Sunshine

OT: -  105 Minuten -  SciFi / Thriller
Sunshine
Kinostart: 20.04.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Sunshine

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Danny Boyle, der sich bereits in einigen Genres einen Namen gemacht hat, wagt sich nun an eine Mischung aus Science-Fiction, Drama und Thriller heran. Seine Inszenierungen bewegen sich stets wohltuend abseits vom Gewöhnlichen. Egal ob Trainspotting, The Beach, oder 28 Days Later. Immer war es seine Inszenierung, die der wesentliche Erfolgsfaktor für die Filme war. Sein Stammautor Alex Garland konnte zwar immer durchaus gelungene Geschichten beisteuern, die wahren Großleistungen vollführte aber stets Regisseur Danny Boyle. Auch für Sunshine kann man diesen Grundsatz anwenden, auch wenn der Qualitätsunterschied zwischen Story und Inszenierung so groß, wie in keinem anderen Film der beiden ist.

 

50 Jahre in der Zukunft soll sich die Sonne ihrem Ende nähern. Eine Crew, die in ihre Richtung losgeschickt wurde, um eine gewaltige Explosion zu provozieren, welche den Stern wiederbeleben sollte, hat ihr Ziel verfehlt und ist seitdem verschwunden. Sieben Jahre nachdem das erste Team gescheitert ist, wird unter der Leitung von Kapitän Kaneda (Hiroyuki Sanada) eine weitere Mannschaft losgeschickt um die notwendige Explosion in der Sonne herbeizuführen. Bevor sie ihr Ziel erreichen, empfangen sie ein Signal, dass von der Ikarus 1 stammt, dem Raumschiff des ersten Teams. Eventuell gibt es im Wrack sogar noch Überlebende, da sowohl der Sauerstoff, als auch die Verpflegung reichen müsste. Capa (Cillian Murphy), der Physiker des Teams, muss nun entscheiden ob man den Umweg zum anderen Schiff riskieren soll, oder nicht...

 

Weltraumfilme leben stets von ihrer besonderen Atmosphäre. Die Leere des Weltraums trifft auf eine Gruppe Menschen, die den Schoß der Erde verlassen müssen um eine Mission zu erfüllen. Dabei ist der Tod ein ständiger Begleiter, da die Besatzung vollkommen auf sich alleine gestellt ist und sich keine Fehler erlauben kann. Es gibt nun einige verschiedene Herangehensweisen wie man sich der Bedrohung durch den leeren schwarzen Raum, filmisch annähern kann: Stanley Kubrick setzte in seinem SciFi-Meilenstein 2001-A Space Odysse auf einen stark phillosophischen Schwerpunkt und stellte das Mystische des Weltraums, dem mystischen der Menschheit und dem mystischen der Technik gegenüber. Alien nutzte die bedrohliche Atmosphäre, eines Raumschiffes aus um einen packenden Horror-Thriller zu zeigen und Apollo 13 legte Wert auf eine genaue Rekonstruktion, der wahren Ereignisse der Apollo-Mission und gewann seine Dramatik aus möglichst realistischen Situationen. Sunshine versucht nun irgendwie all diese Aspekte unter einem Hut zu bekommen und dies gelingt ihm stellenweise sogar ziemlich gut.

 

Sunshine ist ein Film, der auf jedenfall seine Spuren beim Betrachter hinterlässt: Danny Boyle schafft es dem Film eine wunderschöne visuelle Note zu verpassen. Lichtdurchflutete Aufnahmen, bei denen die Sonne nicht selten als ausgezeichnetes Motiv herhält, sind häufig anzutreffen und die gute Ausstattung und das gelungenen Set-Design tun ihr übriges um den Film auf optischer Ebene, sehr gut gelingen zu lassen. Auch verwendet er Unschärfe und vor allem im späteren Film, etwas verzerrte Aufnahmen um die Emotionen des Zusehers zu lenken. Der Soundtrack passt ebenso perfekt zu der inhaltlichen Pracht und deshalb ist Sunshine ein oberflächlich wahnsinnig guter Film.

