Coogans großer Bluff

OT:  Coogan's Bluff   -  93 Minuten -  Action 
Coogans großer Bluff
Kinostart: 17.10.1968
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 20.02.2014
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Filmkritik zu Coogans großer Bluff

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Diese erste Zusammenarbeit von Regisseur Don Siegel („Dirty Harry“, „The Shootist“) und Schauspielerlegende Clint Eastwood („Unforgiven“, „Where Eagles dare“) erreicht zwar nicht die Klasse späterer gemeinsamer Filme wie „Dirty Harry“ und „Escape from Alcatraz“ ist aber, wenn man Eastwoods Werdegang beobachtet, ein sehr interessantes Werk.

Sich nach Leones „Dollar“ – Trilogie langsam von den Western lösend, steht „Coogan’s Bluff“ symbolisch für Eastwoods Wandel zum knallharten Cop Calahan, allerdings mit ironischem Unterton. So präsentiert Siegel in der Pre-Intro-Sequenz noch einen wortkargen, listigen, skrupellosen Deputy Coogan (Eastwood), der ohne viel Federlenz einen abgedrehten Indianer entwaffnet, um ihn dann nicht gerade zimperlich zu verhaften. Dort draußen im staubigen Arizona herrscht noch eine einsame Welt. Die des „Wilden Westens“, wie auch Lalo Schifrins genretypischer Score beweist. Eastwood gibt hier einmal mehr den unbequemen, coolsten Schweinehund auf Erden, der sich ein Dreck um seine Vorgesetzten schert und statt den Gefangenen abzuliefern, erst mal ein Bad nebst Frau nimmt.

Diese Einstellung bringt seinen Vorgesetzten nun so auf die Palme, dass er dazu verdonnert wird in New York einen Gefangenen abzuholen und zu überführen. Einmal kurz hin und dann wieder zurück in sein simples, durchschaubares, einfach strukturiertes Leben, denkt sich Coogan. Nun, er hat nicht mit der Komplexität einer solchen Großstadt, dem Papierkram des Polizeiapparats, gerechnet. Schnell ist er „fish out of water“ und sieht sich einer völlig unbekannten, neumodischen Welt ausgesetzt. Frauen sind hier nicht auf Männer angewiesen, auf den ersten Blick so simple Dinge, sind wesentlich komplizierter als in seiner Welt gestrickt. Als ihm irgendwann der Kragen platzt und er halb legal „seinen“ Gefangenen aus dem Gefängniskrankenhaus holt, wird er überfallen. Der Gefangene entkommt und Coogan hat fürchterliche Kopfschmerzen.

„Coogan’s Bluff“ ist ein selbstironischer Krimi, der, mal abgesehen von der finalen, schick gefilmten Motorradjagd im Park, auf Action verzichtet und stattdessen den ungehobelten Klotz in dieser ihm völlig fremden Umgebung fokussiert. Coogan ist nicht wirklich naiv, glaubt aber die Dinge stets durchschauen zu können und das bringt ihm stets Ärger ein. Untypisch für einen Eastwood-Charakter sind die vielen Anbandelungen mit Frauen. Hier schläft er sogar oder nur mit ihnen, um an Informationen zu gelangen. Sich dem Befehl seines Vorgesetzten wiedersetzend, macht er sich auf, um den Flüchtigen selbst in diesem Großstadtdschungel zu fangen. Ganz so trocken wie sein späterer „Dirty Harry“ geht er dabei zwar nicht zur Sache, aber erste Charakterzüge sind deutlich erkennbar. Linear, ohne sich um Vorschriften zu kümmert, verfolgt er sein Ziel – nur hier nicht immer erfolgreich, wie die Barschlägerei beweist.

Bewusst wird immer wieder auf sein Cowboy-Image ironisch angespielt. Seine Herkunft mutiert sogar zu einem Running-Gag, während sein Aussehen (Cowboyhut, Stiefel) für die Großstädter stets ein Anlass zum Lästern ist. Nun, in einer 70er Jahre – Hippiedisko ist er hier aber wirklich fehl am Platz. Interessant ist hierbei eine kurze Bildmontage, die so was wie ein gesellschaftliches Statement sein könnte: Auf Szenen mit Schwulen und Lesben folgen Bilder einer Tarantel und ein Skelett. Nun, Diskriminierung möchte ich Siegel hier nicht vorwerfen, aber auffällig war diese Gleichsetzung schon.

Fazit:
Interessanter Polizeikrimi, der symbolisch für Eastwoods Imagewechsel vom Cowboy zum Großstadtcop (wenn auch nur in ersten Zügen) steht. An der Inszenierung Siegels gibt es nicht auszusetzen, vor allem die Panoramaaufnahmen der tristen Stadt gefallen. Lalo Schifrins Score passt sich den Locations an und Clint Eastwood ist einmal mehr ungemein cool und knorrig. Sicher kein ungewöhnlich ausgefuchster Krimi, dafür ist er aber mit viel Selbstironie ausgestattet und zeigt in die Richtung, die „Dirty Harry“ ein paar Jahre später nehmen sollte.


Wertung:
7/10 Punkte

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