Pink Cadillac

OT:  Pink Cadillac  -  122 Minuten -  Action 
Pink Cadillac
Kinostart: 26.05.1989
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
5406
Bewerten:

Filmkritik zu Pink Cadillac

Von am
Die Achtziger waren für Clint Eastwood („Dirty Harry“, „Unforgiven“) das wohl enttäuschendste Jahrzehnt seiner einmaligen Karriere. Zu lange hielt er an dem von ihm so gepflegten Archetypen fest und wenn er sich in anderen Rolle versuchte, wurde er ignoriert. Es war keine leichte Zeit für die zwar noch längst nicht vergessene, erfolgsverwöhnte Ikone die glorreichen Siebziger davonschwimmen zu sehen und sich auf eine neue Art von Filmen einzustellen, die dieses Jahrzehnt so dominant beherrschten.

Die letzten beiden „Dirty Harry“ – Filme fanden nicht mehr wie in früheren Tagen vorbehaltlos die Gunst des Publikums, andersgeartete Filme wie „Bronco Billy“ oder „Honkytonk Man“ wurden nicht beachtet, doch ein „Heartbreak Ridge“ lief noch gut. Nichtsdestotrotz waren die Achtziger für ihn auch in künstlerischer Hinsicht ein enttäuschendes Jahrzehnt, das er mit „Pink Cadillac“ genauso abschloss. In den Neunzigern sollte er dann später alles nachholen, was er vor und hinter der Kamera in diesen Jahren versäumte.

Würde Clint Eastwood nicht in „Pink Cadillac“ die Hauptrolle spielen, würde heute auch kein Hahn mehr danach krähen. Denn so durchschnittlich die Inszenierung und der Plot auch sind, allein seine Anwesenheit hievt den Film schon über den Durchschnitt und er gibt sich auch richtig Mühe. Als Kautionsdetektiv, der entflohene Verdächtige wieder einfängt und zurückbringt, damit sie ihren Gerichtstermin nicht versäumen, bekommt man als Zuschauer mal wieder viel vom liebgewonnen Eastwood-Image geboten.

Als lakonischer Zyniker, der mit List seine Schäfchen ins Trockene fährt und Spaß an seinem Job hat, ist er in gewohnter Form, präsentiert sich dabei aber auch von einer selten gesehen Seite mit viel Humor, wie man ihn sonst nicht kennt. Gerissen verkleidet er sich als Radio-DJ oder Casino-Besitzer, kalauert herum, parodiert, imitiert und plustert sich auf, dass es eine wahre Freude ist den damals schon fast Sechzigjährigen bei seiner Show zuzusehen. Denn nichts anderes ist „Pink Cadillac“ in seinen besten Szenen – eine Eastwood-Show.

Doch alles was über den knurrigen, prinzipientreuen Tommy Nowak hinausgeht, bedarf abseits diverser Cameos (u.a. Jim Carrey, Sven-Ole Thorsen, James Cromwell, Bryan Adams, Geoffrey Lewis) kaum einer Erwähnung. Denn sein aktuelles Zielobjekt ist die junge, aufgeweckte Lou Ann McGuinn. Die Mutter eines wenige Monate alten Kindes wurde verhaftet, weil in ihrem ärmlichen Wohnwagen Falschgeld gefunden wurde. Dies stammt jedoch nicht von ihr, sondern von einer rechtsradikalen Gruppe namens Heimatrecht, die im Wald wild mit MGs rumballert, aber ansonsten keinen echten Plan zu haben scheint. Jedenfalls wird nicht darauf eingegangen. Ihr Loser von einem Ehemann Roy (Timothy Carhart, „The Rescue“, „Black Sheep“) lässt sich trotzdem mit diesen Jungs ein. Angewidert von ihrem Mann, der viele Versprechungen macht aber nie welche hält, lässt sie ihre Kaution lieber von einem Büro stellen anstatt sich von der Heimatfront helfen zu lassen und brennt mit ihrem Baby in dem pinken Cadillac, dem Schmuckstück ihres Gatten, durch. Nur befinden sich dort im Kofferraum, ohne dass sie davon weiß, eine Viertelmillionen echter Dollars, worauf nicht nur Nowak sondern auch die Heimatfront auf sie Jagd macht.

