Stoßtrupp Gold

OT:  Kelly's Heroes   -  144 Minuten -  Kriegsfilm 
Stoßtrupp Gold
Kinostart: 27.11.1970
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Stoßtrupp Gold

Von am
Schade, dass Brian G. Hutton sich nur zwei Mal im 2. Weltkrieg austobte und auf gerade mal neun Filme als Regisseur kommt, denn sein „Where Eagles dare“ und auch der zwei Jahre später folgende „Kelly’s Heroes“, gehören zu absoluten Klassikern des Genres, waren ihrer Zeit technisch Jahre voraus und haben sich inzwischen mit zu meinen Lieblingsfilmen gemausert. Nach dem eher ernsteren „Where Eagles dare“ ist „Kelly’s Heroes“ ein sehr humoriger Kriegsfilm, in dem diverse unmögliche Aberwitzigkeiten des Kriegs auf die Spitze getrieben werden.

Wie Hutton auch hier wieder inszeniert, mit so viel Liebe zum Detail ab der ersten Minute, ist einfach eine Klasse für sich und nötigt Bewunderung ab. Private Kelly (Clint Eastwood, „Dirty Harry“, „Unforgiven“) fährt hier mal eben durch die löchrige deutsche Linie, um einen hochrangigen deutschen Offizier zu entführen. Beachtlich, das Hutton, um Authentizität bemüht, nicht nur Massen von Statisten einsetzt, sondern es auch versteht, anhand von Explosionen, Einschlägen, brennenden Häusern und den Himmel erleuchtenden Blitzen, nächtliche Kriegsatmosphäre zu schaffen. Von der Planung dieser Szenen, bis hin zum richtigen Timing der Effekte und Stunts, ist „Kelly’s Heroes“ eine kleines Meisterwerk. Dass Komponist Lalo Schifrin (u.a. „Mission: Impossible“ –Theme) mit seinem Score dem in nichts nachsteht, ist fast schon selbstverständlich. Das Titellied „Burning Bridges” ist längst ein Ohrwurm. Diese Perfektion, das Zusammenspiel von Sound, Kamera und Effekten, soll sich durch den ganzen späteren Film ziehen. Zwar sind die Scharmützel mit den Deutschen im Verlauf nie ausufernd, dafür aber spektakulär inszeniert – einfach pures Eyecandy. Kurz vor Schluss hommagiert Hutton übrigens, inklusive Morricone imitierenden Score, mit Eastwood, Savalas und Sutherland den Spagetti-Western Leones und spielt damit auf Eastwoods vorherige Rollen an.

War „Where Eagles dare“ noch eine eher ernste Angelegenheit, so ist „Kelly’s Heroes“ ein humoriges Kriegsabenteuer, in dem einzig Kelly (Clint Eastwood) eine ernste Figur abgibt. Der polternde, zynische, stets schlecht gelaunte Master Sergeant Big Joe (Telly Savalas, „Kojak“, „The Dirty Dozen“) hat die Schnauze vom Krieg bis Oberkante Unterkiefer voll und will von seinem Gefangenen nur wissen, wo sich im belagerten Nancy die besten Hotels und Puffs befinden, während sein Captain ein logistisches Problem zu lösen versucht. Wie soll er ein geklautes Boot in die Heimat befördern? Man merkt dem Film von Anfang an seinen ironischen Unterton an, hier wird der Krieg nicht verbittert kritisiert, sondern persifliert. So ziemlich jeder Beteiligte hat hier schwarzen Humor geladen, verschießt ihn großzügig und ist nicht sonderlich erpicht darauf ein Held zu werden. Von „der Sache“ überzeugte, heroische Soldaten wie in „A Bridge Too Far“ oder meinetwegen auch der Schwarzweißmaterialschlacht „The Longest Day“ sind hier nicht vorzufinden. Auch mit dem Material nimmt es Hutton nicht so genau, die „Tiger“ sind beispielsweise sowjetische T-34, aber das unterstützt nur die satirischen Züge des sich selbst nie ernst nehmenden Films.

