Die Fälscher

OT: - 98 Minuten -  Kriegsdrama
Die Fälscher
Kinostart: 23.03.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 28.10.2011
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Filmkritik zu Die Fälscher

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Stefan Ruzowitzkys Kriegsdrama Die Fälscher basiert auf der Autobiographie des NS-Zeitzeugen Adolf Burger, der in seinem Buch Des Teufels Werkstatt - Die Geldfälscherwerkstatt im KZ Sachsenhausen, genau beschreibt wie sich ein weitgehend unbekanntes Stück deutsch-österreischischer Geschichte wirklich zugetragen hat. Zwar gibt es mittlerweile sehr viele Filme, die sich den Gräueltaten der Nazis zuwenden und sich mit dem Leiden der Juden im Konzentrationslager auseinandersetzten, aber das Kapitel, das in Die Fälscher angeschlagen wird, dürfte den meisten zur Gänze unbekannte sein. Alleine deswegen hat der Film schon eine Daseinsberechtigung und seine vorzügliche filmische Darbietung lässt ihn auch noch mehr als sehenswert werden.

 

Der sehr begabte Fälscher Salomon Sorowitsch (Karl Markovics), der von Dokumenten angefangen, bis hin zu Geld alles täuschend echt nachahmen kann, wird in Berlin gefangengenommen, da er wegen einer Frau einen Tag länger als geplant in der Stadt bleibt. Die Polizei hat ihn geschnappt, da er sich mit dem Dollar, der damals fälschungssichersten Währung, etwas übernommen hat. Er kommt jedoch nicht in ein normales Gefängnis, sonders in das KZ Mauthausen. Dort macht er sich, dank seinen künstlerischen Fähigkeiten bei den Wachen beliebt. Zu Beginn malt er einzelne Protraits der Leitenden, doch schon bald fertigt er ganze Waldmalereien für die Nazis an.

 

Als Salomon schließlich nach Sachsenhausen verlegt wird, rechnet er bereits mit seinem Tod. Doch dort wartet der Beamte auf ihn, der einst für seine Verhaftung verantwortlich war: Der ehemalige Kommissar Herzog (Devid Stresow), ließ ihn herbeordern, da er einen besonderen Auftrag für ihn hat. Er soll im Auftrag der Nazis Geldfälschung im großen Stil betreiben. Zu erst das englischen Pfund und schließlich den amerikanschen Dollar. Von nun an fehlt Salomon und seiner Gruppe Fälscher, zu denen unter anderem Adolf Burger (August Diehl), Kolja Karloff (Sebastian Urzendowsky) und Zilinski (Andreas Schmidt) gehören nichts mehr. Sie leben in einem "Goldenen Käfig" im KZ und genießen Vorzüge die den anderen Häftlingen verwehrt bleiben. Während Salomon die Situation nur überstehen will und mit den Nazis koorperiert, versucht Burger die Mission zu sabotieren...

 

Die Fälscher beruht auf geschichtlichen Fakten, jedoch wurden einige Details der wahren Geschichte verändert um den Film aus dramaturgischer Sicht aufzubessern. So hat sich zum Beispiel das Ende des Films in Wahrheit etwas anders abgespielt, Salomon Smolianoff, auf dem die Figur von Salomon Sorowitsch basiert, kam erst nach der erfolgreichen Fälschung der englischen Währung zu der Truppe und auch ist es historisch umstritten ob die Nazis dieses Falschgeld auch verwendet haben um sich den Krieg zu finanzieren, oder nur um die gegnerische Währung zu destabilisieren. Doch diese kleinen Abweichungen wirken sich, gelinde gesagt rein gar nicht auf die Wirkung des Films aus.