„Pink Cadillac“ gestaltet sich in Folge weder sonderlich einfallsreich- noch abwechslungsreich und auch nicht sonderlich witzig, sofern denn Eastwood nicht einen seiner köstlichen Auftritte zum Besten gibt, die auch einen Running Gag bereithalten. Sein Kumpel Buddy Van Horn, der auch schon „Any Which Way You Can” und „The Dead Pool” inszenierte und den ich für einen kompetenten Stundkoordinator aber einen schwachen Regisseur halte, kann sich mit seiner relativ drögen, innovationslosen Arbeit auch kaum für weitere Projekte anbieten. Attraktiv inszenierte Filme sehen jedenfalls anders aus.

So wird der Film von Minute zu Minute durchschaubarer und einfallsloser. Nowak gabelt Lou Ann in Las Vegas auf, wo sie glaubt Falschgeld zu verjubeln, und gewährt ihr in dem Wissen einen Fehler zu begehen eine Gnadenfrist, damit sie ihr Kind noch einmal sehen kann, das sie in die Obhut ihrer Schwester übergeben hat. Nun ist Roy nicht völlig bescheuert und entführt das Kind, was Nowak endgültig auf den Plan ruft. Er hilft der armen Frau und es kommt (natürlich) auch zu einer Romanze zwischen den beiden.

Das ist so schrecklich aus dem Lehrbuch gefilmt und erzählt, dass man gerade angesichts Eastwoods in der Hauptrolle nur traurig mit dem Kopf schütteln möchte. Zwar schaltet „Pink Cadillac“ nie länger in den Leerlauf, doch für einen Schauspieler seines Kalibers ist so ein Skript einfach viel zu wenig fordernd und überzeugend. Wo wir dann wieder an dem Punkt angekommen wären, dass ohne den Hauptdarsteller heute vermutlich kein Mensch mehr den Film kennen würde.

Actioneinlagen gibt es bis auf mittelprächtige Verfolgungsjagden und kurze Prügeleien dabei genauso wenig wie echte Überraschungen und diese Schose um die Bande von Rassisten kann eigentlich nur als schlechter Witz gemeint gewesen sein. Inhaltlich enttäuscht „Pink Cadillac“ also fast durchgehend und fängt bei der so typischen Romanze zwischen Nowak / Lou Ann an, nur um später das Baby entführen und retten zu lassen. Den Ablauf hätte sich jeder halbwegs erfahrene Zuschauer ausmalen können und da weder eine gute Inszenierung noch überraschende Wendungen etwas reißen können, betrachtet man den Film trotz des meist guten Humors relativ gleichgültig. Lou Ann scheint die Sorgen um ihr Kind aber wohl auch zwischendurch immer wieder vergessen zu können...

Fazit:
Clint Eastwood selbst bleibt das einzige Highlight des Films, denn er gönnt sich ein paar unverwechselbare Auftritte. Der Rest bedient ambitionslos die gängigen Standards. Das Drehbuch kann keine Highlights vermelden, die Umsetzung darf maximal als kompetent bezeichnet werden, die restlichen Darsteller sind auch nur solide und die gesamte Geschichte um diese rechtsradikale Bruderschaft und das entführte Baby ist einfach nur blöd. Immerhin ein paar schöne Dialoge und witzige Bemerkungen („Wir beide wissen, dass es nichts Schlimmeres gibt als einen schrägen Typen mit `ner 44er“) gibt es dafür.

Wertung:
6/10 Punkte

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 6/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 1
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
0%
7 /10
0%
6 /10
100%
5 /10
0%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Keine Empfehlungen gefunden!
Der Film ist in diesen Listen
Keine Listen gefunden!