Wenn der Film eine Schwäche hat, dann ist es Troy Kennedy-Martins („The Italian Job“, „Red Heat“) Drehbuch. Die Prämisse, den Kriegstrouble zu nutzen und während des Fronturlaubs mal eben durch die Frontlinien zu fahren, um einen Goldschatz von 16 Millionen stehlen, ist angesichts des Grundtenors des Films noch locker zu akzeptieren, während leider einige Ungereimtheiten den Film immer wieder voran bringen müssen. Warum nun der deutsche Offizier einen schwarz angemalten Barren wirklich mit sich herum schleppte wird beispielsweise nie geklärt und seine Begründung ist doch sehr unplausibel..

Einen unvergesslichen Charakter hat „Kelly’s Heroes“ in Donald Sutherland („MASH“, „Eye of the Needle) als Panzerkommandant mit Spitznamen „Spiner“. Sich auf einem Esoterik-Trip befindet, kommandiert er eine führerlose Panzer-Einheit, die eher einer Hippie-Kommune (die gab es damals ja noch gar nicht!) gleicht und am Liebsten mit lauter Musik, viele Jahre vor „Apocalypse Now“, in den Kampf zieht, ihre Motoren getunt hat und mit Farbbomben schießt, um den Feind zu verwirren. Ihre Auseinandersetzung mit deutschen Soldaten an einer Eisenbahnlinie, bei der die Jungs „I've Been Working On The Railroad“ aus ihren an den Panzern montierten Lautsprechern dröhnen lassen, ist eins der Filmhighlights. Sutherlands exzentrische Vorstellung und sein süffisanter Humor wird jeder, der den Film gesehen hat, mit eben diesem ewig in Verbindung bringen - vielleicht seine denkwürdigste Rolle.

Während ihrer Mission durch die feindlichen Linien müssen sie sich nur vor den Deutschen, sondern auch vor den eigenen Fliegern in Acht nehmen, organisieren mal eben ein aus Musikern bestehendes Pionierbataillon, um eine Brücke wieder aufzubauen und arrangieren sich schließlich mit einem deutschen Tiger-Kommandanten. Der von dem Unternehmen Wind bekommende gereizte General (eigentlich die Karikatur Pattons) sieht Kellys Truppe gar als Vorreiter und Sperrspitze, die den zum erliegen gekommenen Vormarsch der Alliierten endlich die Portion Moral verschafft, um den Deutschen den Todesstoß zu versetzen. So unwahrscheinlich es auch ist, stets arbeitet alles, und sei es aus Zufall, für sie. Ernste Momente, den Tod von Kameraden, gibt es nur selten, aber es gibt sie und so kann „Kelly’s Heroes“ nicht als pure Glorifizierung, als Abenteuerspielplatz für große Kinder, abgetan werden.

Fazit:
„Kelly’s Heros“ ist ein etwas „anderer“ Kriegsfilm. Brian G. Huttons Inszenierung ist wieder tadellos und der Score längst Filmgeschichte. Obwohl der Film aus Kostengründen in Jugoslawien entstand, kommen für den Zuschauer nie Zweifel auf, sich in Frankreich zu befinden. Der Mix von zynischem, schwarzen Humor, Kriegsabsurditäten, einem mitunter spannenden Plot und schick inszenierten Kämpfen funktioniert überraschend gut. Den Rest erledigen die durch die Bank weg gut aufgelegten Stars Clint Eastwood (der übrigens nicht sonderlich zufrieden mit dem Resultat war), Telly Savalas, Donald Sutherland und Don Rickles. Unlängst ein Klassiker, in dem seinerzeit viel Liebe steckte. Schade, dass soviel Herzblut heutzutage kaum noch zu entdecken ist. Mit der latent mitschwingenden Message, dass Krieg sinnlos sei, traf Hutton seinerzeit, ähnlich wie der deutlichere „MASH“, genau die Meinung der vom Vietnamkrieg erschütterten, amerikanischen Bevölkerung. Das gelang David O. Russell mit seinem losen Remake „Three Kings“ 30 Jahre später fast genau so gut. Aber auch Steven Spielberg entlieh sich im Finale von „Saving Private Ryan“ so einige Ideen aus diesem Film.

Wertung:
9/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 8.7/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 3
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