 

Der Roman Des Teufels Werkstatt basiert auf den Erlebnissen von Adolf Burger, der im Film nur eine Nebenrolle hat. Detailgetreu werden die Erlebnisse der KZ-Häftlinge geschildert, ohne dabei die Figuren zu überzeichnen. So ist zum Beispiel die Hauptfigur kein Held, sondern jemand der wirklich nur versucht am Leben zu bleiben. Auch der Leiter der Fälschergruppe, Herzog, wird weder in die eine, noch in die andere Richtung übertrieben dargestellt. Er sagt selbst, dass er kein Nazi ist, sondern sich nur den Umständen anpasst. Er versucht "seine Juden" durch menschliche Methoden zu motivieren. Dennoch wird er nicht glorifiziert, sondern der Film stellt auch seine dunklen Seiten dar. Diese realistische Figurenzeichnung ist mitunter eine der besten Aspekte an Die Fälscher.

 

Auch bei den Darstellern, kann dern Film punkten. Gerade bei einem solchen Film, der durch seine Intensivität überzeugen will, ist es wichtig Schauspieler zu haben die den Figuren Leben einhauchen können und sie sowohl realistisch zeigen, als auch sympathisch verkörpern. Besonders Karl Markovics zeigt sich hier von seiner besten Seite. Er spielt den gerissenen Fälscher sowohl mit Charisma, Charme, als auch mit einer kraftvollen Bodenständigkeit, sodass er garantiert jeden Zuseher auf seiner Seite hat. Doch die Figur des Salomon Sorowitsch wird nicht in den Rang eines Engels gehoben. Er macht deutlich dass er nur überleben will und keinesfalls als Held sterben möchte. Ihm gegenüber steht Devid Stresow der es vor allem versteht seiner Figur Glaubwürdigkeit zu verleihen. Er versucht gut zu den Juden zu sein, doch nur um sie besser arbeiten zu lassen. Er will nur seine Ziele verwirklichen und geht dabei über Leichen. Etwas blass bleibt jedoch August Diehl, der das moralische Gewissen der Geschichte darstellt und ständig versucht die Fälscher zum Kampf gegen die Nazis zu ermutigen.


Auch technisch hat Die Fälscher einiges zu bieten: Die Ausstattung wirkt zeitgenössisch und sehr gut gelungen. Besonders erwähnenswert ist die Kameraarbeit des Films, die durch die dreckigen und verwackelten Aufnahmen, die Geschichte auf jedenfall sehr gut unterstützt. Auch die Filmmusik ist ausgezeichnet geworden und trägt wesentlich dazu bei um den Zuseher zu Beginn des Films in die Welt von Die Fälscher zu entführen. Lediglich ein Schwachpunkt tut sich an diesem ansonsten sehr gutem Film auf: Die Fälscher versucht fast bewusst ein sehr kleiner Film zu sein und erreicht deshalb auch nicht ganz die Tragweite anderer Filme über die NS-Zeit. Dennoch ist er auf jedenfall sehenswert.

 

Besonders gut schafft es der Film ein gewisses Portrait der Figuren im Goldenen Käfig zu zeichnen. Die Fälscher beschränkt sich fast ausschließlich auf diesen Erzählrahmen und kann deshalb eine sehr detailierte Beschreibung dieser Situation abgeben. Auch wird es sehr gut dargestellt welche inneren Konflikt die Juden durchleben, da es ihnen selbst verhältnismäig gut geht, aber nebenan im Lager Menschen zu Tode gequält werden. Am Anfang und am Ende verlässt Die Fälscher das Leidensszenario und zeigt wie Sorowitsch, nach dem alles vorbei ist, in Monte Carlo auf Spielurlaub ist. In den Anfangs- und Endeinstellungen, als er auf das Meer hinausblickt, gönnt uns Regisseur Ruzowitzky eine ruhige und poetische Minute und lässt uns über das Wort Freiheit reflektieren.

 

Fazit:

Die Fälscher ist ein intensives und gut gespieltes Drama, das einen weitgehend unbekannten Abschnitt der NS-Zeit sehr gut beleuchtet. Technisch ist der Film einwandfrei und die Geschichte berührt und fesselt. Der Kinobesuch ist auf jedenfall empfehlenswert.

 

Wertung:

8/10 Punkte

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