine Auseinandersetzung mit der Todesstrafe (Richtig oder falsch) fehlt. Oberflächliche Motive wie die möglichst schnelle Festnahme eines Schuldigen wie auch die rassistischen Vorurteile der Gerichte werden nur grob angerissen, statt ausgeführt. Selbst der Boulevardjournalismus, den Eastwood hier nun mal verkörpert, wird nur in zwei Sätzen (!!) angeklagt. Beides Mal übrigens von den Frauen der Opfer…

Statt sich auf den Fall und die Ermittlungen zu konzentrieren, scheint Eastwood etwas selbstverliebt an den Film zu gehen und widmet sich somit lieber einer zu ausführlichen Charakterdarstellung seiner Figur. Die besten Jahre hinter sich, durch Alkoholexzesse um die Karriere gebracht, ist er nur noch ein Schatten früherer Tage, der sich durch die Betten seiner Vorgesetzten, mit deren Frauen vögelt. Mal ehrlich, nehmen wir einem fast 70jährigen Eastwood die Rolle eines Ladykillers, wenn diese 30 bis 40 Jahre jünger sind, noch ab? Nein und hier fängt das Skript an zu bröckeln. Everetts Familienverhältnisse, die Zurückstellung seiner Tochter zugunsten der „heißen“ Story und Trouble mit den Kollegen werden hier wesentlich stärker gewichtet, als sein Spürsinn. Mit James Woods mag Eastwood einen kongenialen Partner gefunden zu haben, mit dem er sich den Wortwitz nur so um die Ohren schlagen kann, nur weiter bringt das den Film nicht. Schon allein deswegen, weil der Zuschauer Frank im Hinterkopf hat, der parallel dazu seine letzten Stunden mit Frau und Kind in der Todeszelle verbringt.

Immerhin gibt es hierbei, auch wenn Eastwood etwas zu alt für die Rolle ist, in schauspielerischer Hinsicht nichts zu kritisieren. Den zynischen Rebell, der sich von niemand in seine Schranken weisen und einen Maulkorb aufsetzen lässt, kann er immer noch aus dem Handgelenk schütteln. Der heimliche Star ist aber Isaiah Washington, der den Todeskandidaten mit viel Herz verkörpert und die Sympathien der Zuschauer auf sich zieht. Der Supportcast um namhafte Schauspieler wie James Woods und Dennis Leary macht seine Sache ordentlich kann aber keine weiteren Akzente setzen.

Nun schlendert der Film eher gemütlich vor sich hin, um erst final, wie erwartet, auf die Tube zu drücken. Wenn es Eastwood in seiner altmodischen Inszenierung geschafft hätte den Rest des Films mit etwas mehr Leben und vor allem Dramaturgie auszufüllen, wäre das auch kein Problem – nur stört die Gemächlichkeit auf Dauer und wandelt sich in Zähigkeit. Die leider recht seltenen fesselnden Szenen sind fatalerweise dann ausgerechnet die, wo Eastwood nicht im Bild ist und das Gefängnis inklusive dessen Vorbereitungen fokussiert werden. Das fängt beim Galgenhumor der Wächter an, geht über einen desorientierten Priester und hört beim harten aber gerechten Gefängnisdirektor auf.

Fazit:
Clint Eastwood mag in den letzten Jahren einige eindrucksvolle Filme zustanden gebracht haben, doch „True Crime“ gehört eindeutig nicht dazu. Das Problem ist im Drehbuch zu finden, dass sich zu sehr auf den abgehalfterten Reporter stützt, als sich mit der Todesstrafe auseinander zu setzen. Langatmig erzählt und gut gespielt, fehlt dem grauen Wolf hier die letzte Konsequenz.

Wertung:
5/10 Punkte

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