 

Inhaltlich hat Sunshine allerdings nicht soviel zu bieten: Science-Fiction Klischees werden, mit einigen logischen Löchern versehen, wieder aufbereitet und man fühlt sich zumindest von der Geschichte, an frühere Werke zurückerinnert und ohne die gelungene Inszenierung wäre der Film wohl ziemlich lahm geworden. Zum Beispiel hat man es schon in mehr als einen Film gesehen dass das Raumschiff durch einen Unfall beschädigt wird und das Team deshalb das Schiff verlassen muss um draussen etwas zu reparieren. Auch das Szenario, dass man wie durch Zauberhand auf das Vorgängerteam trifft ist nichts neues mehr und deshalb bleibt dem Film die inhaltliche Innovation verwehrt, die er auf visueller Ebene spielend schafft.

 

Im letzten Drittel des Films wird dann das Weltraumdrama etwas in ein anderes Genre gerückt: Wenn das Team das alte Raumschiff betritt, schleicht sich der einzige Überlebende der alten Crew mit an Board und versucht nun die Mission zu sabotieren. Er ist wahnsinnig geworden und durch das gleissende Sonnenlicht von Verbrennungen übersäht. Nun beginnt er Schritt für Schritt die Crew zu dezimieren um die Mission zum Scheitern zu bringen. Auch hier weiß man nicht wie man diesen Part in den logischen Kontext des Films bringen soll. Zwar erweist sich die Situation als sehr spannend, aber als logisch und glaubwürdig kann man sie in keiner Sekunde bezeichnen.

 

Trotz all diesen inhaltlichen Schwächen gibt es einen Grund sich den Film anzusehen: Regisseur Danny Boyle. Er holt das absolut Menschenmöglichste aus dem Storyrahmen, der ihn an allen Ecken und Enden begrenzt, heraus und liefert einen sehr spannenden Film, aus einer Geschichte, die in anderer Hand zu einem Debakel hätte werden können. Selbst aus dem unglaubwürdigen Slasherpart des Films, macht Boyle eine emotionale Achterbahnfahrt für den Zuseher und er zieht die Spannungsschraube konstant an. Überhaupt kann Sunshine damit überzeugen, den ganzen Film über eine gewisse unterschwellige Spannung aufrecht zu halten, durch die der Zuseher stets am Geschehen dran bleibt und mitfiebert.

 

Nicht genug loben kann man die aussergewöhnliche visuelle Umsetzung von Sunshine. Der Film ist ein Fest für alle Sinne und besonders von der Sonne werden so schöne Bilder wie noch nie gezeigt. Im letzten Teil von Sunshine setzt Boyle sehr gekonnt auf eine paranoide Inszenierung, die sich durch eine verstörende Kameraarbeit und einem irritierenden Ton bemerkbar macht und beim Zuseher sehr gekonnt Spannung erzeugt. Auch muss man den sehr passenden Soundtrack des Films erwähnen, der im Zusammenspiel mit den Bildern eine sehr gute Wirkung erreicht. Dank Boyles Inszenierung kann man sogar während des Films über seine Logiklöcher hinwegsehen und ihn einfach nur genießen. Doch nach dem Abspann wird sich der anspruchsvolle Zuseher doch denken, dass hier einiges nicht so recht zusammengepasst hat. Deshalb ist Sunshine nur unterhaltsam, aber von einem wirklich großen Film doch etwas entfernt.

 

Fazit:

Sunshine ist ein sehr gut inszenierter ScFi-Thriller, der allerdings unter einem innovationslosen Skript leidet. Viele bekannte Situationen reihen sich aneinander und der Film wird nur durch Danny Boyles Inszenierung gerettet. Dieser macht seinen Job dafür so gut, dass Sunshine zum Fest für alle Sinne wird und als gelungen in Erinnerung bleibt. Die Bilder des Films sind denkwürdig und ergeben mit dem passenden Soundtrack ein wunderbares Seherlebnis. Leider begrenzt das Skript den Film zu sehr, sodass man sich wohl nicht allzu lange an ihn erinnern wird.

 

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.9/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 38
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